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18.11.2016

17:34 Uhr

Zukunftspakt

VW streicht 23.000 Stellen in Deutschland

Volkswagen will bis 2025 rund 23.000 Stellen bei der Kernmarke in Deutschland abbauen. Betriebsbedingte Kündigungen seien für die Stammbelegschaft jedoch ausgeschlossen. Weltweit fallen bis zu 30.000 Jobs weg.

Volkswagen

„Zukunftspakt“: Einsparung sollen in neue Technologien fließen

Volkswagen: „Zukunftspakt“: Einsparung sollen in neue Technologien fließen

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WolfsburgVolkswagen will in den kommenden Jahren seine Investitionen stutzen. Bis zum Jahr 2020 solle die Investitionsquote bis auf sechs Prozent gesenkt werden, teilte VW am Freitag im Anschluss an eine Sitzung des Aufsichtsrats mit. Im Jahr 2015 hatte die Quote noch bei 6,9 Prozent gelegen. Bezogen auf den Umsatz im Konzernbereich Automobile waren das damals rund 12,7 Milliarden Euro. Doch absolute Zahlen und Planungsziffern für mehrere Jahre – wie es früher üblich war – will der Konzern in Zeiten von Dieselgate und dem tiefgreifenden Umbruch in der Autoindustrie nicht mehr nennen.

Volkswagen wolle die nötigen finanziellen Mittel in die Trends Elektromobilität, digitale Vernetzung oder neue Mobilitätsdienste stecken, erklärte VW-Chef Matthias Müller. „Gleichzeitig investieren wir stärker mit Augenmaß und setzen klare Prioritäten.“ Müller hatte schon kurz nach seinem Antritt eine Abkehr von dem in der Branche üblichen Rennen um die höchsten Absatzzahlen eingeläutet. „Insgesamt ist die Konzernpolitik so wie auch schon beim Absatz nicht mehr auf die großen Zahlen fixiert, sondern es wird mehr auf Qualität statt Quantität geschaut“, sagte ein VW-Sprecher. Vor einigen Jahren nannte der Konzern ein Investitionsvolumen über mehr als 100 Milliarden Euro für die kommenden fünf Jahre.

Mit dem Abbau von 30.000 Stellen weltweit und einem tiefgreifenden Umbau will sich der Autobauer fit für den härteren Wettbewerb in den kommenden Jahren machen. An den deutschen Standorten der renditeschwachen Hauptmarke VW sollen 23.000 Arbeitsplätze und damit rund ein Fünftel der Stellen wegfallen, allerdings vor allem über Fluktuation und Altersteilzeit, wie VW-Markenchef Herbert Diess am Freitag in Wolfsburg erklärte. Zugleich sollen 9000 neue Jobs etwa in der Software-Entwicklung entstehen.

Volkswagen baut Stellen ab: Ein historischer Einschnitt für VW

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Ein historischer Einschnitt für VW

Vorstand und Betriebsrat von VW haben ihr Sparpaket mit drastischen Einschnitten für die deutschen Standorte präsentiert. Doch der Erfolg ist nicht garantiert. Ein Zaudern kann sich VW nicht mehr erlauben. Ein Kommentar.

Mit dem so genannten Zukunftspakt solle das operative Ergebnis bei VW bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro im Jahr verbessert werden, teilte der Konzern am Freitag mit. Davon sollten drei Milliarden Euro an den deutschen Standorten und 700 Millionen Euro im Ausland eingespart werden. Das Handelsblatt hatte bereits Freitagmorgen über Eckpunkte der Vereinbarung berichtet.

„Volkswagen muss schnell wieder Geld verdienen und sich für den kommenden Sturm wappnen“, sagte Diess. Betriebsratschef Bernd Osterloh hob hervor, dass die Arbeitnehmerseite den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2025 vereinbart habe. „Das sind neun Jahre ohne Angst um den Arbeitsplatz“, sagte er. Es tue allerdings weh, dass viele Leiharbeiter nicht mehr weiter beschäftigt würden.

Die renditeschwache Hauptmarke des Volkswagen-Konzerns unterzieht sich auch unter dem Druck des Dieselskandals und milliardenhoher Investitionen einer Rosskur. Das Flagschiff beschäftigt weltweit an rund 30 Standorten derzeit mehr als 200.000 Mitarbeiter, davon 114.000 in Deutschland. Mit dem so genannten Zukunftspakt sollen die jährlichen operativen Kosten bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro sinken. Davon sollten drei Milliarden Euro an den deutschen Standorten und 700 Millionen Euro im Ausland eingespart werden.

Die Sparprogramme bei Volkswagen

1993: Massenentlassungen drohen

Im Jahr des Amtsantritts des späteren VW-Patriarchen Ferdinand Piëch als Vorstandschef steckt der Konzern in einer tiefen Krise. Er produziert im Vergleich mit der globalen Konkurrenz viel zu teuer, es droht die Entlassung von bis zu 30.000 Beschäftigten.

