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06.11.2011

16:12 Uhr

Zweifelhafte Familienhistorie

Unternehmerfamilie Quandt stiftet für NS-Gedenkstätte

Mit mehr als fünf Millionen Euro will die Industriellenfamilie Quandt die Gedenkstätte für NS-Zwangsarbeiter unterstützen. Rund 50.000 Zwangsarbeiter sollen in den Betrieben der Familie ausgebeutet worden sein.

Alle Quandt-Firmen produzierten auch für die Luftrüstung. Hier werden Aluminium-Propeller der Durener Metallwerke in Serie hergestellt. Familienarchiv Quandt

Alle Quandt-Firmen produzierten auch für die Luftrüstung. Hier werden Aluminium-Propeller der Durener Metallwerke in Serie hergestellt.

Berlin/Bad HomburgDie Industriellenfamilie Quandt will nach einem Zeitungsbericht mehr als fünf Millionen Euro an die Gedenkstätte für NS-Zwangsarbeiter in Berlin spenden. Ihre Vorfahren haben sich in der Nazi-Zeit auf Kosten von Juden und Zwangsarbeitern bereichert. Die genannte Summe wäre eine ungewöhnlich hohe private Spende. Die Familie, die zu den reichsten Deutschlands gehört, hält neben BMW-Anteilen unter anderem ein großes Aktienpaket des Chemieunternehmens Altana. 

Der BMW-Großaktionär Stefan Quandt hatte im August das ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager in Berlin-Schöneweide besucht, dessen Insassen teilweise auch in einer Batteriefabrik des damaligen Quandt-Konzern hatten arbeiten müssen. In der „Bild am Sonntag“ zeigte er sich von der Arbeit der Gedenkstätten-Mitarbeiter „sehr beeindruckt“ und sagte: „Das Dokumentationszentrum (...) ist bei der wichtigen Erinnerungsarbeit zum Thema Zwangsarbeit im Nationalsozialismus vorbildlich.“ Die Leiterin des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit, Christine Glauning, sagte dem Blatt, mit den Millionen der Familienzweige Herbert und Harald Quandt sollten mehrere Projekte realisiert werden: „Unter anderem suchen wir Zeitzeugen und möchten über einen längeren Zeitraum internationale Jugendbegegnungen durchführen, um hier am historischen Ort über die Geschichte der NS-Zwangsarbeit diskutieren zu können.“ Außerdem sollten zwei ehemalige Lagerbaracken renoviert werden, sagte Stefan Quandt dem Blatt. 

Sein Großvater Günther Quandt soll in seinen Rüstungsfabriken bis zu 50.000 Zwangsarbeiter ausgebeutet und zudem von sogenannten „Arisierungen“ von Betrieben im vormals jüdischen Besitz profitiert haben. Sein Großvater sei damals über die Grenzen dessen, was man als Anstand oder Verhalten eines „ehrbaren Kaufmanns“ bezeichnet, hinausgegangen, hatte Stefan Quandt in einem früheren Interview gesagt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Sheila

07.11.2011, 08:36 Uhr

Es gäbe sicher bessere Ziele für dieses Geld als eine Gedenkstätte für Menschen, die nichts davon haben.

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