Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.06.2011

15:42 Uhr

Zu viel Geld in der Kasse

Siemens-Aktionäre könnte Geldregen treffen

Der Technologiekonzern hat 15 Milliarden Euro in der Kasse. Nur ein Bruchteil davon dürfte in Zukäufe fließen. Analysten erwarten eine höhere Dividende plus Sonderzahlung.

Passanten vor dem Siemens-Sitz in München. Quelle: Reuters

Passanten vor dem Siemens-Sitz in München.

FrankfurtWohin nur mit dem ganzen Geld? Siemens-Chef Peter Löscher plagt derzeit ein Luxus-Problem. Die Kasse des Münchner Technologiekonzerns ist mit 15 Milliarden Euro prall gefüllt. Das weckt zunehmend Begehrlichkeiten bei den Aktionären. Denn nur ein Bruchteil des Geldes dürfte Löscher für Akquisitionen ausgeben.

Immer mehr Analysten rechnen neben einer steigenden Dividende, der normalen Ausschüttung an die Aktionäre, noch mit einer Sonderzahlung. Viele Experten ziehen einen solchen Geldregen Übernahmen klar vor. Denn Zukäufe bringen Risiken mit sich. Und der Dax-Konzern hatte hier zuletzt nicht immer ein glückliches Händchen.

Siemens-Aktionäre werben hinter den Kulissen bereits seit eineinhalb Jahren für eine Sonderausschüttung, wie Analyst Colin Gibson von der Großbank HSBC erklärt. Jetzt könnte die Zeit dafür gekommen sein. Denn Löscher wird im laufenden Geschäftsjahr, das noch bis Ende September geht, einen Sondererlös von rund 800 Millionen Euro nach dem Ausstieg aus der Kooperation mit dem französischen Atomkonzern Areva verbuchen können.

Außerdem will Siemens im Herbst die Mehrheit an der Lichttechniktochter Osram an die Börse bringen. Das dürfte noch einmal mindestens zwei bis 2,5 Milliarden Euro in die Konzernkasse spülen, so die Erwartung am Kapitalmarkt. „Und man darf nicht vergessen, es wird auch Cash aus dem operativen Geschäft generiert. Das bedeutet, dass die überschüssige Liquidität in den nächsten Quartalen um einen signifikanten Betrag ansteigen wird“, sagt Cheuvreux-Analyst Bernd Laux.

So rechnet Laux damit, dass die normale Dividende für das Geschäftsjahr 2010/11 um 30 Cent auf 3,00 Euro je Anteilsschein steigen wird. „Ich wäre nicht überrascht, wenn eine Extra-Dividende von 2,00 Euro je Aktie hinzukommen würde.“ Die Verschuldung sei für einen derart großen Konzern wie Siemens momentan sehr gering. „Siemens ist überkapitalisiert“, sagt Laux daher. Den Unterschied zwischen eigentlich geplanter und tatsächlicher Verschuldung beziffert Laux auf mindestens sieben Milliarden Euro.

Selbst wenn Löscher zehn Milliarden Euro für Akquisitionen ausgeben würde, wäre die Verschuldung von Siemens noch im Rahmen, meint auch HSBC-Analyst Gibson. Ein Großteil des Geldes werde eher in Sonderdividenden statt Großakquisitionen fließen. Allein die Areva-Trennung ermögliche eine Sonderausschüttung von einem Euro je Anteilsschein.

Siemens hat bei Übernahmen nicht den besten Ruf. Allein in den Jahren 2006 und 2007 hat Europas Branchenprimus rund elf Milliarden Euro in drei Diagnostik-Unternehmen gesteckt - zuviel, wie sich nachträglich herausstellte. Eine Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro vergangenes Jahr war die Folge. Mega-Deals erwarten die Experten nicht. Bis zu drei Milliarden Euro könnte Löscher aber in Zukäufe investieren, um die Siemens-Kernsparten Industrie, Energie und Medizintechnik zu stärken.

Von

rtr

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Sylvia

15.06.2011, 16:57 Uhr

So, so ... einer "unserer" Großkonzerne hat also zu viel Geld in der Kasse? Während der Staat und seine Bürger/n sparen und für die Folgen nur noch export-fixierten Wirtschaftens "deutscher" Börsengrößen aufkommen sollen? Siemens dürfte mit diesen Sorgen aufgrund des angehäuften Überflußes wohl nicht der einzige, bisher staatlich dauergepamperte Global Player sein, würde ich 'mal tippen?

