Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.02.2012

01:13 Uhr

Zukunft von RWE

Atomkraft? Jein, danke!

Ab Juli leitet Peter Terium den RWE-Vorstand. Bei seinen Sparplänen soll auch die Belegschaft mitreden dürfen. Im Gegensatz zur Konkurrenz baut Terium auf den Heimatmarkt. Nur beim Thema Atomkraft hält er sich bedeckt.

Peter Terium (r.) löst im Juli Jürgen Großmann bei RWE ab. dpa

Peter Terium (r.) löst im Juli Jürgen Großmann bei RWE ab.

EssenDer zukünftige RWE-Vorstandschef Peter Terium will seine angekündigten verschärften Sparziele im Einvernehmen mit der Belegschaft umsetzen. „Wir erarbeiten das Programm in seiner Umsetzung mit den Kollegen“, sagte der Niederländer in einem Journalistengespräch.

Der Essener Energiekonzern will in den kommenden zwei Jahren zusätzlich zu den geplanten 1,5 Milliarden Euro noch mindestens eine weitere Milliarde Euro einsparen. Terium ist derzeit Vizechef und übernimmt die Geschäfte am 1. Juli von Jürgen Großmann.

Inwieweit mit dem Sparkurs ein weiterer Abbau von Arbeitsplätzen einhergeht, steht nach Angaben Teriums noch nicht fest. Bisher hatte das Unternehmen vor, unter anderem durch den Verkauf von Unternehmensteilen die Zahl der Mitarbeiter von weltweit knapp 71.000 um 8.000 zu reduzieren.

In Medienberichten war zuletzt die Rede davon, dass nun weitere 3.500 Jobs auf der Kippe stehen könnten. Die Arbeitnehmervertreter in Deutschland wollen den bis Ende 2012 gültigen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen verlängern. „Es ist vereinbart, dass wir im zweiten Quartal mit Verhandlungen beginnen“, kündigte Terium an.

Auf der Investitionsseite setzt RWE darauf, erneuerbare Energien aufzubauen. Fossile Kraftwerke werden nur noch zu Ende gebaut. Von neuen Atomgeschäften in seinem Heimatland ist Terium auch nicht überzeugt. Im Süden der Niederlande stand der Neubau eines Meilers in Borssele zur Diskussion. RWE wurde immer wieder Interesse daran unterstellt.

Doch da winkt der Insider, der zuletzt noch die niederländische Tochter Essent geführt hatte, ab. Für ihn fehlen die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. Der Strompreis müsste jenseits von 100 Euro liegen, damit sich ein Kernkraftwerk lohne, also mehr als verdoppeln.

Dazu kämen hohe Vorlaufkosten von 250 Millionen Euro ohne die Rechtssicherheit, dass letztlich auch gebaut werden könnte. Politisch weht der Wind momentan gegen einen Bau. Bis ein KKW dann stehe, müssten sechs Milliarden Euro ausgegeben werden. Das ist Terium zu viel.

Einen Anti-Atom-Kurs fährt der Großmann-Nachfolger aber nicht, wie sich am Beispiel Großbritannien zeigt. Da ist RWE etwas näher an der Atomkraft dran. Auf der Insel gibt es weniger Hindernisse. Aber auch dort stehe die Baufrage noch nicht an. RWE wolle Rahmenbedingungen der Regierung abwarten. Es geht um eine Marktpreisgarantie, die der Staat übernehmen könnte.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

laika0231

24.02.2012, 08:41 Uhr

Eine "Marktpreisgarantie" für Atomstrom?
Hierzulande nennt man das Einspeisevergütung und ist nicht marktkonform! Es ist offensichtlich, dass neue Kernkraftwerke nicht wirtschaftlich zu betreiben sind.

sgk_10

24.02.2012, 12:42 Uhr

RWE hat Angst vor PV!

nicolo

27.02.2012, 19:21 Uhr

Interessant!!

"Der Strompreis müsste jenseits von 100 Euro liegen, damit sich ein Kernkraftwerk lohne"

Und uns will man weismachen, die Windenergie wird noch subventioniert. Die kostet nur 94 Euro pro Megawattstunde.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×