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28.06.2012

16:35 Uhr

Zukunftspläne

Opel will mit Vollgas aus der Krise

Opel-Chef Stracke wechselt die Strategie: Statt Werke zu schließen und Mitarbeiter zu entlassen, will er neue Märkte erschließen und mehr Modelle in Europa produzieren. Der Aufsichtsrat gibt ihm Rückendeckung.

Opel - die Marke mit dem Blitz. Doch die Modelle zählen nicht mehr zu den Verkaufsschlagern. dpa

Opel - die Marke mit dem Blitz. Doch die Modelle zählen nicht mehr zu den Verkaufsschlagern.

RüsselsheimWenn man mit dem Rücken zur Wand steht, gibt es nur eine Verteidigungstaktik: Angriff. Nach diesem Prinzip richtet auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke seinen neuen Sanierungsplan aus. Mit umfangreichen Investitionen in neue Modelle und Märkte soll Opel in schwierigem Umfeld wieder wachsen und damit Überkapazitäten abbauen.

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Kurz: Die Rüsselsheimer wollen sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen. Ein umfangreicher Jobabbau oder Werksschließungen sind dabei vorerst ausgeschlossen - dabei spielte der Aufsichtsrat nicht mit. Mit seinem überarbeiteten Sanierungsplan spielt Stracke den Arbeitnehmern in die Hand- und setzt damit alles auf eine Karte. Tod oder Gladiolen. Das neue Konzept segnete der Aufsichtsrat nun ab.

Im überarbeiteten Sparplan ist keine Rede mehr vom Aus des Standorts Bochum mit mehr als 3200 Beschäftigten. Im Frühjahr hatte das noch anders geklungen. Mit dem Unternehmensplan muss Stracke zeigen, wie er die Kosten senken und den Umsatz steigern will, um den Autobauer aus den roten Zahlen zu führen.

Opel-Aufsichtsratschef und GM-Vizechef Stephen Girsky stärkt Stracke vorerst den Rücken: „GM steht hinter Opel“. Auch Aufsichtsrats-Vize und Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug wertet den Geschäftsplan für die Jahre 2012 bis 2016 als „eine gute Basis für die Zukunft“ Opels.

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Jedes neue Automodell ist für Opel fast wie ein Endspiel. Beim Zafira Tourer waren die Erwartungen besonders hoch. Aber auch der Kompakt-Van konnte das Werk in Bochum nicht retten. Eine Ausfahrt.

Dass Werkschließungen in dem Plan nicht erwähnt werden, wundert nicht: Unternehmen, Betriebsrat und IG Metall verhandeln derzeit unter anderem den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 in Deutschland. Zudem soll das vom Aus bedrohten Werk in Bochum nicht schon 2015 geschlossen werden, sondern frühestens zwei Jahre später, wenn die Fertigung des Modells Zafira ausläuft. Im Gegenzug wurde die jüngste Tariferhöhung ausgesetzt.

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

Die Ausgangslage

Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

Bochum

In Bochum laufen der Astra Classic und der Zafira Tourer vom Band. Ende 2014 läuft die Produktion aus. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden.

Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

Eisenach

In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Gleiwitz (Polen)

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

Saragossa (Spanien)

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo. Ab 2014 soll auch der Mokka in Spanien gebaut werden.

Ellesmere Port (England)

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

Luton (England)

In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Sonstige

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

Verbündeter im Kampf gegen ausufernde Kosten soll der französische Autokonzern PSA Peugeot Citroën werden. Zuletzt wurden immer neue Details der Kooperation bekannt. Opel hat wie der Partner PSA mit Absatzrückgängen auf dem schwachen europäischen Automarkt zu kämpfen. Die Konzerne wollen deshalb über Kooperationen in den Bereichen Logistik, Einkauf und Entwicklung Kosten sparen. Daraus sollen sich nach früheren Angaben Synergien von 1,5 Milliarden Euro ergeben.

Kooperationspartner Peugeot will sein Sparprogramm verschärfen. Unternehmenschef Philippe Varin habe die Belegschaft auf noch härtere Einschnitte eingestimmt, sagen Gewerkschaftsvertreter. Zudem werde die seit längerem befürchtete Schließung des Werks Aulnay im Norden vor Paris vorbereitet. Peugeot äußert sich bisher nicht zu den Plänen.

