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11.01.2010

15:53 Uhr

Zwischenbericht

Preisdruck kostet Siemens Milliarden

VonAxel Höpner

Gute Nachrichten aus München: Siemens hat den Auftragsschwund im abgelaufenen Quartal in seinem Kerngeschäft gestoppt. Im Industriesektor ist der Boden aber noch nicht erreicht. Kostensenkungen bei Personal und Einkauf federn aber die Gewinnrückgänge beim Technologiekonzern ab.

Bei Siemens geht es langsam aufwärts. Quelle: ap

Bei Siemens geht es langsam aufwärts.

MÜNCHEN. Der Siemens-Konzern hat Hoffnungen auf eine rasche Konjunkturerholung einen Dämpfer verpasst. Im Energiesektor und im Geschäft mit industriellen Dienstleistungen und Lösungen sei derzeit noch keine Bodenbildung in Sicht, sagte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser bei einer Investorenkonferenz in New York. Zwar gebe es bei Frühzyklikern wie der Lichttochter Osram Licht am Ende des Tunnels. Gerade im Industriebereich aber könne es „noch Jahre dauern, bis die Rekordniveaus der Jahre 2007 und 2008 wieder in greifbare Nähe rücken“.

Ähnliche Signale gab es gestern vom Elektro-Branchenverband ZVEI. Es könne sich bis zu sieben Jahre hinziehen, bis die deutsche Elektroindustrie wieder das Rekord-Umsatzniveau von 2008 erreiche, als die Erlöse 182 Mrd. Euro betrugen, teilte der ZVEI mit. Für 2010 rechnet der Verband lediglich mit einem leichten Umsatzplus von 145 auf 150 Mrd. Euro.

Siemens sieht sich für die längere Durststrecke vergleichsweise gut gerüstet. „Die frühzeitig eingeleiteten Maßnahmen auf der Kostenseite wirken stabilisierend“, sagte Kaeser. Siemens hatte bereits vor Beginn der Krise ein massives Sparprogramm in Vertrieb und Verwaltung mit einem Abbau von mehr als 17 000 Arbeitsplätzen gestartet. Damit können nun der Preisverfall und die Nachfragerückgänge teilweise aufgefangen werden.

Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2009/10, das gerade zu Ende gegangen ist, rechnet Siemens dank der Einsparungen trotz Umsatzrückgängen beim operativen Gewinn mit einem „starken Quartalsergebnis der Sektoren im Vergleich zum Vorquartal“.

Die Prognosen für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern. Demnach wird der Umsatz von zuletzt knapp 77 Mrd. Euro im mittleren einstelligen Prozentbereich auf etwa 73 Mrd. Euro sinken. Das Minus beim operativen Ergebnis wird prozentual noch stärker ausfallen. Hier rechnet Siemens weiterhin mit einem Gewinnrückgang von 7,5 auf 6,0 bis 6,5 Mrd. Euro.

Der Technologiekonzern steht konjunkturell an mehreren Fronten unter Druck. Im abgelaufenen Quartal gab es laut Kaeser selbst im lange boomenden Geschäft mit erneuerbaren Energien eine „temporäre Umsatz- und damit einhergehend Margenschwäche“. Auch im Segment der Energieübertragung und -verteilung habe sich der Markt weiter eingetrübt. Bei der Industrie-Automatisierung, die stark unter Druck stand, sieht Kaeser zumindest den Boden erreicht. In der Verkehrstechnik profitiert Siemens weiter vom guten Auftragsbestand.

Die weltweite Konjunkturkrise führt zu massivem Preisdruck auf die Unternehmen. Der Siemens-Konzern rechnet im laufenden Geschäftsjahr allein wegen des Preisverfalls mit einer Belastung des operativen Ergebnisses von zwei Mrd. Euro. Diese Einbußen können nur teilweise durch Ausgabensenkungen bei Personal und Einkauf ausgeglichen werden.

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