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05.07.2012

10:02 Uhr

Zusammenschluss

VW übernimmt Porsche mit rasantem Steuertrick

Mit dem Beifahrersitz bei Porsche gibt sich Volkswagen-Chef Martin Winterkorn nicht länger zufrieden. Die Komplettübernahme des Sportwagenbauers soll zum 1. August erfolgen - zwei Jahre früher als ursprünglich geplant.

Ein Porsche- liegt auf einem VW-Logo. dpa

Ein Porsche- liegt auf einem VW-Logo.

WolfsburgVollzug nach monatelanger Blockade: Volkswagen holt das Porsche-Sportwagengeschäft komplett unter sein Dach - und das ohne Steuerlast. Die Wolfsburger zahlen für die noch fehlenden 50,1 Prozent der Porsche AG rund 4,46 Milliarden Euro an die Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE (PSE). Außerdem übertragen sie parallel eine VW-Stammaktie. Das teilten Europas größter Autobauer und die PSE am Mittwochabend in Pflichtmitteilungen für die Finanzwelt mit.

Die Börse feiert den am Ende überraschend schnellen Vollzug der Übernahme. Zum Handelsauftakt am Donnerstag legten die im Dax notierten Vorzugsaktien von VW um 4,5 Prozent zu. Die Papiere der Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE gewannen 3,6 Prozent.

Die Umsetzung der Transaktion ist für den 1. August dieses Jahres geplant. Die Gremien beider Seiten hätten dem Vorhaben „nach dem Vorliegen aller erforderlichen verbindlichen Auskünfte der Finanzbehörden“ am Mittwoch zugestimmt.

Damit machten die beiden seit langem bereits eng verbandelten Partner den Deal öffentlich, über den die Nachrichtenagentur dpa und die „Wirtschaftswoche“ bereits im Vorfeld berichtet hatten. Rein steuerrechtlich handelt es sich nicht um einen Verkauf, sondern um einen internen Umbau. Daher muss auch die eine Aktie fließen.

Etwa zwei der 4,46 Milliarden Euro will die Porsche-Dachgesellschaft nutzen, um ihre Schulden abzutragen. Die PSE hatte vor rund vier Jahren vergeblich versucht, nach der Macht bei den Wolfsburger zu greifen. Am Ende hatte sie 11,4 Milliarden Euro Schulden und VW wurde zur letzten Rettung.

Als erste Nothilfe einigten sich die einstigen Kontrahenten Ende 2009, dass knapp die Hälfte der Porsche AG für damals rund 3,9 Milliarden Euro an die Wolfsburger ging. Der nun übertragene zweite Teil ist teurer, weil zwischenzeitlich der Wert des hochprofitablen Porsche-Sportwagengeschäftes stieg und die Partner mehr Einsparungen umsetzen können als zunächst gedacht.

Nach dem Abbau des Schuldenbergs soll die PSE den überwiegenden Teil der noch verbleibenden Summe für „strategische Beteiligungen“ in der Autowelt benutzen. Den Weg frei gemacht dafür hatte die PSE vor wenigen Tagen bei ihrer Hauptversammlung. Die Schwaben halten nach der gescheiterten Übernahme die hauchdünne Mehrheit an VW. Ihre Mehrheitseigner - die Familie Porsche und Piëch - haben im Hause VW großen Einfluss, Ferdinand Piëch gilt als VW-Machtzentrum.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat die komplette Übernahme von Porsche als Meilenstein für VW auf dem Weg zum weltgrößten Autobauer bezeichnet. „VW und Porsche können künftig besser zusammenarbeiten, gemeinsame Strategien leichter umsetzen und damit finanzielle Verbundeffekte realisieren“, sagte McAllister am Donnerstag nach Angaben der Staatskanzlei in Hannover. Deutlich früher als geplant sei es gelungen, „Klarheit über eine stabile und langfristig orientierte Aktionärsstruktur der Volkswagen AG zu erreichen“.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück hat die vorzeitige Verschmelzung begrüßt. "Der für alle schwierige Schwebezustand ist beendet, der Integrierte Automobilkonzern ist endlich geschaffen", erklärte Hück am Mittwochabend. Für beide Unternehmen ergäben sich aus dem Gesamtkonzern "riesige Vorteile". Zugleich bleibe Porsche als Aktiengesellschaft mit Sitz in Stuttgart "in allen Bereichen eigenständig" und die "Struktur der Porsche AG mit ihren Tochterunternehmen als Konzern im Konzern" in seiner heutigen Form bestehen.

Kommentare (6)

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Gast

04.07.2012, 22:30 Uhr

Ohne das VW-Gesetz hätte man sich das jahrelange Theater sparen können.

Wagner

04.07.2012, 23:15 Uhr

Erinnere ich das richtig? Hatte nicht seinerzeit ein maßgeblicher Politiker aus Niedersachsen, dessen Namen wir nun nicht mehr nennen, sich eitel als Niedersachse mit Rückendeckung unserer Kanzlerin Merkel zugunsten VW gegen Porsche und gegen Brüssel durchgesetzt? Niedersachsen hat gewonnen. Haben das nicht die Porsche-Aktionäre zu zahlen? Oder bekommen die etwas? Das würde mich wundern.

Account gelöscht!

05.07.2012, 08:39 Uhr

Piech ordnet sein Schattenreich und die Helfershelfer sitzen in Stuttgart im Finanzministerium!
Wenn sich die heutigen Täter verp... haben, wird auch VW die Luft aus der Bilanz lassen.

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