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17.01.2007

07:07 Uhr

Zum Tod von Rudolf-August Oetker

Einer der letzten großen Pioniere

VonIngo Reich

Rudolf-August Oetker ist am gestrigen Dienstag im Alter von 90 Jahren gestorben. Seniorchef des Bielefelder Familienkonzerns Dr. Oetker schuf aus dem Backpulver-Hersteller ein weit verzweigtes Unternehmen. Er gehört zu den großen deutschen Wirtschafts-Pionieren der Nachkriegszeit.

Rudolf-August Oetker - der „König des Backpulvers“. Foto: ap

Rudolf-August Oetker - der „König des Backpulvers“. Foto: ap

BIELEFELD. Kurz vor Weihnachten hat er noch seinen großen Auftritt. Am 23. Dezember steht Rudolf-August Oetker vor den Mitarbeitern in der Bielefelder Konzernzentrale und wünscht ihnen „ein schönes Weihnachtsfest im Kreise ihrer Familie.“ Der 90-Jährige habe sich einer stabilen Gesundheit erfreut, erzählen Teilnehmer.

Am gestrigen Dienstag, wenige Wochen später, ist Rudolf-August Oetker im Alter von 90 Jahren in einer Hamburger Klinik gestorben. Der Enkel des Gründers des Lebensmittelkonzerns aus Bielefeld gehört wie Gustav Schickedanz (Quelle), Josef Neckermann und Max Grundig (Unterhaltungselektronik) zu den großen deutschen Wirtschafts-Pionieren der Nachkriegszeit.

Medien gaben dem Seniorchef des Bielefelder Familienkonzerns Dr. Oetker Titel wie „König des Backpulvers“, „Deutschlands größter Bierbrauer“ oder „Europas führender Pizzabäcker“.

Er formte den Backpulver-Hersteller zu einem der Familienimperien mit dem breitesten Waren- und Leistungsangebot Deutschlands. Heute wird das Vermögen der Familie auf rund 4,2 Milliarden Euro geschätzt.

Zufriedener Firmenpatriarch

Einmal im Jahr zeigte sich Rudolf-August Oetker immer noch der Öffentlichkeit: Ende Juni, wenn der Nahrungsmittelkonzern in Bielefeld seine neuesten Zahlen präsentierte. Es war stets das gleiche Bild: Sohn August antwortete auf die Frage nach dem Ergebnis der Geschäftstätigkeit stereotyp, es sei „zufrieden stellend“. Und der rüstige Firmenpatriarch saß neben ihm auf dem Podium, nuckelte an seiner Pfeife und machte einen rundum zufriedenen Eindruck.

Das war nicht immer so im Leben des legendären Unternehmers. In den frühen fünfziger und sechziger Jahren benahm er sich wie die fleischgewordene, protestantische Arbeitsethik, die weltlichen Genüssen und Gelüsten abgeneigt ist. Noch heute gilt es für eine Führungskraft bei Oetker als unschicklich, länger als zwei Wochen Urlaub pro Jahr zu machen. Ein Geburtstag wird im Hause Oetker „begangen“, keinesfalls aber „gefeiert“. Seinen eigenen 90. Geburtstag „beging“ der Firmenpatriarch im vergangenen Jahr im Kreise der Oetker-Pensionäre. Außerdem hatte er die Mitglieder der Gruppenleitungen nebst Ehefrauen zu einem Empfang nach Bielefeld eingeladen.

Oetkers ursprüngliche strikte puritanische Haltung ändert sich den Berichten aus seinem persönlichen Umfeld zufolge erst ein wenig nach der Hochzeit mit seiner dritten Frau Marianne, die er 1963 heiratet. Den Versuch, der fast zwanzig Jahre jüngeren Unternehmertochter aus München das Kleidergeld zu kürzen, macht er nur einmal.

Auch seine acht Kinder aus drei Ehen bekommen seine Sparsamkeit zu spüren. „Lange Jahre haben wir Entnahmen nur in Höhe unserer privaten Steuern gehabt. Das heißt: Wir waren zwar vermögend, aber illiquide“, beklagte sich Sohn August einmal gegenüber dem Handelsblatt.

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