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06.04.2006

18:00 Uhr

Zweiten Vioxx-Fall verloren

Erneut Niederlage für Merck & Co

Der US-Pharmakonzern Merck & Co. hat vor Gericht in den USA eine weitere Niederlage im Streit um sein 2004 vom Markt genommenes Schmerzmittel Vioxx einstecken müssen.

Das umstrittene Schmerzmittel Vioxx wurde inzwischen vom Markt genommen. Foto: dpa

Das umstrittene Schmerzmittel Vioxx wurde inzwischen vom Markt genommen. Foto: dpa

HB NEW YORK/KÖLN. Eine Jury im US-Bundesstaat New Jersey sprach einem Kläger, der nach der Vioxx-Einnahme einen Herzinfarkt erlitten hatte, Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 4,5 Mill. Dollar zu. Die Behauptung eines zweiten Klägers, dass Vioxx zu seinem Herzanfall beigetragen habe, wurde hingegen zurückgewiesen, teilte Merck am Mittwoch mit. Unterdessen soll nach einem Bericht des Berliner „Tagesspiegels“ an diesem Freitag eine dritte deutsche Klage beim Landgericht Köln eingereicht werden.

Der erfolgreiche Kläger in den USA ist nach einem Bericht der Online-Ausgabe der „New York Times“ vom Donnerstag der 77-jährige Diabetiker John McDarby, der 2004 einen Herzanfall erlitt, nachdem er vier Jahre lang Vioxx eingenommen hatte. Er erhielt drei Mill. Dollar Schadenersatz und seine Frau Irma zusätzlich 1,5 Mill. Dollar. Die Geschworenen entschieden nach Darstellung der Zeitung, dass Vioxx den Herzanfall verursacht habe und dass Merck Patienten und Ärzte nicht über die Vioxx-Herzanfallrisiken gewarnt habe.

Merck betonte in einer Stellungnahme, man wolle Beweise dafür vorlegen, dass die Firma alle relevanten und maßgeblichen Vioxx- Informationen an die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) gegeben habe. Die Merck-Aktien fielen nachbörslich um 3,1 Prozent auf 34,87 Dollar.

Die Jury gestand hingegen einem zweiten Kläger nach Angaben der Zeitung keine Entschädigung zu. Der 60-Jährige habe Vioxx zwei Jahre lang genommen, bevor er 2003 einen Herzanfall erlitten hatte. Er habe aber nur drei Rezepte für das Medikament für einige Monate gehabt. Gegen Merck lagen nach Angaben der Zeitung Ende vergangenen Jahres isgesamt 9600 Klagen vor.

Der Berliner Anwalt Jörg Heynemann sagte dem „Tagesspiegel“ (Freitag), er werde am Freitag die Klage einer 41-jährigen Frau beim Landgericht Köln einreichen. Die Klägerin verlangt von der deutschen Merck-Tochter MSD mindestens 250 000 Euro Schmerzensgeld. Die Frau hatte das Schmerzmittel zwei Jahre lang gegen rheumatische Beschwerden in der Schulter genommen und erst einen Herzinfarkt und später einen Schlaganfall erlitten. Die Arzthelferin aus Köln ist nur noch eingeschränkt arbeitsfähig. Nach Angaben Heynemanns sind 20 weitere Klagen deutscher Opfer in Vorbereitung.

Merck hatte Vioxx 2004 vom Markt genommen, nachdem festgestellt worden war, dass die Risiken von Herz- und Schlaganfällen nach einer Einnahme von mehr als 18 Monaten erhöht waren. Merck hatte im August vergangenen Jahres in Texas den ersten Vioxx-Fall verloren. Dort hatte die Jury eine Gesamtstrafe von mehr als 253 Mill. Dollar verhängt. Nach texanischem Recht wird der Schadenersatz automatisch auf 26,1 Mill. Dollar reduziert. In einem weiteren Prozess in New Jersey war Merck im November freigesprochen worden.

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