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25.06.2015

09:59 Uhr

Zulieferer in der Autobranche

Ein bisschen Emanzipation

VonChristian Schnell

Die Autobranche ist zwar noch immer ein Industrie-Schwergewicht, doch zuletzt wurde sie oft von Krisen geschüttelt – was auch die Zulieferer trifft. Selbst kleine Firmen wie Peiker machen sich deshalb auf zu neuen Ufern.

Peiker will nicht mehr länger nur von BMW und anderen Autofirmen abhängig sein. Zuerst knöpft sich der hessische Mittelständler den Freizeitbereich vor. picture alliance/dpa

Peiker auf Kurs zu neuen Ufern

Peiker will nicht mehr länger nur von BMW und anderen Autofirmen abhängig sein. Zuerst knöpft sich der hessische Mittelständler den Freizeitbereich vor.

FrankfurtDie erfolgreichste deutsche Dressurreiterin war voll des Lobes. „Ein solches Gerät hat gefehlt“, lautete die erste Reaktion von Isabell Werth. Sie hatte gerade zum ersten Mal das Kommunikationsgerät Ceecoach am Ohr und konnte sich mit ihren Reitschülern perfekt unterhalten. Bisher waren da Störgeräusche und Rückkopplungen, Stimmengewirr und Durcheinander. Jetzt kann der Trainer auch mal den Rest der Gruppe stumm schalten, wenn er mit einem Schüler etwas in Ruhe besprechen will.

Für den Hersteller Peiker aus dem hessischen Friedrichsdorf hat der Ceecoach indes eine ganz andere Funktion. Weg vom reinen Autozulieferer, hin zu weitaus weniger schwankenden Branchen. „Wir wollten uns jenseits der Zyklen der Automobilindustrie bewusst breiter aufstellen“, bringt es Nicole Schwäbe, Prokuristin bei Peiker, auf den Punkt. Dem Unternehmen mit seinen gut 1000 Mitarbeitern geht es dabei wie so vielen aus der Branche. Natürlich hängen Wohl und Wehe von der Qualität der eigenen Produkte ab. Aber eben auch sehr stark von den großen Herstellern. Lahmt deren Geschäft, dann schlägt das automatisch auf die Zulieferer durch. Seit Jahrzehnten ist das so. Warum also nicht versuchen, mit den eigenen Produkten Branchenfremde zu bedienen?

„Die Zulieferer müssen in diesem sich rasant veränderndem Umfeld eine wohlüberlegte Strategie entwickeln, sodass es ihnen gelingt, aus ihrem Portfolio den größtmöglichen Ertrag heraus zu holen“, rät Andreas Cornet, Spezialist für die Automobilindustrie bei der Beratungsgesellschaft McKinsey. Ein Trend, dem sich nach den Großen der Zuliefererbranche nun auch immer mehr kleine und mittlere anschließen. Der Grund ist klar: Haben doch viele Zulieferer erst während der letzten Krise wieder die schmerzhafte Erfahrung gemacht, dass es durchaus ein Klumpenrisiko darstellt, wenn 80 Prozent des Umsatzes mit einer überschaubaren Zahl großer Hersteller erzielt wird.

Das sind die Gewinner im deutschen Automarkt

Platz 10

Volkswagen - plus 7,7 Prozent*

Der Marktführer legt mit 287.504 verkauften Fahrzeugen in der Heimat einen guten Start hin, allerdings wird der Erfolg durch rückläufige Zulassungen im Mai ein wenig getrübt.

*Absatz Januar bis Mai 2015 im Vergleich zum Vorjahr, Quelle: KBA

Platz 9

Nissan - plus 10,7 Prozent

Die Japaner können weitere Marktanteile erobern und legen dank ihres Bestsellers Qashqai bei den Verkäufen deutlich zu. Insgesamt verkauft Nissan in den ersten fünf Monaten des Jahres 29.430 Autos.

