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20.05.2012

13:10 Uhr

Zurück zu den Wurzeln

Dax-Konzerne sind wieder in deutscher Hand

VonUlf Sommer

Jahrelang stiegen die Anteile von Ausländern an den Dax-Konzernen. Zur Freude der Unternehmen ist dieser Trend nun gebrochen. In die Bresche springen dafür heimische Aktionäre. Das bringt vor allem Stabilität.

Daimler zieht wieder mehr einheimische Investoren an. dapd

Daimler zieht wieder mehr einheimische Investoren an.

DüsseldorfGerhard Schröder gab den Trend vor einem Jahrzehnt vor: Als die rot-grüne Bundesregierung vom 1. Januar 2002 an Beteiligungsverkäufe von der Steuer befreite, löste sich die Deutschland AG auf. Der Ex-Bundeskanzler lebte fortan mit dem Beinamen "Genosse der Bosse".

Banken und Industriekonzerne nahmen das Angebot gerne an und verkauften ihre gegenseitigen Beteiligungen an der Börse. Dabei gingen die Aktienpakete selten in deutsche und fast immer an milliardenschwere amerikanische und britische Investmentfonds.

Die Folge: Jahr für Jahr erhöhten Ausländer ihre Anteile an den Dax-Konzernen; von 35,5 Prozent im Jahr 2001 bis auf den Rekord von 53,7 Prozent im vergangenen Jahr. Dieser Trend ist nun erstmals gebrochen - und die Unternehmen sind darüber glücklich. Sie hoffen auf eine größere Kontinuität und stabilere Aktienkurse in künftigen Krisen.

Größter Aktionär

Blackrock

Der US-Vermögensverwalter Blackrock hält die meisten Anteile an den Dax-Konzernen - durchschnittlich drei Prozent an jeder Firma. Die Grundlage dafür legt Blackrock mit I-Shares, dem Weltmarktführer für passiv gemanagte Indexfonds. Sie bilden einen Index wie den Dax eins zu eins ab. Das simple Modell ist bei Anlegern beliebt. Es spart Kosten und ist erfolgreicher als die Anlage der meisten Fondsmanager. Blackrock nimmt keinen Einfluss auf Strategien.

Werbetouren

In Einzelgesprächen mit Investoren und auf "Roadshows" präsentieren sich die Konzerne ihren Anlegern. So richtete Bayer 2011 insgesamt 13 Veranstaltungen in Deutschland aus, darunter Aktienforen mit den Anlegervereinigungen DSW und SdK.

Aktionäre von jenseits der Landesgrenzen halten nach Berechnungen des Handelsblatts aktuell 53,2 Prozent der Anteile an den Dax-Konzernen. Zwölf Unternehmen sind noch mehrheitlich in ausländischer Hand, bei der Deutschen Börse liegt der Anteil bei 81 Prozent der Stimmrechte, gefolgt von Adidas mit 77 Prozent.

Hingegen haben heimische Anleger im vergangenen Jahr ihre Anteile bei Bayer, Daimler, der Deutschen Bank, Eon, Fresenius, MAN und Siemens zum Teil deutlich erhöht. Die Deutsche Bank und der Gesundheitsspezialist Fresenius wechselten mehrheitlich in den Besitz deutscher Investoren.

Bei Daimler sank der Anteil ausländischer Aktionäre binnen eines Jahres von 73,6 Prozent auf 67,1 Prozent. "Viele deutsche Privataktionäre haben eine stärkere persönliche Verbundenheit gegenüber unserem Unternehmen als ausländische", sagt eine Sprecherin des Autobauers dem Handelsblatt.

Kommentare (2)

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investival

20.05.2012, 14:16 Uhr

Von 35,5 % ab Schröder-Eichels Deregulierung vor 10 Jahren bis 53,7 % 2011 auf nun 53,2 % ... - Welch' ein treffender headliner, :-D
Aber es passt ins Bild ...

Aus Schaden wird man klug ... Diese schon im Kindesalter normalerweise ganz grundsätzlich gemachte Erfahrung ist im hier beschriebenen Kontext allerdings weiter denn je von hiesigen Fiskalpolitikern namentlich SPD-seits und nicht zuletzt infolgedessen nachwievor von des Volkes Einsicht entfernt.

Vielmehr sorgt sich das gemeine Volk um seine Vermögensverwalter va. in Form von Riester-Versicherern, die damals auf Schröder-Eichels Geheiß zu Tiefstkursen ihre Aktiensubstanz zu einem, wie spätestens 2008 in der Exekutionsmanie offensichtlich wurde, nicht geringen Teil an ausländische Heuschrecken abtraten und nun mit Mickerzinsen, bis 2008 selbst für kernmarode Schuldner, dahin lavieren um nicht zu sagen siechen.

Dass es darunter immerhin ein paar gibt, die ihrer Eigenverantwortung als Kapitalbesitzer im Sinne ihrer Altersvorsorge nun gerecht werden (wollen), ist freilich erstmal ermutigend.

Viele DAX-Konzerne sind obdessen finanzfundamental aber deutlich schlechter aufgestellt als seinerzeit, und die Refi-Konditionen dürften sich tendenziell wie nachhaltig verschlechtern. Da wird es investiver Geduld wenn nicht regelrechter Großmut erfordern. Ob die betreffenden Konzerne darüber ihr Eigenkapital werden stärken können ...

- Ohne politische Beförderung der Aktienanlage, zumindest wieder auf eine Ebene wie sie im westlichen Ausland mit Steuerfreibeträgen und/oder -fristen üblich ist, wird das absehbar nichts.

azaziel

20.05.2012, 14:41 Uhr

Es liegt im Interesse der Selbstbestimmung, dass die Buerger eines Landes am Produktivkapital ihres Landes stark beteiligt sein sollen. Im Sozialismus stellt sich diese Frage weniger, weil ein Grossteil des Produktivkapitals im Staatsbesitz ist. In einer Marktwirtschaft sollte es moeglichst viele individuelle Aktienbesitzer geben. Wenn aber der Besitz des Produktivkapitals ueberwiegend im Ausland gehalten wird, verliert man seine Selbstsbestimmung. Die auslaendischen Besitzer haben naemlich nicht nur die Moeglichkeit Gewinne anderswo zu investieren, bei schlechter Wetterlage koennen sie sich auch entschliessen das Nnow-how zu verlagern. Man kann beispielsweise Forschung, Entwicklung und Produktion nach Schanghai verlagern und den Zusammenbau fuer den deutschen Markt in D. belassen.

Privataktionaere brauchen keine staatliche Unterstuetzung, aber sie muessen von diskriminierenden Belastungen befreit werden. Weg mit der Besteuerung von Verauesserungsgewinnen, vor allem bei Inflation! Weg mit der Doppelbesteuerung von Unternehmensgewinnen und Dividenden.

Und an die deutschen Anleger: kaufen Sie Aktien und UEBEN SIE IHR STIMMRECHT aus. Kaufen Sie weniger Fonds, Indizes oder Exchange Traded Funds. Wenn Sie Ihre Verantwortung als Kapitalbesitzer ausueben, ist die Warscheinlichkeit geringer, dass illoyales Management Unternehmenstechnologie verschenkt oder Ihr Kapital in Risikoanlagen zwecks Bonuserhoehung verschenkt.

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