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29.01.2007

09:18 Uhr

Zwei Standorte gefährdet

Airbus-Umbau trifft Deutschland hart

VonMarkus Fasse und Holger Alich

Auch wenn der Konzern ohne Entlassungen aus den roten Zahlen kommen möchte – die drohenden Veränderungen sind einschneidend. Die deutschen Werke Varel und Nordenham könnten geschlossen, die Belegschaft verlagert werden. Langfristig ist ein kompletter Umbau der Werksstruktur geplant.

Das Problemkind A380, der Riesenflieger mit verspäteter Auslieferung. Foto: ap

Das Problemkind A380, der Riesenflieger mit verspäteter Auslieferung. Foto: ap

MÜNCHEN/PARIS. Die Sanierung des Flugzeugherstellers Airbus nimmt Gestalt an. Das Management um Konzernchef Louis Gallois plant Unternehmenskreisen zufolge die Auslagerung mehrerer Komponentenwerke aus dem Konzern. In Deutschland könnten davon die Werke in Nordenham und Varel betroffen sein. Insgesamt droht bis zu 5 000 Airbus-Beschäftigten in Deutschland die Verlagerung. Derzeit arbeiten über 19 000 Menschen vorwiegend in Norddeutschland für den Flugzeughersteller.

„Es sind noch keine Entscheidungen gefallen“, sagte ein Airbus-Sprecher am Hauptsitz in Toulouse auf Anfrage. Airbus-Chef Gallois will am 20. Februar sein Sanierungskonzept „Power8“ vorstellen. Dieses sieht vor, die Kosten bei dem Flugzeughersteller vom Jahr 2010 an um jährlich zwei Milliarden Euro zu drücken. Airbus-Vize Fabrice Bregier hatte Mitte Januar versichert, dass es im Zuge von „Power 8“ keine Werkschließungen geben wird. Es gehe vielmehr darum, Optionen für die Standorte zu entwickeln: Das Spektrum reiche von der Hereinnahme eines externen Partners bis hin zum vollständigen Verkauf.

Airbus steckt seit Monaten in einer tiefen Krise. Vergangene Woche meldete der Mutterkonzern EADS erstmals rote Zahlen für seine wichtigste Konzerntochter. Die verspätete Auslieferung des Riesenairbus A380 kostet das Unternehmen in den kommenden Jahren mindestens fünf Milliarden Euro. Das Langstreckenflugzeug A350 muss für insgesamt zehn Milliarden Euro neu konstruiert werden. Die Kurssicherungen laufen aus, die anhaltende Dollar-Schwäche frisst derzeit die letzten Erträge. Erzkonkurrent Boeing droht Airbus auf Jahre davonzuziehen.

Zudem brechen nationale Gräben auf. Die britische Regierung signalisiert bereits, der EADS Rüstungsaufträge zu entziehen, sollten Kompetenzen aus den britischen Airbus-Werken abgezogen werden. In Deutschland plant die IG Metall an den deutschen Standorten massive Protestkundgebungen für kommenden Freitag. „Wir sehen die Notwendigkeit der Sanierung“, sagte Horst Niehus, stellvertretender Betriebsratschef von Airbus Deutschland. „Wir fürchten aber, dass größere Arbeitspakete aus Deutschland abgezogen werden könnten“, sagte der Belegschaftsvertreter.

Jean-François Knepper, wie Niehus Co-Präsident des europäischen Betriebsrats von Airbus, warnt davor, die Belegschaften gegeneinander auszuspielen. „Ich habe nie gesagt, dass die französischen Airbuswerke in ihrer Performance besser als die deutschen seien“, sagte der Arbeitnehmervertreter. Seine Gewerkschaft hatte ein Gutachten bei der Unternehmensberatung Statorg in Auftrag gegeben, dass den französischen Werken bereits jetzt eine deutlich geringere Fertigungstiefe bescheinigt als den deutschen.

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