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08.10.2012

16:18 Uhr

Zweiter Strang

Ostseepipeline Nord Stream fertiggestellt

Mega-Gasprojekt: Die Pipeline Nord Stream ist vollständig in Betrieb genommen worden. Durch die Leitung fließt russisches Gas bis nach Deutschland. Am Festakt nahm auch Altkanzler und Mit-Initiator Gerhard Schröder teil.

Nord Stream soll den wachsenden Energiehunger im Westen stillen. AFP

Nord Stream soll den wachsenden Energiehunger im Westen stillen.

MoskauElf Monate nach dem Start der Ostseepipeline Nord Stream zwischen Russland und Deutschland ist nun auch der zweite Strang des Mega-Gasprojekts offiziell in Betrieb. Die insgesamt 7,4 Milliarden Euro teure Leitung sei „ein Ausdruck von Vertrauen zwischen der Europäischen Union und Russland“, sagte Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Montag bei dem Festakt nahe der ehemaligen Zarenmetropole St. Petersburg.

Schröder hatte das umstrittene Projekt 2005 mit Kremlchef Wladimir Putin auf den Weg gebracht. „Wenn sich Europa im globalen Wettbewerb behaupten will, wird es insbesondere ohne russisches Gas nicht gehen“, unterstrich Schröder, der heute Vorsitzender des Nord-Stream-Aktionärsausschusses ist.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in einer Videobotschaft, die 1224 Kilometer lange Pipeline trage zur „Energiesicherheit von ganz Europa“ bei. „Das ist ein guter Tag“, betonte Merkel.

Putin versprach in einem Videoclip eine stabile Lieferung an den Westen. „Das garantieren wir“, fügte der Kremlchef hinzu. Durch die Pipeline fließt russisches Gas direkt nach Deutschland, unter Umgehung bisweilen schwieriger Transitländer wie der Ukraine. Die Energiegroßmacht Russland kann durch die Röhren jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas pumpen, genug für 26 Millionen Haushalte.

Der russische Staatskonzern Gazprom kündigte konkrete Planungen für zwei weitere Röhren an. „Ein entsprechendes Memorandum soll im Januar 2013 unterzeichnet werden“, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller. „Eine Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass ein Ausbau technisch umsetzbar und auch rentabel ist“, sagte Miller.

Beobachter sahen die Feierlaune jedoch nicht ungetrübt, denn die EU-Kommission leitete vor wenigen Wochen ein Kartellverfahren gegen Gazprom ein. Der kremlnahe Konzern weist aber Vorwürfe zurück, er schalte Konkurrenten aus und treibe die Preise hoch.

Putin hatte einst mit Blick auf den Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie erklärt, Nord Stream werde eine Leistung von elf Atomkraftwerken haben. Russland als weltweit größter Gasproduzent sei zu einer Ausweitung der Lieferung bereit, um den wachsenden Energiehunger im Westen zu stillen.

Miller nannte die Fertigstellung von Nord Stream nur einen Tag nach Putins 60. Geburtstag „symbolisch“. Der Präsident sei der Initiator des Projekts gewesen. „Das ist ein Geschenk für Putin“, sagte der Gazprom-Chef bei dem Festakt an der Verdichterstation Portowaja.

Der Weitertransport des Gases gilt als gesichert. Anfang November werde nach 15-monatiger Bauzeit die Nordeuropäische Erdgasleitung (Nel) in Betrieb genommen, teilte die Opal Nel Transport GmbH in Kassel mit. Die Leitung führt von Lubmin bei Greifswald durch Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen nach Rehden bei Bremen, wo der größte Erdgasspeicher Westeuropas steht.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Nachwuchs

09.10.2012, 17:28 Uhr

Immer mehr Gasleitungen nach Deutschland. Und warum sinken die Preise nicht massiv? Wieso wollen unsere Politiker nur noch massive Steigerungen der Energiekosten, statt Senkungen? Erhalten Sie Schmiergelder auf ihre persönlichen Konten, auch im Ausland???????

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