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06.04.2006

07:40 Uhr

Zweiter Niederlage vor Gericht

Merck muss abermals für Vioxx büßen

Der US-Pharmakonzern Merck & Co. – nicht zu verwechseln mit der deutschen Merck KGaA – hat in einem Rechtsstreit um die Gesundheitsgefahren des berüchtigten Schmerzmittels Vioxx zum zweiten Mal eine Niederlage einstecken müssen. Die Börse reagierte heftig.

Vioxx hatte Merck Milliardenumsätze gebracht. Jetzt bringt es nur noch Ärger. Foto: dpa

Vioxx hatte Merck Milliardenumsätze gebracht. Jetzt bringt es nur noch Ärger. Foto: dpa

HB ATLANTIC CITY. Ein Geschworenengericht in der US-amerikanischen Stadt Atlantic City machte Merck am Dienstag für die Herzerkrankung eines Klägers haftbar und sprach einem 77-jährigen Rentner 4,5 Mill. Dollar (3,7 Mill. Euro) Schadensersatz zu. Am Donnerstag muss die Jury noch über mögliche Strafen gegen Merck befinden.

Die Geschworenen des Gerichts in New Jersey gelangten am Mittwoch zu dem Urteil, dass Merck die beiden Kläger nicht hinreichend wegen möglicher Risiken von Vioxx gewarnt habe. Zugleich befand die Jury aber auch, dass das Mittel nur bei einem der beiden Kläger eine Rolle für die Herzerkrankung gespielt habe. Dem 77-jährigen John McDarby wurden deshalb 3 Mill. Dollar für erlittene Schmerzen zugesprochen, weitere 1,5 Mill. Dollar wurden seiner Frau zuerkannt. Bei dem zweiten Kläger, einem 60-jährigen Geschäftsmann, sah die Jury keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Vioxx und einem Herzinfarkt. Diesem sprachen die Geschworenen daher nur einen Ersatz der Kosten für das Medikament in Höhe von 45 Dollar zu.

Merck-Aktien reagierten mit Verlusten von mehr als 3 Prozent auf das Urteil. Die Entscheidung der Jury löste bei Investoren Sorgen aus, dass auch die anderen fast 10 000 eingereichten Klagen Erfolg haben und damit dem Konzern erheblich finanziell belasten könnten. Über einige Klagen wurde bereits in anderen Vioxx-Prozessen entschieden. Bis dato gab es zwei Niederlagen und zwei Erfolge für Merck.

Der Konzern hatte Vioxx im September 2004 vom Markt genommen, nachdem eine Studie ein erhöhtes Risiko von Herzproblemen durch das Medikament bei Patienten aufgedeckt hatte, die das Mittel mindestens 18 Monate einnahmen. Viele der Kläger argumentieren, dass das Unternehmen über Jahre hinweg nicht ausreichend auf die möglichen Herzkreislauf-Risiken bei dem Mittel hingewiesen habe. Viel schlimmer als die Schadenersatz- und Strafsumme wirkte sich für Merck jedoch der Umsatzverlust aus. Im Jahr 2003 nahm Merck durch das Medikament mehr als 2,5 Mrd. Dollar ein.

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