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17.04.2013

17:54 Uhr

Zustimmung des Aufsichtsrats

Aus für Opel Bochum ist besiegelt

Nun ist es amtlich: Der Aufsichtsrat von Opel hat das endgültige Aus der Autoproduktion in Bochum beschlossen. Zum Jahresende 2014 soll das Traditionswerk geschlossen werden. Wie es danach weitergeht, ist unklar.

Aus und vorbei: Ab 2015 sollen in Bochum keine Autos mehr gebaut werden. Reuters

Aus und vorbei: Ab 2015 sollen in Bochum keine Autos mehr gebaut werden.

Rüsselsheim/BochumDer Autohersteller Opel baut ab dem Jahr 2015 keine Autos mehr in Bochum. Die Produktion werde zum Jahresende 2014 eingestellt, beschloss der Aufsichtsrat der General-Motors-Tochter auf Vorschlag des Vorstands am Mittwoch in Rüsselsheim.

Die Bochumer Belegschaft hatte im März den von Gewerkschaft und Management ausgehandelten Sanierungsplan für den verlustreichen Autobauer mit großer Mehrheit abgelehnt. Nach Darstellung von Betriebsratschef Rainer Einenkel fehlte es darin an klaren Zusagen und Arbeitsplatzsicherheit für die 3200 Beschäftigten im Werk. Mit dem Nein verzichtete die Bochumer Belegschaft allerdings auch auf eine Verlängerung der Standortsicherung bis Ende 2016.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

Die Opel-Spitze erklärte die Verhandlungen daraufhin für beendet und kündigte an, dass Opel ab 2015 keine Autos mehr im Ruhrgebiet bauen werde. Nun folgte der Beschluss des Aufsichtsrats.

Das traditionsreiche Werk auf einem ehemaligen Zechengelände, das viele Baureihen des Opel-Klassikers Kadett und insgesamt über 13 Millionen Autos gebaut hat, steht damit vor einer düsteren Zukunft. Nach heutigem Stand werden ab 2015 nur noch rund 420 Menschen in einem Opel-Warenverteilzentrum beschäftigt sein.

Einenkel will den Aufsichtsratsbeschluss aber juristisch überprüfen lassen. Eine Verlagerung der Zafira-Produktion lasse sich nicht ohne Vorlaufzeit realisieren, sagte er. Es gebe allerdings eine Zusage, wonach das Modell bis Ende 2014 nur in Bochum vom Band rollen dürfe. Einenkel verteidigte seine Empfehlung, den Sanierungsplan von Opel nicht anzunehmen. „Wir sollten unverbindliche Erklärungen akzeptieren“, sagte er. „Die Situation von heute hat die Skepsis und die Sorge, die viele Menschen hatten, nur bestätigt.“

Das Familienauto Zafira sollte nach den früheren Plänen bis zum Ende seiner Laufzeit 2016 in Bochum vom Band rollen. Wo das Modell nach 2014 gefertigt werden soll, sei nicht entschieden worden, teilte Opel auf Anfrage mit. Man habe mehrere Optionen. In der „Rheinischen Post“ hatte Einenkel die anderen Opel-Werke aufgefordert, die Übernahme der Zafira-Produktion aus Bochum zu verweigern. „Ich erwarte, dass die Belegschaften der anderen Opel-Werke die Übernahme unserer Produktion ablehnen“, sagte er der Zeitung. Die Belegschaften an den anderen deutschen Standorten hatten dem von der IG Metall ausgehandelten Sanierungsplan zugestimmt.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

17.04.2013, 15:44 Uhr

Zitat Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel: "Ich erwarte, dass die Belegschaften der anderen Opel-Werke die Übernahme unserer Produktion ablehnen" Ende Zitat.
So so, er glaubt also, die anderen sind genau so dämlich wie er!
Ich erinnere mich an die AutoBild Geschichte vom Rüsselsheimer Opel-Werker, der mit 52 und 150 tsd. Euro Abfindung seinen Job "verloren" hat. Solche Lotto-Gewinne gibt es bei keinem Handwerker oder kleinerem mittelständischem Unternehmen. Ebenso wie die Bankster haben solche Gewerkschafter jedwede Moral verloren!

bjarki

17.04.2013, 16:45 Uhr

Alle die in Bochum gegen den Sanierungsplan gestimmt haben, kuendigten hoechstpersoenlich ihre Arbeitsstelle. Demzufolge muesste das Arbeitslosengeld gestrichen werden. An diesem Beispiel kann man sehen, wie ungalublich aufgeblasen die Arbeitnehmer geworden sind. Das noetigt den tiefen Fall und der wird kommen im tollen Europa. Schaeuble und Merkel sei Dank.

WernerGuenther

17.04.2013, 16:46 Uhr

Mit diesen Beschluß wird meiner Meinung nach nicht nur das Werk Bochum geschlossen.Opel und auch Chevrolet werden schweren Schaden auf den Europäischen Markt nehmen.Natürlich darf und muß ein Unternehmen ein Werk schließen können um andere Werke besser auszulasten,aber es kommt immer darauf an wie man das macht! Die Opelaner haben über viele Jahre hinweg auf viel Lohn und anere Zulagen verzichtet damit ihr Standort eine Chance bekommt,deshalb ist ein weiter Lohnverzicht garn icht mehr zu akzeptieren.Wer hunderte Millionen,so wie GM für Fussballclubs ausgibt,der sollte nicht gleichzeitig Lohnopfer von seinen Belegschaften verlangen die viele Familien in Existentnöte gebracht hätten.Der Bochumer Betriebsrat hätte einer echten Alternative bestimmt nicht im Weg gestanden.Der angebotene Tarifvertrag,der schändlicher Weise von der IGM gebilligt wurde war keine Option für die Sicherheit der Beschäftigten gewesen.So geht man nicht mit Mitarbeiter und Marke um!

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