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04.08.2014

16:31 Uhr

Zustimmung der EU-Kommission

Siemens darf Gasturbinen von Rolls Royce kaufen

Die fast eine Milliarde Euro schwere Übernahme von Rolls Royce' Gasturbinen-Geschäft durch Siemens kann stattfinden: Die EU-Kommission gibt grünes Licht für den Deal. Joe Kaeser kommt mit dem Konzernumbau voran.

Siemens-Chef Joe Kaeser kann mit dem Kauf von Rolls Royce' Gasturbinen-Geschäft seine Umbaupläne für Siemens vorantreiben. dpa

Siemens-Chef Joe Kaeser kann mit dem Kauf von Rolls Royce' Gasturbinen-Geschäft seine Umbaupläne für Siemens vorantreiben.

BrüsselDie EU-Kommission gibt Siemens grünes Licht für den fast eine Milliarde Euro schweren Kauf des Gasturbinen-Geschäfts von Rolls Royce. Die Übernahme verstoße nicht gegen europäisches Wettbewerbsrecht, teilte die Brüsseler Behörde am Montag mit. Dies gelte besonders, weil die beiden Unternehmen keine engen Wettbewerber seien und eine Reihe von Konkurrenten am Markt blieben.

Siemens hatte seine Kaufabsichten Anfang Mai im Zuge der Konzernumbaupläne verkündet und die EU-Wettbewerbshüter Ende Juni informiert. Die Münchner übernehmen demnach für 950 Millionen Euro das Gasturbinen- und Kompressorengeschäft des britischen Konzerns und geben weitere 240 Millionen Euro für den Zugriff auf die Triebwerksentwicklungen von Rolls Royce aus.

Siemens-Chef Joe Kaeser will den Münchener Industriekonzern stärker auf Energietechnik und moderne Fabrikausstattung ausrichten. Kaeser hatte zuletzt auch den US-Turbinenbauer Dresser-Rand als mögliches Übernahmeziel ins Auge gefasst.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Das Interesse von Siemens an den Tätigkeiten von Rolls Royce gelte vor allem dem Geschäft mit Ausrüstungen für die Gas- und Ölindustrie sowie der Produktion von Notstromaggregaten, hatten mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters schon Ende April gesagt.

Von

rtr

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