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21.01.2005

11:00 Uhr

Insider tippen auf Phoenix-Lenker Scheifele

Spekulationen um neuen Chef bei Heidelcement

VonJens Koenen

Die Bühne mag er nicht. Bernd Scheifele „schafft“ lieber im Stillen – und zwar eine Menge. Es könnte bald noch mehr werden. Die Chancen stehen gut, dass der 46-jährige Scheifele Chef des Baustoff-Spezialisten Heidelberg Cement wird.

FRANKFURT/M. Dann wird Scheifele den am Donnerstag zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden Hans Bauer beerben. Die Hinweise verdichten sich, dass er morgen berufen wird.

Für den Juristen wäre die neue Aufgabe der vorläufige Höhepunkt seiner beruflichen Karriere. Erstmals würde Scheifele, Vater von vier Kindern, einem börsennotierten Unternehmen vorsitzen. Er gilt als enger Vertrauter von Adolf Merckle. Seit 1994 führt der Badener den Pharmagroßhändler Phoenix, ebenso eine Beteiligung Merckles wie der Generika-Hersteller Ratiopharm, die Kässbohrer Geländefahrzeug AG und eben Heidelberg Cement.

Den Baustoffkonzern kennt Scheifele gut, ist er doch seit 2004 dessen Aufsichtsratschef. Es war Merckle, der ihn holte. Er hat seinen Einfluss bei Heidelberg seit dem Ausstieg der Deutschen Bank und der Verringerung des Engagements der Allianz ausgebaut, angeblich auf rund 20 Prozent. Gemeinsam mit dem zweiten Großaktionär, der Familie Schwenk, zieht Merckle, dessen Frau eine geborene Schwenk ist, die Fäden im Hintergrund.

Mit Scheifele würde Merckle erneut einen eigenen Mann im Top-Management des Heidelberger Konzerns installieren. Im vergangenen September zog Lorenz Näger, bis dato Finanzchef von Phoenix, in gleicher Funktion in den Heidelberg-Vorstand ein. Finanzvorstand Horst R. Wolf ging vorzeitig in den Ruhestand.

Merckle schätzt Scheifeles Durchsetzungskraft. Als Anwalt der Kanzlei Gleiss Lutz hatte dieser aus Merckles Pharmabeteiligungen die Phoenix zusammengeschweißt. Der schwäbische Unternehmer war so begeistert, dass er dem Juristen den Chefposten anbot. Scheifele verfüge über ein ausgeprägtes unternehmerisches Denken und mache als Mensch einen ausgezeichneten Eindruck, wird Merckle zitiert

.

Diese Stärken kann der Marathonläufer gut gebrauchen. In der Vergangenheit waren immer wieder Differenzen im Aufsichtsrat durchgesickert. So soll Merckle gegen eine von Bauer unterstützte weitere Internationalisierung gewesen sein.

Sollte Scheifele den Chefposten bekommen, dürfte vor allem die künftige Ausrichtung von Heidelberg Cement spannend werden. Die Wettbewerber wie Holcim oder Cemex sind auf Einkaufstour und bauen den Abstand zur weltweiten Nummer vier aus.

Mit Schäufele würde den Heidelbergern aber auch ein Kulturwechsel bevorstehen: Er wäre der erste Externe auf dem Chefsessel. Insider mutmaßen, dass Bauer nicht der letzte Manager gewesen sein wird, der gehen muss. „Jetzt werden alte Seilschaften aufgelöst“, heißt es.

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