Außer in weitere Zukäufe gäbe es also ach so gar keine Möglichkeit, übrige Gewinne zukunftsträchtig anzulegen? Nun, da empfehle ich Siemens doch, ausnahmsweise in seine Mitarbeiter (Humankapital) zu investieren. Höhere Löhne z. B. könnten den Binnenmarkt stärken, die Motivation der Lohnabhängigen sowie die Qualität der verkauften Produkte erhöhen, dem Staat höhere Steuern und Abgaben in die Sozialkassen spülen. Oder, falls es das wieder einmal nicht sein darf in dieser Finanz GmbH, Investition in SOLIDE, anerkannte, betriebliche Weiterbildung? Zuverlässige Betriebsrenten, während der Arbeitszeiten geöffnete, personell gut ausgestattete Betriebskindergärten? Investitionen in eigene Forschung und Weiterentwicklung, zur Erarbeitung echter Innovationen?

Ein künftig korruptionsfreies Auftrags-Management, - und damit der eigeninitiative Aufbau eines guten Rufes, - könnte in Zukunft auch nicht so ganz unwichtig werden. Nur, falls unsere Kanzlerin als Key Account-Mangerin ausfallen und wider bisherigem Erwarten kein/e Willige/r mehr auf den Posten nachfolgen sollte ...

TGX

15.06.2011, 17:45 Uhr

Man kann nur hoffen, dass Löscher dem Aktionärsgeschrei nicht folgt, sondern endlich mal für eine ordentliche Umsatzsteigerung des Konzerns durch Firmenübernahmen sorgt und so verhindert, dass potentielle Übernahmekandidaten von der Konkurrenz übernommen werden. ABB wäre doch mal ein schönes Ziel. Aktionäre wollen immer nur das eine, Dividende, Dividende, Dividende, dabei verdienen sie an Siemens eh' schon genug. Wenn es nach denen ginge, würde Siemens ganz zerschlagen und in Einzelteilen verkauft werden. Also, nicht so viel auf das Geplapper der Aktionäre hören. Siemens als bedeutendster Technologiekonzern Deutschlands hat auch nationale Interessen zu wahren und zu mehren.

Sylvia

15.06.2011, 18:27 Uhr

@ TGX,

"Umsatzsteigerung des Konzerns durch Firmenübernahmen"

Wachstum also weiter durch Aufkäufe evtl. Mitbewerber? Bis wir bei dem Endverbraucher die Preise diktierenden Oligopolen, Monopolen angelangt sind? Und die rettet dann, - weil too big to fail -, ganz globalistisch eingestellt, der deutsche Lohnabhängige und Steuerzahler?

Und wo bleibt in Zukunft der Absatzmarkt für den weiter und weiter steigenden Umsatz? Die irgendwann bezahlen könnenden Kunden? Wo soll der Umsatz also herkommen bitteschön? Aus Griechenland, USA, Japan, China, UK, Spanien, Dubai? Den Schwellenländern, auf die sich demnächst alle Exportbedürftigen stürzen werden?

Mir schwant, diese Großkonzerne haben doch oft genug bereits jetzt keine wirklich zukunftsorientierten, tragenden "Geschäftsmodelle" mehr? Plus ihre Läden kaum noch im Griff? Und, wer sich zu Recht "deutscher" Global Player nennt, das wäre auch erst noch zu klären. Woran machen Sie das "deutsch" eigentlich fest? An den hier gestellten Arbeitsplätzen, Anteil inländischer Aktionäre, bezahlten Steuern im Lande?

Also, ich persönlich würde da erst einmal für Ordnung und Transparenz im vorhandenen, eigenen Laden sorgen. Und zusehen, dass derselbe sich solide Zukunfts-Perspektiven aus eigenen Kräften schafft. Plus zahlungsfähige Kunden meine Waren freiwillig kaufen. Weil sie von deren Qualität zu überzeugen waren. Die dann durchaus auch zu höher zu erzielendem Umsatz Preisen führen könnte / dürfte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×