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09.07.2014

18:20 Uhr

Zusammenlegung von Niederlassungen

Daimler-Betriebsrat kritisiert Umbaupläne

Daimler hat Einschnitte im Vertriebsnetz angekündigt. Doch es mehren sich Gegenstimmen: Die Arbeitnehmervertreter können nicht nachvollziehen, warum hoch profitable Betriebe und Niederlassungen verkauft werden sollen.

Daimler hatte die Einschnitte Ende Mai damit begründet, „langfristig wirtschaftlich und profitabel agieren zu können“. dpa

Daimler hatte die Einschnitte Ende Mai damit begründet, „langfristig wirtschaftlich und profitabel agieren zu können“.

StuttgartDer Daimler-Gesamtbetriebsrat hat die Pläne des Autobauers für den Umbau seiner Autohäuser und Werkstätten kritisiert. Umfang und Tiefe der geplanten Änderungen seien überzogen, hieß es in einer Mitteilung am Mittwoch. „Die von der Unternehmensleitung geplante Neuausrichtung der Mercedes-Benz Niederlassungen wird in der vorgestellten Form von uns nicht akzeptiert“, sagte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht.

So sei nicht nachvollziehbar, dass selbst wirtschaftlich hoch profitable Betriebe und Niederlassungen verkauft werden. Daimler will 36 der 158 Standorte des konzerneigenen Niederlassungsnetzes abstoßen. Davon sind den Angaben zufolge etwa 1500 der insgesamt 15 000 Beschäftigten betroffen. Bei der Auswahl werde eine Vielzahl von Kriterien wie Kaufkraft und Wettbewerb, aber auch mögliche Käufer berücksichtigt, sagte eine Daimler-Sprecherin. Ertragskraft und Ertragspotenzial seien nicht allein ausschlaggebend.

Kritik äußerten die Betriebsräte an dem Plan, die 33 Niederlassungen mit derzeit noch 158 Standorten regional zu bündeln. Sie plädierten dafür, die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit jedes einzelnen Verbunds zu prüfen. Niederlassungen und Belegschaften müssten damit langfristig abgesichert sein. Nach Angaben einer Betriebsratssprecherin sollen durch die Zusammenlegung noch einmal rund 340 Arbeitsplätze im Verwaltungsbereich abgebaut werden.

Die Geschäftsfelder des Daimler-Konzerns

Daimler Trucks

Umsatz: 28,8 Milliarden Euro, Ebit: 1,9 Milliarden Euro. Daimler ist der weltweit größte Hersteller von schweren Lkw. Der Bereich umfasst die Marken Mercedes-Benz, Freightliner, Western Star und Fuso. In Indien wird in diesem Jahr die neue Marke BharatBenz eingeführt. Auch die typischen amerikanischen Schulbusse werden von Daimler unter der Marke Thomas Built Buses hergestellt und werden wegen Synergien in der Produktion zum Geschäftsfeld gezählt.

Mercedes-Benz Cars

Umsatz: 57,4 Milliarden Euro, operatives Ergebnis (Ebit): 5,2 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes wird in diesem Bereich gemacht. Dazu gehören die Marken smart, Mercedes-Benz und Maybach. Das Ende der Luxuskarossen von Maybach ist allerdings schon besiegelt. Stattdessen setzt Daimler auf zusätzliche Modelle der Mercedes-Benz S-Klasse.

Mercedes-Benz Vans

Umsatz: 9,2 Milliarden, Ebit: 835 Millionen Euro. Das Transportergeschäft besteht aus den Baureihen Sprinter, Vito/Viano und Vario.

Daimler Buses

Umsatz: 4,4 Milliarden Euro, Ebit: 162 Millionen Euro. Bei den Omnibussen über acht Tonnen ist Daimler Weltmarktführer. Zur Produktpalette gehören die Marken Mercedes-Benz, Setra und Orion. Geliefert werden komplette Busse, aber auch Fahrgestelle.

Daimler Financial Services

Umsatz: 12,1 Milliarden Euro, Ebit: 1,3 Milliarden Euro. Die Finanz- und Versicherungssparte bietet unter anderem Finanzierung und Leasing von Fahrzeugen sowie ein Flottenmanagement an. Daimlers Carsharing-System „car2go“ wurde inzwischen in das Geschäftsfeld integriert.

Daimler hatte die Einschnitte Ende Mai damit begründet, „langfristig wirtschaftlich und profitabel agieren zu können“. Andreas Burkhart, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Mercedes-Benz Niederlassungen sagte, in den Gesprächen mit den Betriebsräten werde es auch um Investitionen gehen.

Vor Herbst sei nicht mit einem Abschluss zu rechnen, hieß es auf Betriebsratsseite. Betriebsbedingte Kündigungen sind nach Angaben des Konzerns bis Ende 2017 ausgeschlossen. Zudem gibt es eine Garantie, ganze Niederlassungen nicht vor Ende 2015 zu verkaufen.

Kunden sollen Daimler zufolge nichts von den Plänen spüren. Dabei sollen die Zuständigkeiten für Pkw- und Nutzfahrzeugkunden künftig getrennt werden. „Für Kunden kann es auch nachteilig sein, mehrere Ansprechpartner in einer Niederlassung zu haben“, sagte Jürgen Langer, Vorsitzender der Niederlassungskommission des Gesamtbetriebsrats.

Beispiele für Zusammenlegungen sind etwa die Niederlassungen Stuttgart, Reutlingen, Ulm und Ravensburg, die in der Vertriebsdirektion Württemberg gebündelt werden sollen. Die Niederlassungen Hannover, Braunschweig und Kassel verschmelzen zur Vertriebsdirektion Mitte.

Von

dpa

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