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15.04.2013

13:57 Uhr

Industriezulieferer

Schaeffler vor großem Stellenabbau

VonDana Heide

Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler will in seinem Wuppertaler Werk massiv Stellen abbauen. Das Unternehmen begründet diesen Schritt mit der schwachen Marktentwicklung in der Windbranche.

Zylinderrollenlager von Schaeffler: Der Automobilzulieferer sieht keine guten Zeiten für die Windkraftbranche. dpa

Zylinderrollenlager von Schaeffler: Der Automobilzulieferer sieht keine guten Zeiten für die Windkraftbranche.

Düsseldorf Die schlechte Nachricht kam noch vor dem Wochenende, am Sonntag wandte sich die Gewerkschaft IG Metall dann an die Medien: Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler wolle die Hälfte der 1500 Stellen im Werk in Wuppertal streichen. Dass die Zahl der 750 Stellen am Freitag diskutiert wurde, bestätigte ein Sprecher am Montag auf Anfrage von Handelsblatt Online.

Gemessen an der gesamten Mitarbeiterzahl ist das nicht viel – insgesamt beschäftigt das Unternehmen 76.000 Mitarbeiter weltweit und ist damit laut eigenen Angaben eines der größten deutschen und europäischen Industrieunternehmen in Familienbesitz. Interessant ist jedoch: Im Wuppertaler Werk werden vor allem Teile für Windkraftanlagen gebaut. Auch Schaeffler leidet offenbar unter dem hohen Preisdruck und den Überkapazitäten in der Branche.

Die größten Windkraftanlagenhersteller (Ranking 2012)

Platz 10

Die Unternehmensberatung BTM Consult analysiert einmal im Jahr den weltweiten Markt für Windkraftanlagenhersteller. Auf dem zehnten Platz befindet sich in der aktuellen Rangliste, die sich auf Daten von 2012 bezieht, das chinesische Unternehmen Mingyang mit einem Marktanteil von 2,7 Prozent. Laut eigenen Angaben ist die Firma der größte nicht-staatliche Windkraftanlagenbauer von China und arbeite in Deutschland mit dem Unternehmen aerodyn Energiesysteme zusammen.

Platz 9

Auch auf dem neunten Platz ist ein chinesisches Unternehmen, wenn auch nur mit dem geringen Anteil von 3,2 Prozent: Sinovel.

Platz 8

Mit einem Marktanteil von 4,7 Prozent ist United Power auf dem achten Platz der Weltrangliste der größten Windkraftanlagenhersteller. Das Unternehmen ist wie Sinovel und Mingyang in China beheimatet.

Platz 7

6 Prozent Marktanteil hat das chinesische Unternehmen Goldwind.

Platz 6

Gamesa ist das einzige spanische Unternehmen in der Top 10-Liste der größten Windkraftanlagenhersteller der Welt. Die Firma hat ihren Hauptsitz im Baskenland in Nordspanien und hatte 2012 einen Marktanteil von 6,1 Prozent weltweit.

Platz 5

Auf dem fünften Platz befindet sich mit einem Marktanteil von 7,4 Prozent die Suzlon Group aus Indien. Im Vorjahr war sie noch auf dem sechsten Platz

Platz 4

Auch das deutsche Unternehmen Enercon kletterte weltweit in der Rangliste nach oben – vom fünften Platz 2011 ging es auf den vierten Platz 2012. Enercon hat einen Marktanteil von 8,2 Prozent, in Deutschland hat das Unternehmen dagegen einen Anteil von mehr als 50 Prozent. 

Platz 3

Auch auf dem dritten Platz der weltgrößten Windkraftanlagen befindet sich ein deutsches Unternehmen: Siemens. Sein Anteil am Weltmarkt betrug 2012 laut BTM Consult 9,5 Prozent.

Platz 2

Eine schwere Rückschlag musste im vergangenen Jahr der dänische Windkraftanlagenbauer Vestas einstecken. Erstmals seit 2000 schaffte es das Unternehmen mit einem Marktanteil von 14 Prozent nicht auf den ersten Platz der größten Anlagenhersteller.

Platz 1

General Electric hat im vergangenen Jahr erstmals Vestas vom ersten Platz der Rangliste der größten Windkraftanlagenbauer verdrängt – mit einem Marktanteil von 15,5 Prozent. Das US-Unternehmen war 2011 noch an dritter Stelle.

Mit der „unverändert schlechten Nachfragesituation für Großlager, insbesondere verursacht durch die schwache Marktentwicklung in der Windkraftindustrie“ begründet Schaeffler den Schritt. „Eine Verbesserung der Marktsituation ist derzeit leider nicht absehbar“, sagte ein Unternehmenssprecher. Der geplante Stellenabbau sei jedoch kein Zeichen dafür, dass Schaeffler sich nun aus der Windkraft zurückziehe, betonte das Unternehmen.

Die IG Metall will jedoch diese Begründung mit der schwachen Windkraftnachfrage nicht gelten lassen. Laut Informationen der „Westdeutschen Zeitung“ hat sie am Freitag die Gespräche mit der Geschäftsleitung abgebrochen.

Kommentare (3)

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Welbie100

16.04.2013, 19:32 Uhr

Keine erfreulichen Nachrichten für alle Beteiligten. So viele Mitarbeiterstellen zu streichen ist definitv für alle Parteien schmerzhaft. Schaeffler steht an und für sich für faire Mitarbeiterpolitik, wie Vorsitzender Geißinger immer wieder betont, es gibt weltweit rund 76.000 Mitarbeiter, allein letztes Jahr gab es einen Zuwachs von rund 2.000 Mitarbeitern. Man kann nur hoffen, dass das letzte Wort hier doch noch nicht gesprochen ist.

Account gelöscht!

29.04.2013, 20:10 Uhr

Ist natürlich eine tragische Sache, aber wenn die Windbranche derzeit so einen Eibruch hat, wird dem Unternehmen keine andere Möglichkeit bleiben. Da hilft auch das laute Schreien und lästern der Grünen nicht.

Franz

07.05.2013, 09:28 Uhr

Da will die Politik die Windkraft so weit wie möglich ausbauen, hat aber keine Ahnung, dass die Windkraft Branche generell angeschlagen ist und kaum in Deutschland Strom durch Wind produziert wird. Politiker wie Ott, Lankau und Co schreien nur rum, dass wir das verhindern müssen, dass Schaeffler die Stellen abbaut, aber alle haben keine Ahnung wie der Markt momentan um die Windkraft bestellt ist. Vielleicht sollten diese Herrschaften sich vorher gedanken machen, bevor man der Meinung ist, 25% der Windkraft sollen in Zukunft Strom erzeugen und wir es momentan gerade mal auf 6,6% schaffen. Zuerst denken und dann den Mund aufmachen. Klar, ist es problematisch, dass so viele Menschen entlassen werden müssen. Leider bestimmt Angebot und Nachfrage den Markt und die Nachfrage ist momentan nur gering gegeben oder eben in Asien.

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