Platz 8

Land Rover - plus 11,4 Prozent

Der Marktanteil der schweren Briten in Deutschland ist zwar marginal. Doch das Wachstum kann sich sehen lassen. Allein im Mai legen die Verkäufe um rund ein Fünftel zu. Insgesamt wurden in Deutschland rund 7.600 Exemplare der britischen Geländewagen verkauft.

Platz 7

Porsche - plus 21,4 Prozent

Der Macan und die Folgen. Der Sportwagenbauer schwimmt dank des jüngsten SUVs weiterhin auf der Erfolgswelle und verkaufte bis Mai rund 12.700 Autos in Deutschland.

Platz 6

Mini - plus 23 Prozent

Der kleine Brite mit BMW-Genen verkauft sich dank der neusten Cooper-Auflage wieder blendend. Im Mai zogen die Verkäufe gar um satte 83 Prozent an. Deutschlandweit wurden in den ersten Monaten 15.300 Minis verkauft.

Platz 5

Suzuki - plus 24,7 Prozent

Die Japaner fliegen in den öffentlichen Wahrnehmung unterm Radar. Dabei können sich die Verkäufe sehen lassen. Dank neuer Modelle wurden deutschlandweit rund 14.000 Suzukis verkauft.

Platz 4

Lexus - plus 44,1 Prozent

Schon mit wenigen zusätzlich verkauften Fahrzeugen landet die Luxus-Marke der Japaner in den oberen Rängen. Mit 689 verkauften Fahrzeugen in fünf Monaten bleibt Lexus in Deutschland ein absoluter Exot.

Platz 3

Smart - plus 53,2 Prozent

Der Modellwechsel treibt die kleine Daimler-Tochter an. Die Neuauflage des Smarts verkauft sich in Deutschland blendend. Insgesamt setzt Smart 16.200 Fahrzeuge ab.

Platz 2

Mitsubishi - plus 73,2 Prozent

Für den Erfolg der Japaner gibt es einen Grund und der heißt Outlander. Der SUV besticht durch seinen günstigen Preis oder seinen revolutionären Plug-in-Antrieb. Insgesamt kann Mitsubishi so 14.500 Fahrzeuge absetzen.

Platz 1

Jeep - plus 79,3 Prozent

Noch stärker legt nur die Geländewagen-Legende zu. Die Fiat-Chrysler-Tochter hat mit dem Renegade einen absoluten Bestseller auf den Markt gebracht. Mit insgesamt 5.700 verkauften Fahrzeugen ist der Marktanteil der Italo-Amerikaner aber noch gering.

Peiker stattet seit Jahren bereits die Motorrad-Helme von BMW aus, Fahrer und Sozia unterhalten sich so via Bluetooth. Zweieinhalb Jahre tüftelten sie im Taunus an der Idee, auch andere Helme für andere Bereiche mit dem bewährten System auszustatten. Beispielsweise für den Reitsport oder für Skilehrer. Seit Weihnachten ist der Ceecoach am Markt, 10.000 Systeme sollen in diesem Jahr verkauft werden. Bei einem Einführungspreis von 249 Euro pro Zweier-Set ist das ein überschaubarer Umsatzbeitrag von gut 2,5 Millionen Euro. Immerhin hat Peiker im vergangenen Jahr knapp 240 Millionen Euro umgesetzt. Der Aufbruch in eine neue Kundenwelt würde damit erst mal nur rund ein Prozent zum Umsatz beitragen. Aber es geht hier im ersten Schritt um die Symbolik, nicht um die Summe. Schließlich waren die Produkte der Konkurrenz bislang deutlich teurer und haben auch keinen Design-Preis gewonnen.

