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31.05.2017

16:30 Uhr

Innovation im Tech-Sektor

Die nächsten Revolutionen kommen aus China

VonStephan Scheuer

Peking will den chinesischen Firmen Innovation verordnen. Beim Deutschland-Besuch will sich Premier Li die Ideen der Industrie 4.0 abschauen. Aber China selbst zeigt: Gute Ideen florieren da, wo sich der Staat raushält.

Bei der Herstellung technischer Produkte holen chinesische Firmen rasant auf. AP

Technologie aus China

Bei der Herstellung technischer Produkte holen chinesische Firmen rasant auf.

OrdosIn der gelbbraunen Wüstenlandschaft um die Stadt Ordos in der Inneren Mongolei wirken die weißen Fabrikgebäude wie Fremdkörper. Durch die karge Gegend führen frisch gebaute Teerstraßen in ein modernes Industriegebiet. „Noch kennt uns kaum jemand, aber das wird sich bald ändern“, sagt die Sprecherin der BOE Technology Group.

BOE ist auf die Herstellung von Displays spezialisiert. Über Jahre verkaufte die 1993 gegründete Firma ihre Produkte an Hersteller wie Samsung. Jetzt aber will sie sich unter eigenem Namen etablieren. Die Sprecherin führt durch eine Ausstellungsfläche im Erdgeschoss des Firmengebäudes und präsentiert den ersten selbst produzierten Fernseher, ein Display, das sich über das ganze Armaturenbrett in einem Auto erstrecken soll, sowie ein Display für einen Kühlschrank, mit dem man künftig Essen online bestellen kann.

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Der chinesische Präsident Xi Jinping hat den freien Welthandel zu einem Regierungsziel erklärt, nun muss er auch liefern: Deutsche Firmen brauchen endlich einen fairen Zugang zu den Märkten in China. Eine Analyse.

Firmen wie BOE stehen für einen grundlegenden Wandel in der zweitgrößten Volkswirtschaft. China ist die Fabrik der Welt. 90 Prozent der Smartphones, 80 Prozent der Computer und 60 Prozent der Fernseher werden in Fernost hergestellt. Künftig sollen die Firmen in China jedoch nicht nur Zulieferer sein, sondern selbst hochwertige Produkte entwickeln.

Die Planungsbehörden und Ministerien in Peking arbeiten seit Jahren an Förderprogrammen. „Die Reform der Angebotsseite ist unser Leitprinzip“, erklärte kürzlich Industrieminister Miao Wei. Ausländische Firmen sollen Fachwissen liefern, damit chinesische Betriebe lernen können.

Sechs Entwicklungen, die die kommenden Jahre beherrschen

Computing überall

Mobile Geräte bieten ständigen Online-Anschluss. Dadurch ist die kontinuierliche und damit aktuelle, weltweite Information der Nutzer, auch in der Produktion und im Handel, möglich.

Internet der Dinge (IoT)

Geräte tauschen untereinander und mit den Nutzern automatisch Infos aus. Etwa die Haushaltsgeräte mit dem Stromzähler, um die günstigsten Verbrauchszeiten herauszufinden.

3-D-Druck

Die neuen Drucker können fast jedes dreidimensionale Objekt herstellen. Typische Materialien sind Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken und Metalle.

Big Data

Große Datenmengen, etwa aus dem IoT, von Social Media oder aus mobilen Geräten, werden automatisch analysiert und sind in Anwendungen eingebettet.

Intelligente Maschinen

Sie lernen selbstständig und handeln entsprechend dem Trends zur Industrie 4.0. Die smarten Maschinen gelten als Technologie, die vorhandene Geräte weitgehend ersetzt.

Systeme mit Umgebungsdaten

Sie erfassen, etwa via Sensoren, den Kontext der Nutzer und der Geräte und liefern ausgewählte Daten. Damit lassen sich zum Beispiel Sicherheitssysteme verstärken.

Quelle: Creditreform 1 2017

Doch die größten Erfolge können Firmen in China ausgerechnet in Bereichen verzeichnen, in denen sich der Staat weitgehend raushält. China biete hervorragende Bedingungen für aufstrebende Unternehmen, sagt Edward Tse, Chef der Unternehmensberatung Gao Feng Advisory. „Nicht in den USA, sondern in China kündigen sich die nächsten Produktrevolutionen an“, ist Tse überzeugt, der ein Buch über innovative Firmen in der Volksrepublik geschrieben hat.

Kommentare (4)

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Herr Arnd Stricker

31.05.2017, 17:10 Uhr

Was ist denn an diesen Ideen revolutionär? Das sind wie immer Kopien. In dem Artikel kommt zum Ausdruck, warum in China kaum Revolutionen zu erwarten sind. Der Staat wir niemals die Freiräume lassen, damit sich solche Unternehmen entwickeln können. Staatliche Förderpolitk, die immer den politischen Aspekt beinhaltet, wird nicht die kreativen Kräfte entwiickeln, die dafür notwendig sind. Mich erinnert China immer mehr an das Japan der 80er. das damals auch das einzig funktionierende sozialistischen Geschäftsmodell war, das funktionierte, (auch wenn alle Welt meinte, dass es sich um eine Marktwirtschaft handelte.

Herr Ragin Allraun

31.05.2017, 17:52 Uhr

Was ist das denn für eine Lachnummer ?
Der Staat hält sich raus ? Ganz im Gegenteil, die chinesische Regierung fördert und fordert die Technologieentwicklung und steuert gezielt die chinesische Industrie in die deutsche Innovationstechnologie. Durch staatlich verordneten Plagiatsauftrag an die chinesische Industrie und in Bezug auf die Ausbildung chinesischer Studenten an deutschen technischen Hochschulen.

Das ganze hat Methode, ist und war immer in den letzten 15 Jahren vorsätzlich und voller Absicht initiert.

Frau Edelgard Kah

31.05.2017, 18:02 Uhr

Sehr geehrter Herr Scheuer,

ich scheue mich nicht, den Chinesen alle nur denkbaren guten Eigenschaften zuzuschreiben. Natürlich sind sie auch innovativ. Und vieles mehr.

Die Gretchenfrage ist aber das Wirtschaftssystem. Unsere westlichen Volkswirtschaften beruhen auf dem Prinzip des Wettbewerbs. Es hat tausenfach bewiesen, dass es gewaltige Produktivkräfte entfaltet und den Wirtschaftssystemen mit staatlicher Planung und Lenkung überlegen ist. Sie erinnern sich sicher, dass die ehemalige Sowjetunion die USA jahrzehntelang wirtschaftlich überholen wollte, dann aber auseinander brach. Auch in der ehemaligen DDR ist der Glaube an den Sieg des Sozialismus abhanden gekommen.

Zum Schluß eine Randbemerkung: Dass in China in den letzten 2 oder 3 Jahrzehnten eine leistungsfähige Industrie aufgebaut wurde, ist zu einem großen Teil westlichen Konzernen zuzuschreiben. Vielleicht gehen Sie beispielhaft einmal der Frage nach, wer in China Autos produziert. Natürlich auch einige chinesische Firmen. Aber die großen Spieler kommen aus dem Westen.

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