Auch für Opel-Chef Stracken sind die teuren Überkapazitäten das größte Problem. Darum will er den Dreischichtbetrieb in allen Fabriken zur Regel machen. Nach Strackes Plan wird die Marke mit dem Blitz künftig auch mit mehr Modellen am Markt präsent sein. Binnen vier Jahren sollen 23 neue Modelle, darunter mehrere mit besonders spritsparenden Antrieben, an den Start bringt. Mit dem kleinen Geländewagen Mokka und dem Stadtauto Adam will Opel jüngere Kunden anlocken. Daneben soll ein für Opel-Verhältnisse luxuriöses Cabriolet auf den Markt kommen, mit dem man die betuchtere Kundschaft gewinnen will. Modelle wie der Antara oder der Agila, die bisher in Korea gebaut werden, sollen in Europa vom Band rollen und damit die Überkapazitäten drosseln. Zudem sollen Exporte in außereuropäische Märkte ausgebaut und die weltweite Fertigung im GM-Konzern besser abgestimmt werden.

Kurz vor der Aufsichtsratssitzung hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, dass künftig auch die Mittelklasse-Limousinen Peugeot 508 und Citroën C5 von 2016 des französischen Partners in Deutschland gefertigt werden könnten. „Es gibt ein solches Szenario, über das derzeit ernsthaft mit den Franzosen verhandelt wird", zitiert die Zeitung Opel-Aufsichtsratsmitglied Armin Schild. Opel selbst wies die Spekulationen zurück: „Die Meldung, es gäbe Planungen, Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën im Werk Rüsselsheim zu bauen, ist pure Spekulation.“ Der Bereich Fertigung sei „derzeit“ nicht Gegenstand des Allianz-Abkommens zwischen GM und PSA.

Kommentare (6)

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stop_esm

28.06.2012, 15:15 Uhr

"Opel will mit Vollgas aus der Krise"

Na, dann mal viel Erfolg bei den politischen Bedingungen!

Kohle gibt es dank ESM bald viel für die FIIPGS-Länder, Deutschland kann dann öffentliche Verkehrsmittel benutzen, kann sich dann keiner mehr ein neues Auto leisten, da das Geld für Essen, Miete, Steuern draufgeht!

Account gelöscht!

28.06.2012, 20:12 Uhr

Opel und PSA
============

"Allerdings sind die hohen Überkapazitäten nicht der einzige Grund für die Probleme des vor 150 Jahren von Adam Opel als Nähmaschinenhersteller gegründeten Unternehmens. Die Marke hat sich nach Auffassung von Experten zu lange auf ihre schrumpfende konservative Stammkundschaft verlassen und junge und betuchte Käufer aus den Augen verloren."

Mit anderen Worten, die Kundschaft ist "weggestorben".
Und die "jungen und betuchten Käufer" kaufen lieber VW, Audi, BMW oder Daimler; aber nicht Opel!

Zitat:
So ist geplant, die beiden Mittelklasselimousinen des französischen PSA-Konzerns - den Peugeot 508 und den Citroën C5 - künftig im Opel-Stammwerk in Rüsselsheim vom Band laufen zu lassen. (...)
Die Produktion der französischen Limousinen bei Opel wäre schon von 2016 an möglich, berichten Gewerkschafter. Bis dahin könnten die drei Fahrzeuge auf der Basis eines gemeinsamen Grundgerüsts (“Plattform“) entwickelt werden. (...)
Die beiden französischen Modelle werden bisher im PSA-Werk in der bretonischen Stadt Rennes hergestellt, das im Fall der Verlagerung zu Opel vermutlich geschlossen werden müsste.
Zitat Ende:

Das werden die Franzosen und hier besonders "Hollande" nie zulassen!
Eher wird Rüsselsheim geschlossen, als ein Werk in "La Grande Nation".

Account gelöscht!

28.06.2012, 20:31 Uhr

@stop_esm
=========
"Kohle gibt es dank ESM bald viel für die FIIPGS-Länder"

Wenn das verfassungswidrige "Ermächtigungsgesetz" - aka ESM - am Parlament vorbei von unseren "unwissenden Abgeordneten" beschlossen wird, dann "gute Nacht, Deutschland!".
Der ClubMed hat dann vollen Zugriff auf unsere (Steuer)Geld.
Der "Gouverneursrat" kanndieses dann nach Gusto an den ClubMed verteilen, damit deser sen Dolc Vita auf unsere Kosten weiterführen kann

Ahnungslose Abgeordnete: Rettungsschirm? "Irgendwie teuer..."
http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2011/rettungsschirm111.html

Stoppt ESM-Vertrag - Stoppt Schulden- und Inflationsunion
http://www.youtube.com/watch?v=13lkdkXzPFs&feature=related

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