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09.03.2004

07:00 Uhr

Ingrid Hofmann verwirklicht in Oberfranken den amerikanischen Traum: vom Vorzimmer auf den Chefsessel

Die Zeit-Arbeiterin

VonMartin Buchenau (Handelsblatt)

Wenn Ingrid Hofmann über die Bundesagentur für Arbeit redet, wird die sonst freundliche Unternehmerin ernst, ihr Lächeln erhält fast zynische Züge. Auch um einen beißenden Kommentar zur Pleite des Konkurrenten Maatwerk oder zur Kostenexplosion des Onlineangebots der Bundesagentur ist die rothaarige Unternehmerin nicht verlegen.

NÜRNBERG. „Maatwerk, das hat mich gar nicht überrascht“, sagt sie. Wenn die Bundesagentur den billigsten Anbieter beauftrage und eine Personal-Service-Agentur wähle, die sich im Markt nicht auskenne, dann sei das Scheitern programmiert.

Ginge es nach der 49 Jahre alten Oberfränkin aus dem kleinen Ort Hiltpoltstein 30 Kilometer nördlich von Nürnberg, dann sollten Personal-Service-Agenturen – wenn überhaupt – von Unternehmen betrieben werden, die schon im Markt sind. Dabei spricht Sie natürlich pro domo.

Am wirkungsvollsten wäre es aus ihrer Sicht, wenn die Bundesagentur ihre Daten den Zeitarbeitsfirmen zugänglich machen würde. „Das wäre die effektivste Form der Arbeitsvermittlung. Über die Modalitäten ließe sich ja reden“, sagt die Selfmade-Unternehmerin, die sich in 30 Jahren von der einfachen Sekretärin bis zur Chefin der eigenen Zeitarbeitsfirma mit über 4 000 Beschäftigten und 100 Millionen Euro Umsatz nach oben gearbeitet hat. Im vergangenen Jahr erhielt sie dafür die Auszeichnung „Unternehmerin des Jahres“. Über den von dem Champagner-Hersteller Veuve Clicquot verliehenen und angesehenen Preis freut sie sich noch heute: „Ich habe viel gute Publicity bekommen.“

„Ich will arbeiten, bis ich 84 Jahre alt bin“, sagt Ingrid Hofmann von sich. Ungläubige Blicke daraufhin kontert sie schnell und direkt: „Warum nicht?“ lächelt sie routiniert und kennt die Wirkung ihrer Mimik ganz genau. Den Konter hatte sie vorher schon einstudiert. Sie lässt sich nur ungern überraschen, wie es bei Menschen, die sich alles selbst erarbeitet haben, häufig vorkommt.

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