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27.07.2017

09:54 Uhr

Zwischen Dieselskandal und Autokartell

Müller sieht VW „auf dem richtigen Kurs“

Finanziell hat Volkswagen den Dieselskandal überwunden. Dank Sanierungserfolgen bei der Kernmarke legt der Gewinn zu. Angesichts der schweren Kartellvorwürfe drohen die guten Zahlen jedoch zur Nebensache zu verkommen.

Die Geschäftszahlen bei den Wolfsburgern entwickelten sich zuletzt gut. AP

Volkswagen

Die Geschäftszahlen bei den Wolfsburgern entwickelten sich zuletzt gut.

WolfsburgVolkswagen kommt nach dem Dieselskandal immer besser in Fahrt und hebt die Umsatzprognose leicht an. Der Wolfsburger Konzern steigerte den Betriebsgewinn im zweiten Quartal dank weiterer Sanierungserfolge bei seiner Hauptmarke VW und einem weltweit robusten Absatz um mehr als das Doppelte auf 4,5 Milliarden Euro.

Vor Jahresfrist hatten wegen der Kosten für die Dieselkrise lediglich knapp 1,9 Milliarden Euro zu Buche gestanden. Der Umsatz erhöhte sich binnen Jahresfrist um 4,7 Prozent auf rund 59,7 Milliarden Euro, wie Volkswagen am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten mit einem Betriebsgewinn etwa in dieser Größenordnung gerechnet.

An der Börse konnte VW mit den Zahlen jedoch nicht punkten. Die Aktie des weltgrößten Autobauers verlor angesichts der Kartellvorwürfe leicht.

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Dieselkrise und Kartellverdacht verärgern die Aufsichtsräte von Daimler und Volkswagen. In den Konzernen ist die Stimmung am Nullpunkt. Sie werfen sich gegenseitig Verrat vor, man traut sich nicht mehr über den Weg.

Davon ließ sich Konzernchef Matthias Müller die Freude über das gute geschäftliche Abschneiden nicht verderben: „Das beachtliche Ergebnis zum Halbjahr sowie die gute Entwicklung der Auslieferungen im Juni sind eine Bestätigung dafür, dass der Volkswagen Konzern wieder auf dem richtigen Kurs ist.“ Das Ergebnis schaffe eine gute Grundlage für die Investitionen in den Wandel von einem reinen Autobauer zu einem führenden Anbieter von Elektromobilität.

Die Prognose für das Umsatzplus im laufenden Jahr erhöhte Müller leicht. Demnach sollen die Erlöse bei moderat steigenden Auslieferungen nun um mehr als vier Prozent zulegen. Bisher waren bis zu vier Prozent Plus in Aussicht gestellt worden. Die Prognose für die operative Rendite blieb dagegen unverändert bei 6,0 bis 7,0 Prozent.

Der Aufsichtsrat hatte sich bereits am Mittwoch vom Vorstand in einer Krisensitzung über die Kartellvorwürfe informieren lassen. Details wurden im Anschluss nicht veröffentlicht. Der Autobauer verteidigte lediglich grundsätzlich den Austausch zwischen Unternehmen in technischen Fragen. Dies sei weltweit in der Branche üblich. Der VW-Betriebsrat erklärte, der Vorstand habe die infrage stehenden Treffen mit Vertretern anderer Firmen der Branche durch die interne Revision und das Rechtswesen umfassend prüfen lassen und die Wettbewerbsbehörden über mögliche Bedenken bei Einzelfällen informiert.

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VW hält sich bezüglich der Kartellvorwürfe weiter zurück. In einer Mitteilung nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrats heißt es, ein Austausch zu technischen Fragen sei „üblich“. Auch Kunden würden davon profitieren.

Zur Frage von Gesprächen unter den Herstellern hieß es in einer VW-Mitteilung, davon profitierten auch Kunden, „weil innovative Lösungen schneller verfügbar und preiswerter sind als aufwendigere Einzelentwicklungen“. Die EU-Kommission prüft derzeit Informationen, wonach sich VW, BMW, Daimler, Audi und Porsche in verschiedenen Fragen mutmaßlich abgesprochen haben sollen. Einige VW-Kontrolleure gaben an, vom Kartellverdacht aus den Medien erfahren zu haben.

„Die Information gegenüber dem Aufsichtsrat ist offen diskutiert worden“, teilte Volkswagen mit. „Der Vorstand wird den Aufsichtsrat in entsprechenden Angelegenheiten vollumfänglich informiert halten.“ Wenige Tage vor dem Berliner „Diesel-Gipfel“ ist am Donnerstag Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zu Gast im VW-Stammwerk in Wolfsburg.

Kommentare (1)

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Lothar dM

27.07.2017, 11:08 Uhr

Bei VW weiss man halt wie Geld verdient wird, im Gegensatz zu so einigen Leitmedien wie zB dem Spiegel. Die können sich mit stetig fallender Auflage und finanziellen Verlusten nur noch über Wasser halten, weil sie u.a. mit Werbekampagnen der Bundesregierung gestützt oder wie die SZ über eine "Recherchegemeinschaft" mit den GEZ-Medien subventioniert werden.
Und ab und zu mal eine reisserische Diesel-Story , um eine kurzfristige Trendumkehr bei den Auflagen zu erreichen. Nachhaltig ist das aber trotzdem nicht, die zahlenden Leser verabschieden sich weiter, denn wer zahlt erwartet auch Qualität.

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