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12.01.2007

15:09 Uhr

Zwiesel

Ein Turn-around, glasklar und sauber

VonChristoph Hardt

Robert Hartel und Andreas Buske sind zu den „Turn-aroundern des Jahres“ gewählt worden. Die beiden haben vor fünf Jahren viel Zeit und Herzblut investiert, um den bereits dem Untergang geweihten Glashersteller Zwiesel aus den roten Zahlen zu bringen. Heute ist das Unternehmen wieder schuldenfrei – eine Erfolgsgeschichte.

Zwiesel-Dekantierer. Foto: PR

Zwiesel-Dekantierer. Foto: PR

MÜNCHEN. „Glasklar“ sagt Andreas Buske gerne. Das „s“ klingt dann so scharf und heiß wie der Hochleistungslaser, der keine hundert Meter vom Büro des Vorstands entfernt Mundränder von Weingläsern im Sekundentakt schneidet. Glasklar, so könnte auch der Name des Programms lauten, das hier oben im Bayerischen Wald umgesetzt wird, eines, das vom Produkt über die Strategie bis hin zu den Verkaufszielen reicht. Klar, sauber, spülmaschinenfest. Die Zwiesel Kristallglas AG, einer der traditionsreichsten deutschen Industriebetriebe, stand vor fünf Jahren vor dem Ruin. Vor wenigen Tagen sind Buske und sein Kollege Robert Hartel, die Vorstände und Gesellschafter, vom Magazin Impulse zu den „Turn-aroundern des Jahres“ gewählt worden.

An den 31. August 2001 erinnert sich Buske, als wäre es gestern: In der Staatskanzlei in München präsentiert er zusammen mit Hartel den „Business-Plan“. Buske und Hartel wollen die Firma, die seit Generationen zum Schott-Konzern gehört und seit zehn Jahren nur Verluste geschrieben hatte, mit Management-Buy-out und anschließender Rosskur retten. Die Beamten zeigen Interesse, schließlich ist die Glasfabrik in Zwiesel ein Symbol, der letzte industrielle Großbetrieb in der strukturschwachen Region am östlichen Rande Niederbayerns. Fördermittel werden zugesagt – falls Buske und Hartel selbst frisches Geld für die Sanierung organisieren können.

Und tatsächlich finden sich – allen Vorurteilen zum Trotz – drei Banken, die Buske und Hartel zur Seite stehen. Allen voran die Commerzbank finanziert nicht nur den Wiederaufbau, sondern auch eine Art groß angelegten Modellversuch: Was taugen die Methoden wertorientierten Managements des renommierten Gießener Ökonomen Dietger Hahn?

Buske hat bei Hahn promoviert, er hat an dessen Institut für Unternehmungsplanung als Assistent gearbeitet und für Daimler-Chrysler und andere Dax-Größen an Managementkonzepten geschrieben. 2000 ging er zu Schott in Mainz – von der Theorie in die Praxis. Er hatte noch gar nicht richtig angefangen, da rief ihn der heutige Schott-Chef Udo Ungeheuer zu sich: „Herr Buske, wir haben ein Problem im Bayerischen Wald.“ Hartel, seit 1996 technischer Vorstand der Schott-Tochter, hatte zuvor in Mainz Alarm gemeldet: Nur wirklich neue Konzepte könnten Zwiesel noch retten.

Zwiesel, Kristall und Schott, das war über Jahrzehnte ein harmonischer Dreiklang in Glas. Nach dem Zweiten Weltkrieg lockten die Amerikaner die Schott-Glasspezialisten aus ihrer angestammten Heimat Jena weg von den Russen und zu sich in den Bayerischen Wald. Dort, am Traditionsstandort der Glasbläser, hatte Schott eine Dependance, von hier aus sollte der Weltkonzern seinen Wiederaufbau im Westen starten.

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