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26.07.2013

16:14 Uhr

Zulassung für Arzneien

Bayer und Boehringer locken

Gute Nachrichten für die deutsche Pharmabranche: Bayer darf ein Augenmittel breiter vermarkten, Boehringer Ingelheim auf die baldige Zulassung eines Mittels gegen Lungenkrebs hoffen.

Bayer darf das Augenmittel Eylea breiter einsetzen. Die Rechte teilt der Konzern mit einem US-Unternehmen. AFP

Bayer darf das Augenmittel Eylea breiter einsetzen. Die Rechte teilt der Konzern mit einem US-Unternehmen.

FrankfurtDie europäische Arzneimittelbehörde EMA hat grünes Licht für zwei Arzneimittel von Bayer und Boehringer Ingelheim gegeben – folgt die EU-Kommission der Empfehlung, dürfen die beiden deutschen Pharmakonzerne bald auf gute Geschäfte hoffen.

Für das Augenmittel Eylea von Bayer hat die EMA eine breitere Zulassung in Europa empfohlen. Das Präparat solle künftig auch für die Behandlung eingeschränkter Sehfähigkeit aufgrund von Makula-Ödemen eingesetzt werden können, teilte die EU-Arzneimittelbehörde am Freitag mit. Die EU-Kommission hat nun das letzte Wort. Üblicherweise folgt sie den Zulassungsempfehlungen der EMA binnen kurzer Zeit. Der Bayer-Konkurrent Boehringer Ingelheim kann auf die baldige Zulassung eines neuen Krebsmittels hoffen.

Eylea gehört zu den Schlüsselpräparaten der Bayer-Pharmasparte. Bayer traut der Arznei in der Spitze Umsätze oberhalb der Milliardenschwelle zu. Das Medikament ist bereits zur Behandlung von zwei Augenleiden in vielen Ländern auf dem Markt. Der Konzern arbeitet bei Eylea mit der US-Pharmafirma Regeneron zusammen, die in den USA die Rechte an der Substanz hat. Die Vermarktung außerhalb der USA liegt bei Bayer, die Einnahmen sollen zwischen den Unternehmen geteilt werden. Ausnahme ist Japan, wo die US-Firma abhängig von den Umsätzen an den Einnahmen beteiligt wird.

Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern Boehringer Ingelheim kann zudem auf eine baldige Zulassung seines neuen Lungenkrebsmittels Afatinib in Europa hoffen. Ein Expertenausschuss der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) empfahl, das Präparat zur Behandlung von Lungenkrebs zuzulassen, wie Boehringer Ingelheim am Freitag mitteilte. Üblicherweise folgt die EU-Kommission den Empfehlungen der EMA binnen kurzer Zeit. Der Markenname der Arznei soll Giotrif sein.

150 Jahre Bayer

Anfänge als Farbenfabrik

Die Geschichte des Weltkonzerns Bayer beginnt 1863 in Wuppertal-Barmen. Der Kaufmann Friedrich Bayer und der Färber Johann Friedrich Weskott gründen die Firma „Friedr. Bayer et. comp.“. Sie stellt zunächst synthetische Farbstoffe her.

Expansion und Umzug

Das Unternehmen wächst schnell, ebenso die Produktpalette – etwa um ein Medikament namens Aspirin. Bereits 1881 wird die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.“. Im Zuge der Expansion zieht das Unternehmen 1912 nach Leverkusen um, dem heutigen Hauptsitz.

Die Wirren der Weltkriege

Weil Deutschland während des Ersten Weltkriegs international isoliert ist, schließen sich 1916 Bayer, BASF und Agfa zu einer Interessensgemeinschaft zusammen, die beispielsweise die schlechte Versorgung mit Rohstoffen verbessern soll. 1925 fusionieren die Unternehmen zur I.G. Farbenindustrie AG. In der NS-Zeit ist die IG Farben eng mit dem Regime verknüpft.

Neustart ins Wirtschaftwunder

Nach Kriegsende lebt Bayer als eigenständiges Unternehmen wieder auf: 1951 wird nach Zustimmung der Alliierten die „Farbenfabriken Bayer AG“ neu gegründet. Die Firma profitiert vom Wirtschaftswunder und expandiert bald auch international. Sie entwickelt und vermarktet chemische Produkte, Kunststoffe, Arzneien und Pflanzenschutzmittel.

Großer Umbruch

1999 trennt sich Bayer von seiner Tochter Agfa, 2005 von großen Teilen des Chemiegeschäfts, die inzwischen unter dem Namen Lanxess eigenständig weitergeführt werden. Ausgebaut hat der Konzern hingegen das Geschäft mit Gesundheit und Agrarwirtschaft, unter anderem durch den Zukauf der Crop-Science-Sparte von Aventis sowie der Übernahme von Schering.

In den USA hatte die Gesundheitsbehörde FDA das Medikament vor zwei Wochen zugelassen. Dort heißt es Gilotrif. Auch in asiatischen Länder laufen Zulassungsanträge für das Krebsmedikament. Für den Konzern, der erst vor wenigen Jahren groß in die Krebsforschung eingestiegen war, wäre die europäische Zulassung ein weiterer wichtiger Meilenstein.

Mit Giotrif sollen Patienten mit fortgeschrittenem, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs behandelt werden, deren Tumor ein häufig vorkommendes Genprofil aufweist, eine sogenannte EGFR-Mutation. Giotrif zählt damit zu den neuen zielgerichteten Krebspräparaten, die auf spezielle Gruppen von Patienten zugeschnitten sind. Dieser Trend zur personalisierten Medizin wurde erst durch die Fortschritte in der Genforschung und in der molekularen Biologie möglich.

Der Familienkonzern aus Ingelheim bei Mainz hat gegenwärtig drei Wirkstoffe zur Bekämpfung unterschiedlicher Krebsarten in der späten Phase der klinischen Entwicklung. Neben Giotrif sind das die beiden Substanzen Nintedanib und Volasertib.

Von

rtr

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