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17.03.2014

10:07 Uhr

Insolventer Immobilienkonzern

Personeller Neuanfang bei IVG

Alles auf Anfang: Der insolvente Immobilienkonzern IVG steht vor einer Neuausrichtung. Vorstandschef Wolfgang Schäfers hält seine Sanierungsaufgabe für erledigt – und rückt nun beiseite.

IVG-Zentrale in Bonn: Vorstandssprecher Schäfers macht Platz für einen Neuanfang. dpa

IVG-Zentrale in Bonn: Vorstandssprecher Schäfers macht Platz für einen Neuanfang.

FrankfurtDer insolvente Immobilienkonzern IVG steht nun auch vor einem personellen Neuanfang an der Firmenspitze. Der bisherige Vorstandssprecher Wolfgang Schäfers tritt mit sofortiger Wirkung ab, wie das Bonner Unternehmen am Montag mitteilte. Der Schritt war erwartet worden.

Schäfers hatte die Sanierung der hochverschuldeten IVG eingeleitet und in den vergangenen Monaten die Gespräche mit den Gläubigern – Hedgefonds und anderen Finanzinvestoren – geführt. Diese hatten sich vor der Pleite der IVG im großen Stil in die Schulden des Konzerns eingekauft und tauschen diese nun in Eigenkapital. Sobald sie endgültig das Ruder übernommen haben, dürften sie bei der IVG einen neuen Chef installieren. Die Gläubiger stimmen an diesem Donnerstag über den Insolvenzplan ab.

Die IVG hatte sich unter Schäfers' Vorgängern auf dem Chefsessel mit schuldenfinanzierten Immobilienprojekten wie dem Büro- und Geschäftskomplex „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen verhoben, die die Erwartungen nie erfüllten. Im Gegenteil: In der Finanzkrise verloren etliche Gebäude drastisch an Wert, herbe Abschreibungen und tiefrote Zahlen waren die Folge. Im vergangenen Jahr zogen die Gläubiger nicht mehr mit. Viele Banken verkauften ihre Kredite an Fonds, die den Konzern am Ende vor sich her trieben. Unter einer Schuldenlast von mehr als vier Milliarden Euro rutschte die IVG im Herbst schließlich in die Pleite.

Das sind Deutschlands Immobilienriesen

Platz 6: GAG

Die GAG Immobilien AG bewirtschaftet rund 42.000 Wohnungen. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der größte Vermieter in Köln. Die GAG verwalte damit 2,8 Millionen Quadratmeter Wohnfläche.

Platz 5: GSW

Die GSW Immobilien kommt auf 60.000 Wohnungen. Das Unternehmen ist börsennotiert und wurde im Jahr 1924 gegründet. Schwerpunkt der Arbeit ist Berlin, die GSW ist dort nach eigenen Angaben „ein führendes privates Wohnimmobilienunternehmen“.

Platz 4: TAG

Die TAG Immobilien AG kommt auf Platz vier der deutschen Wohnungsriesen. Das Unternehmen verwaltet 68.781 Wohnungen. Hauptstandorte sind nach eigenen Angaben die Großräume Hamburg und Berlin, die Region Salzgitter, Thüringen/Sachsen sowie Nordrhein-Westfalen. Sitz der TAG ist Hamburg.

Platz 3: Deutsche Wohnen

Die Deutsche Wohnen mit Sitz in Berlin bewirtschaftete im April 2013 insgesamt 82.500 Wohnungen. Aktuell gibt das börsennotierte Unternehmen die Zahl der Wohnimmobilien mit rund 89.500 an. Schwerpunkt ist der Großraum Berlin sowie das Rhein-Main-Gebiet, Rheinland, Hannover, Braunschweig, Magdeburg.

Platz 2: Gagfah

Die Gagfah Gruppe mit Sitz in Essen ist die Nummer zwei der Wohnimmobilien-Unternehmen in Deutschland. Im April bewirtschaftete das Unternehmen 145.000 eigene Mietwohnungen und 13.000 für Dritte verwaltete Wohnungen. Aktuell gibt das Unternehmen sogar 35.000 für Dritte verwaltete Wohnungen an.

Platz 1: Deutsche Annington

Die Deutsche Annington erregte mit dem Börsengang im Juli 2013 zuletzt großes Aufsehen. Das Bochumer Immobilienunternehmen bewirtschaftet 210.000 Wohnungen - davon 180.000 eigene. Die Deutsche Annington stieg im Jahr 2005 auf, als sie die Viterra AG mit 138.000 Wohnungen von Eon erwarb.

Der Investmentbanker Schäfers, der 2009 von Sal. Oppenheim zunächst als Finanzchef zur IVG kam, hätte Kritikern zufolge die Sanierung und den Schrumpfkurs des Konzerns schon Ende 2011 konsequenter einleiten können, als er den Posten des Vorstandssprechers übernahm. Stattdessen überraschte das Unternehmen von Quartal zu Quartal mit immer neuen Hiobsbotschaften. Die einst im Nebenwerteindex MDax notierte IVG-Aktie wurde zum Pennystock.

Schäfers selbst zeigte sich mit dem Erreichten zufrieden: „Es war mein persönliches Ziel, meine ganze Kraft für die Restrukturierung der IVG einzusetzen und die Voraussetzungen für eine Fortführung des Unternehmens mitzugestalten. Diese Weichenstellungen sind nun erfolgt“, schrieb er in einem Brief an Aufsichtsratschef Michael Keppel. Was Schäfers künftig macht, blieb zunächst offen. Vertraute erwarten, dass er als Professor an die Universität Regensburg zurückkehrt.

Schäfers' Aufgaben bei der IVG werden bis auf weiteres vom Restrukturierungsexperten Hans-Joachim Ziems übernommen, der seit einiger Zeit ebenfalls dem Vorstand angehört. Das Schicksal des Konzerns ist besiegelt, sofern die Gläubiger in dieser Woche zustimmen: Die IVG soll in drei Teile zerlegt werden – die Immobilien im eigenen Bestand, das Geschäft mit Immobilienfonds für institutionelle Anleger und die Gas-Kavernen an der Nordsee. Die Aktie wird im Sommer nach 28 Jahren von der Börse genommen, die bisherigen Aktionäre verlieren ihren Einsatz vollständig.

Von

rtr

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