Deutlich größere Zulieferer sind hier längst einen Schritt weiter. 17 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaften die Top-100 der Branche außerhalb des Autosegments, das hat McKinsey-Experte Cornet errechnet. Und doch treten sie damit auf der Stelle. Seit zehn Jahren ist der Anteil unverändert. „Ein signifikanter Wert begänne eigentlich bei einem Drittel“, rechnet der Experte vor. Ab einem Anteil von zwei Dritteln außerhalb der Autobranche würde man wahrscheinlich nicht mehr von einem Zulieferer reden. Das wiederum wollen die Zulieferer selbst trotz aller Anfälligkeit der Branche für Schwankungen auch wieder nicht. Schließlich leben die Zulieferer seit Jahrzehnten gut in ihrer Rolle als Technologietreiber und unverzichtbarer Bestandteil einer der mächtigsten Branchen überhaupt. Die gibt man nicht einfach so auf. Bestenfalls ein bisschen Emanzipation soll es sein. Stets verbunden mit den Hintergedanken, das vorhandene Produkt für andere Einsatzzwecke weiter zu entwickeln.

Die weltweit größten Automobilzulieferer

Platz 10

Faurecia - 18,03 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Das Schicksal des Autozulieferers ist eng verbunden mit PSA Peugeot/Citroën. Derzeit stagnieren die Geschäfte. Zum Portfolio gehören Sitze und Emissionskontrollsysteme.

Platz 9

Aisin Seiki - 18,92 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner gehören zur Toyota-Gruppe und produzieren etliche Komponenten für die Autoindustrie, darunter Getriebe und Navigationssysteme.

Platz 8

Michelin - 20,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der französische Reifenriese musste zuletzt erneut Rückschläge beim Absatz hinnehmen. Neben Reifen stellt das Unternehmen aus Clermont-Ferrand auch Navigationssysteme her.

Platz 7

Johnson Controls - 20,93 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die US-Amerikaner aus Milwaukee konzentrieren sich die Zulieferung von Sitzen, Türen und Instrumenten. Damit legte der Umsatz zuletzt leicht zu.

Platz 6

Hyundai Mobis - 23,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Koreaner sind Teil des riesigen koreanischen Hyundai-Imperiums und zählen zu den wichtigsten Zulieferern für die Autobauer Hyundai und Kia. Gebaut werden Sicherheitssysteme, Airbus, Lampen und Antriebsstränge.

Platz 5

Bridgestone / Firestone - 24,62 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

In der Gummiverarbeitung sind die Japaner sogar weltweit führend. In Frankreich, Italien, Polen und Spanien betreiben sie eigene Werke.

Platz 4

Magna - 24,95 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Unter der Führung der schillernden Österreichers Frank Stronach wuchs der Konzern - und kann nahezu alle Bauteile selbst Produzieren. Fahrgastzellen, Sitze, Antrieb und Elektronik gehören zum Portfolio des Unternehmens.

Platz 3

Denso - 27,79 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner verloren zuletzt wieder Marktanteile. Kunden sind insbesondere die großen japanischen Autobauer. Das Unternehmen baut unter anderem Klimaanlage, Antriebsstränge und Elektronik.

Platz 2

Robert Bosch - 30,7 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt ist in Stuttgart daheim. Neben Benzin- und Dieselsystemen baut Bosch auch Multimedia-Systeme, Bremsen, Elektronik und Batterien für etliche große Autohersteller .

Platz 1

Continental - 33,32 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Aus Hannover in die Welt: Neben den bekannten Reifen liefert Conti auch Sicherheits- und Telematiksysteme, Steuerinstrument und die Elektronik für Antriebsstränge. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz damit leicht zu.

Oder wie es Peiker-Managerin Schwäbe ausdrückt: „Wir haben das Know-how, warum sollten wir uns also nicht so positionieren, dass noch andere Märkte für uns interessant werden?“ Schon gehen die Gedanken über den Freizeitbereich bei Reitern und Skifahrern hinaus, auch in den gewerblichen Sektor. Auf Baustellen, aber auch bei Kranführern oder Fensterputzern wäre eine problemlose Kommunikation ein Segen. Bei Peiker sind sie nach den ersten Erfolgen zumindest schon mal mutiger geworden. Stand auf den ersten Verpackungen des Ceecoach noch der Markennamen Fourcee mit dem kleinen Zusatz „Powered by Peiker“, so wird der eigene Firmenname künftig in den Mittelpunkt gestellt.

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