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26.01.2005

13:02 Uhr

Zynische Angebote

Finanzhaie stürzen sich auf Opelaner

In der Opel-Stadt Rüsselsheim machen sich derzeit viele Menschen Sorgen ums Geld. Nicht nur um das bald Fehlende, wenn das Werk nach den Vorgaben des Mutterkonzern General Motors (GM) weiter schrumpft, sondern auch um das in bislang nie gekannter Menge Vorhandene: Ein guter Teil der von GM bereitgestellten Dollar-Milliarde (rund 750 Mio Euro) zur Abfindung nicht mehr benötigter Mitarbeiter wird in der unscheinbaren Industriestadt am Main landen. Experten warnen die abfindungswilligen Opelaner vor Finanzhaien, die bereits fette Beute wittern.

HB RÜSSELSHEIM. Sedat Cakir berät bei der Wirtschaftsförderung des Kreises Groß- Gerau vor allem ausländische Kleinunternehmer und Existenzgründer. Schon vor Weihnachten, berichtet der Türke, waren in Rüsselsheim und Umgebung Leute unterwegs, die einfachen Arbeitern Verträge zur Karriereberatung und weiteren Qualifizierung aufschwätzen wollten, zu Preisen zwischen 12 000 und 16 000 Euro. Diese Angebote seien besonders zynisch für einige seiner Landsleute, die nach 30 Jahren am Band und mit immer noch schwachen Deutschkenntnissen schlicht nicht vermittelbar seien.

Ebenfalls im Angebot seien unrentable Döner-Buden und andere Kleinbetriebe. „70 bis 80 Prozent der Läden haben allein über ihren Spielautomaten regelmäßige Einkünfte“, sagt Cakir. Eine Vollkostenberechnung gebe es in den seltensten Fällen. Stattdessen werde die Arbeitskraft und das Kapital der weiten Verwandtschaft eingesetzt - oftmals gegen jede wirtschaftliche Vernunft. Erhebliche Vorleistungen würden bei so genannten Franchising-Verträgen etwa im Kosmetika-Vertrieb verlangt. Interessenten müssten sich gegen hohes Entgelt schulen lassen und die Ware auf eigenes Risiko ankaufen.

Nach 30 Opel-Jahren erhält laut IG Metall ein 50 Jahre alter Mitarbeiter mit einem Monatseinkommen von 3 600 Euro eine Abfindung von 216 000 Euro vor Steuern. Im Werk finden die Ausstiegswilligen aber wenig Unterstützung. Natürlich warne man die Kollegen vor Kredithaien, sagt Betriebsrat Peter Klein. Doch letztlich könne man sie „draußen“ nicht vor Fehlentscheidungen schützen. „Viele wollen erst mal eine Reise machen und sich ein Auto kaufen. Ich kann nur hoffen, dass da möglichst viele Opel dabei sind.“

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