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10.01.2014

18:18 Uhr

Insolventer Billigstromanbieter

Teldafax-Manager müssen vor Gericht

ExklusivInsolvenzverschleppung, gewerbsmäßiger Betrug und Bankrott – wegen dieser Vorwürfe müssen sich drei Teldafax-Manager vor Gericht verantworten. Das Bonner Landgericht ließ jetzt die Anklage zur Hauptverhandlung zu.

Teldafax-Firmenschild in Troisdorf bei Bonn: Die Anklage der Staatsanwaltschaft wurde unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen. dpa

Teldafax-Firmenschild in Troisdorf bei Bonn: Die Anklage der Staatsanwaltschaft wurde unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen.

DüsseldorfDie Chefs des einst größten deutschen Billigstromanbieters Teldafax müssen sich jetzt vor Gericht für die Insolvenz des Unternehmens verantworten. Das Landgericht Bonn hat die Anklage der Staatsanwaltschaft „unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet“, wie das Gericht am Freitag mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft Bonn wirft dem Gründer des Unternehmens, Michael Josten, und den späteren Vorstandschefs Klaus Bath und Gernot Koch Insolvenzverschleppung, gewerbsmäßigen Betrug sowie Bankrott vor.

Teldafax hatte erst am 14. Juni 2011 einen Antrag auf Insolvenz gestellt, obwohl die Gesellschaft nach Auffassung der Ermittler bereits seit Sommer 2009 zahlungsunfähig gewesen war. Teldafax war durch Billigangebote zwar rasant gewachsen, die Tarife waren aber nicht kostendeckend. Das Unternehmen konnte nur überleben, weil die Löcher in der Bilanz durch die Vorauszahlungen der neuen Kunden gestopft wurden. Das Handelsblatt deckte bereits im Oktober 2010, also acht Monate vor dem Insolvenzantrag das Schneeballsystem hinter Teldafax auf.

Die Teldafax-Affäre Teil 1

16. September 2009

Teldafax beauftragt die Rechtanwaltskanzlei Görg mit der Erstellung eines „Unternehmensstatus unter insolvenzrechtlichen Aspekten.“

17. September 2009

Die Kanzlei Görg empfiehlt dem Teldafax-Vorstand, „im Moment – da die Insolvenzreife des Konzerns – mit hoher Wahrscheinlichkeit (ggf. schon länger) gegeben ist, alle Zahlungen zu stoppen, es sei denn, die Nichtzahlung würde zu einem sofortigen Zusammenbruch des Geschäftsbetriebs führen. Leisten Sie dennoch Zahlungen an einzelne Gläubiger in Kenntnis der Insolvenzreife, machen Sie sich als Vorstand/Geschäftsführer schadenersatzpflichtig.“

17. September 2009 (II)

Eine Teldafax-Delegation um Marketing-Chefin Claudia Nowak besucht Bayer 04 Leverkusen und erklärt Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, dass Teldafax seine Sponsoringraten nicht zahlen kann. Teldafax bittet um eine Stundung.

12. Oktober 2009

Rechtsanwaltskanzlei Görg schreibt einen letzten Brief an den Teldafax-Vorstand: „Sofern Sie noch bei einer eventuellen Antragsstellung gegenüber dem Insolvenzgericht Hilfestellung benötigen, stehen wir hierfür gern zu Verfügung.“

14. Oktober 2009

Bayer 04-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser schreibt an Teldafax und beschwert sich, dass die Bedingungen aus der ersten Stundungsvereinbarung von Teldafax nicht eingehalten wurden. Er fordert die Zahlung der vereinbarten Sponsoringraten. Teldafax zahlt. Außerdem wird vereinbart, dass Bayer kündigen kann, wenn Teldafax künftig in Verzug gerät. Teldafax muss dann laut Ergänzungsvertrag 6,4 Millionen Euro Vertragsstrafe zahlen.

1. Juli 2010

Teldafax kann die Halbjahresrate in Höhe von 3,9 Millionen Euro für das Sponsoring von Bayer 04 Leverkusen für die Hinrunde der Fußball-Bundesliga 2010/2011 nicht zahlen.

