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25.01.2010

16:21 Uhr

Informationsmängel

Bilanzpolizei geht Firmen härter an

VonSusanne Schier, Markus Hennes

Viele Unternehmen reißen in der Krise die Auflagen für Kredite, kommunizieren dies aber nicht ausreichend an Investoren. Ihnen drohen Ermittlungen. Fehler könnten künftig häufiger im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht und damit einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden - es droht ein Imageschaden.

Mitarbeiter bei Kuka. Der Anlagenbauer hat 2009 seine Kreditvereinbarungen gebrochen, dies aber umgehend im Quartalsbericht dargestellt. Quelle: dpa

Mitarbeiter bei Kuka. Der Anlagenbauer hat 2009 seine Kreditvereinbarungen gebrochen, dies aber umgehend im Quartalsbericht dargestellt.

DÜSSELDORF. Unternehmen, die nicht ausreichend über den Bruch von Kreditauflagen berichten, müssen sich auf Sanktionen der Bilanzpolizei einstellen. Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) kündigte gegenüber dem Handelsblatt an, die Informationspolitik dieser Unternehmen künftig genauer zu untersuchen.

Derzeit laufen viele Firmen Gefahr, wegen rückläufiger Ergebnisse die Auflagen für Kredite zu brechen. Dies gefährdet die Finanzierung. Wenn ein Unternehmen gegen Klauseln aus dem Kreditvertrag verstößt, können die Banken die Gelder sofort zurückfordern - was im Extremfall die Zahlungsfähigkeit bedeuten kann.

Für Investoren sind rechtzeitige Informationen über solche Risiken enorm wichtig. Gleichwohl kommt es zu Versäunissen in der Kommunikation. "In jüngster Zeit haben wir gelegentlich festgestellt, dass Unternehmen ihre Kreditauflagen gerissen, aber nicht ausreichend im Lagebericht darüber berichtet haben", sagte Herbert Meyer, Präsident der DPR, dem Handelsblatt. Daher will die auch Bilanzpolizei genannte Stelle bei ihren diesjährigen Abschlussprüfungen vermehrt auf die Darstellung und Erläuterung wesentlicher finanzieller Risiken im Zusammenhang mit Kreditauflagen - Fachleute sprechen von Financial Covenants - schauen.

Mit Kreditauflagen legen die Banken dem Schuldner Daumenschrauben an: Die Unternehmen verpflichten sich vertraglich, bestimmte Finanzkennzahlen über die gesamte Laufzeit des Kredits einzuhalten. Unternehmen, die das jüngst nicht geschafft haben, sind etwa der Roboterhersteller Kuka und der Holzverarbeiter Pfleiderer.

Häufigste Kennzahl ist eine Obergrenze für das Verhältnis von Nettofinanzschulden zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda). "Damit es später nicht zu unterschiedlichen Vertragsauslegungen kommt, ist es für beide Parteien sinnvoll, das dem Kreditvertrag zugrunde liegende Ebitda exakt zu definieren", sagt Vera-Carina Elter, Partner bei KPMG. Das Problem für externe Bilanzleser: Fast immer weicht die Definition im Kreditvertrag vom veröffentlichten Ebitda ab. Die tatsächlichen Risiken aus Kreditverträgen sind so zunächst nur Insidern bekannt.

Fehler werden künftig häufiger veröffentlicht

Zwar müssen Unternehmen im Jahresabschluss offenlegen, wenn Vertragsverletzungen auftreten, die dem Kreditgeber ein Recht auf vorzeitige Rückzahlung einräumen - es sei denn, die Verletzung war am Bilanzstichtag wieder geheilt. Aber bisher war die DPR bei Kommunikationssünden hier großzügig: "Wir haben den Unternehmen lediglich Hinweise gegeben, wenn es sich um nicht wesentliche Abweichungen von den internationalen Bilanzierungsregeln handelte", sagt Meyer.

Nun weht ein anderer Wind: "Wenn wir die Darstellung der Covenants im Lagebericht jetzt genauer unter die Lupe nehmen, wird es bei wesentlichen Abweichungen auch zu einer Fehlerfeststellung kommen können", sagt Meyer. Konsequenz: Der Fehler wird im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht und damit einer breiten Öffentlichkeit bekannt - es droht ein Imageschaden.

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