Hartz verhindert Kahlschlag

Peter Hartz, von Piëch eingestellter Personalvorstand und späterer Entwickler der Arbeitsmarktreformen der Regierung Schröder, kann den Kahlschlag abwenden. Er führt in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat und der IG Metall unter anderem die Vier-Tage-Woche bei Volkswagen ein - eine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich. Auch der umstrittene „Kostenkiller“ und Ex-General-Motors-Manager José Ignacio López bringt den verlustreichen Konzern finanziell wieder auf Kurs.

2006: Ende der Vier-Tage-Woche

Die Hauptmarke Volkswagen-Pkw fährt chronisch niedrige Erträge ein - eine deutliche Parallele zur heutigen Lage. Nach monatelangen Verhandlungen zum neuen Haustarifvertrag bei VW einigen sich die Parteien auf eine Abkehr von der Vier-Tage-Woche. Als Gegenleistung für die wieder deutlich längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich verlangt die IG Metall vom Unternehmen verbindliche Zusagen für die langfristige Zukunft der sechs westdeutschen Werke.

Nachdem Kernmarken-Chef Wolfgang Bernhard mit Stellenstreichungen und Produktionsverlagerungen gedroht hat, verlässt er den Konzern. VW kann dennoch die Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit steigern.

2016: Dieselskandal belastet VW

Nach Jahren satter Gewinne dümpelt die Marke mit dem VW-Emblem – gemessen an der Marge (Anteil des Gewinns am Umsatz) – im Branchenvergleich erneut vor sich hin. Zugleich muss der Gesamtkonzern die Milliardenlasten des Abgas-Skandals verdauen und sich stärker auf die Zukunftsthemen der Branche konzentrieren.

Der „Zukunftspakt“

Der „Zukunftspakt“ soll daher den Spardruck, den Umbau in Richtung E-Mobilität, Digitalisierung und Dienstleistungen sowie das Interesse der Belegschaft an sicheren Jobs und Standorten in die Balance bringen. Nach Monaten des Ringens steht fest: Dies wird nicht ohne Zugeständnisse bei den Jobs gehen. 30.000 Stellen sollen weltweit bis 2020 auslaufen, Kündigungen gibt es aber nicht.

Die Produktivität der deutschen Werke soll um 25 Prozent steigen. Management und Betriebsrat hatten monatelang um die Einigung gerungen. Zuletzt habe Konzernchef Matthias Müller den Knoten durchschlagen, erklärte Osterloh. Vom vorangegangenen Sparprogramm stehen Insidern zufolge noch rund 2,5 Milliarden Euro an Kostensenkungen aus. VW will mit dem Fitnessprogramm die operative Rendite bis 2020 auf vier Prozent steigern, gegenüber dem aktuellen Stand ist das etwa eine Verdoppelung. Unter dem Druck des Dieselskandals will Volkswagen bis Mitte des nächsten Jahrzehnts den Absatz von neuen Elektroautos rasch hochfahren.

Kommentare (6)

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Herr Grutte Pier

18.11.2016, 10:03 Uhr

Deutschland wird endlich de-industrialisiert.

Zukünftig ernären wir uns alle von Tätigkeiten als Gender-"Wissenschaftler", Islam-Forscher, Integrationsbeauftragte, Sozialarbeiter oder Klimaretter, um nur einige der rot-grünen Trend-Berufe zu nennen.
Das dafür benötigte Geld wird schon irgendwo herkommen......

Herr Vinci Queri

18.11.2016, 10:21 Uhr

>> Weltweit fallen bis zu 30.000 Jobs weg >>

Erst wenn weltweit alle VW-Stellen wegfallen, kehrt Ruhe um VW ein.

Der Laden ist Pleite, der ist nicht mehr zu retten.

Mieses Image eines Betrügers, miserable Qualität der Produkte, überzogene Preise, unfähiges Management :

hier LOHNT es sich auch nicht mehr, etwas zu retten.

Die LACKIERTEN sind wieder mal die Belegschaftsangehörige.

Herr Percy Stuart

18.11.2016, 10:38 Uhr

Es ist schon schon bemerkenswert, das die Globalsierungsgewinner und Freihandelbefürworter uns immer wieder erzählen, dass es ohne nicht ginge!
Seit 1945 bis zum Jahr 1995 (Schengener Abkommen) / 2002 (Euroeinführung) hatten wir einen deutschen Nationalstaat der funktionierte. Erst nachdem man dei Grenzen aufgab, die D-Mark abschaffte, die soziale Marktwirtschaft aufkündigte und Arbeits- wie Finanzmärkte deregulierte gingen die riesigen Verwerfungen und Probleme los. Ergebnis davon sind illegale unkontrollierte Massenzuwanderungen nach Europa, Weichwährung Euro, ständige Banken- Staaten- und Eurorettungspakete, Nullzinspolitik der Notenbanken, weltweite sich immer schneller drehende Verschuldungsspirale, zunehmender Rechts- und Linksextremismus, zerstrittene und zerfallende Gesellschaften inkl. Massenarbeitslosigkeit in großen Teilen Europas. Es ist einfach nur noch ein Trauerspiel. Versprochen hatte man uns Europäern was völlig anderes!!!

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