17. Juli 2010

Teldafax und Bayer 04 Leverkusen schließen eine erneute Stundungsvereinbarung. Teldafax darf die Forderungen des Fußballligisten monatlich abstottern.

20. Oktober 2010

Das Handelsblatt berichtet, dass Teldafax einem Schneeballsystem gleiche und von einem verurteilten Anlagebetrüger aus dem Gefängnis heraus gesteuert wird.

21. Oktober 2010

Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser lobt Teldafax für die gute Zusammenarbeit mit Bayer und betont, Bayer wolle bis 2013 Partner von Teldafax bleiben. Rudi Völler sagt: „Teldafax bleibt auf unserer Brust!“

29. November 2010

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf leitet ein Ermittlungsverfahren gegen Führungskräfte von Teldafax ein.

Von der Pleite sind mehr als 700.000 Kunden betroffen. Gemessen an der Zahl der Gläubiger ist es damit das größte Insolvenzverfahren in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Es wird noch Jahre in Anspruch nehmen.

Auch das Strafverfahren droht zum Mammutprozess zu werden. Der Prozess beginnt am 18. Februar. Zunächst hat das Gericht bis Anfang Mai 16 Verhandlungstage angesetzt. Dann soll das Verfahren „während des gesamten Jahres 2014 – mit Unterbrechungen durch Feiertage sowie Urlaube von Verfahrensbeteiligten – jeweils Dienstags und Freitags fortgesetzt werden“.

Die Teldafax-Affäre Teil 2

10. März 2011

Wolfgang Holzhäuser schreibt einen Brief an die neuen Teldafax-Gesellschafter Sigma Citation Strategies und CPA Invest, in dem er auf eine Klausel im Vertrag mit Teldafax hinweist. Bei einem Eigentümerwechsel habe Bayer 04 Leverkusen nämlich die Option, aus dem Vertrag auszusteigen. Außerdem werde die noch ausstehende Sponsoringsumme von 1,6 Millionen Euro für die Saison 2010/11 sofort fällig.

12. April 2011

Das Hauptzollamt Köln entzieht Teldafax die Erlaubnis zur Leistung als Stromversorger.

24. Mai 2011

Bayer 04 Leverkusen kündigt den Sponsoring-Vertrag mit Teldafax.

14. Juni 2011

Teldafax stellt einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bonn.

1. September 2011

Das Insolvenzverfahren gegen Teldafax wird eröffnet.

17. April 2013

Bayer Leverkusen weigert sich seit eineinhalb Jahren, die kassierten Millionen zurückzuzahlen. Der Teldafax-Insolvenzverwalter Biner Bähr reicht deshalb beim Landgericht Köln eine Klage über 16 Millionen Euro plus Zinsen ein.

18. September 2013

Bayer Leverkusen und der Insolvenzverwalter von Teldafax treffen sich zum Gütetermin vor dem Landgericht Köln. Der Richter schlägt einen Kompromiss vor: Bayer solle 7,3 Millionen Euro zahlen. Beide Seiten lehnen dies ab.

Kommentare (2)

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WolfgangBartholmei

10.01.2014, 19:44 Uhr

....so war es 2001 auch -TelDaFax verkaufte damals Telefontarife. Angeklagt wurden viele-freigesprochen alle.
Gerne stelle ich die Mitteilung des damaligen Insolvenzverwalters zur Verfügung - 125000 DM waren für einen einzigen Vertriebs"partner" trotz Zugeständnis einfach mal so uneinbringbar! Es war ein nicht unbeteutender Teil meiner geplanten Rente (...man soll ja selbst vorsorgen,sagt unsere politische Führung)-gelohnt hat es sich fürwahr nicht.
Besser funktioniert das wohl eher , wenn man vorgeht,
wie TelDaFax Manager und deren Anwälte und Insolvenzverwalter.

Freundliche Grüße an alle, die es interessiert,die es wissen wollen und -die ,die nicht mehr in der Lage sind, ihre Ansprüche jemals wieder zu formulieren....

Wolfgang Bartholmei
WB-Post@t-online.de

mon_yburns@central.banktunnel.eu

10.01.2014, 19:49 Uhr

Wer Glasfaser verbuddelt braucht eben auch eine autarke Stromversorgung der Endgeräte.

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