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15.06.2014

17:31 Uhr

Insolvenzverfahren

Middelhoff lässt Haftbefehl kalt

Der Ex-Chef des Handelskonzerns Arcandor sieht einen drohenden Haftbefehl gegen ihn abgewendet. Seine Versicherung habe eine Haftungsgarantie gegenüber dem Arcandor-Insolvenzverwalter übernommen, so Thomas Middelhoff.

Manager Thomas Middelhoff während einer Gerichtsverhandlung in Essen. dpa

Manager Thomas Middelhoff während einer Gerichtsverhandlung in Essen.

Essen/DüsseldorfDer frühere Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, sieht einen gegen ihn beantragten Haftbefehl abgewendet. „Einen Haftbefehl gegen mich wird es nicht geben“, sagte der Manager der Zeitung „Bild am Sonntag“. Seine Manager-Versicherung habe am Freitagnachmittag die Haftungsgarantie für die vom Arcandor-Insolvenzverwalter geforderten 3,4 Millionen Euro übernommen. Dies habe der Insolvenzverwalter inzwischen akzeptiert. Middelhoff und seine Anwälte gingen davon aus, „dass er das Zwangsvollstreckungsverfahren nicht fortführt“.

Nach einem Bericht des „Spiegel“ vom Freitag hatte eine Gerichtsvollzieherin Haftbefehl gegen Middelhoff beantragt, um ihn im Zusammenhang mit Zahlungsforderungen des Insolvenzverwalters zur Offenlegung seiner Vermögensverhältnisse zu zwingen.

Die Rechsstreitigkeiten des Thomas M.

Charterflüge

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem 61-Jährigen Untreue in 49 Fällen vor. In dem Strafverfahren vor dem Essener Landgericht geht es vor allem um Charterflüge auf Firmenkosten, die von Arcandor bezahlt worden waren, obwohl sie laut Staatsanwaltschaft privaten Zwecken dienten. Middelhoff hatte öffentlich erklärt, er habe sich korrekt verhalten.

Sal. Oppenheim

Das Kölner Institut Sal. Oppenheim hatte das Ehepaar Middelhoff Ende 2013 auf knapp 78 Millionen Euro verklagt. Kredite seien nicht zurückgezahlt worden. Zuvor hatte Middelhoff seinerseits die Bank auf 101 Millionen Euro verklagt.

Arcandor I

Im September 2013 erklärte das Landgericht Essen, es halte einen Sonderbonus, den der Manager kurz vor seinem Arcandor-Ausscheiden erhielt, für nicht gerechtfertigt. Er soll rund 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen, hat aber Berufung angekündigt.

Arcandor II

Der 61-Jährige verlangt seinerseits von den Insolvenzverwaltern wegen angeblichen Rufmords Schadenersatz in Höhe von 120 Millionen Euro. Gegen einen entsprechenden Mahnbescheid haben die Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Hans-Gerd Jauch Widerspruch eingelegt. Sie hatten Middelhoff und andere Arcandor-Manager auf Schadenersatz von insgesamt 175 Millionen Euro verklagt, unter anderem wegen angeblicher Managementfehler. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamm könnte Jahre dauern.

Josef Esch

Mit seinem ehemaligen Vermögensverwalter Josef Esch liegt Middelhoff ebenfalls im Clinch. Im Streit um Unterhaltskosten für seine Luxusyacht einigten sich Middelhoff und Esch im Jahr 2012 außergerichtlich auf eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro, Frist 30. September 2013. Überwiesen hat Middelhoff bis heute nicht, Esch geht gerichtlich gegen Middelhoff vor. Middelhoff selbst will von seinem Ex-Vermögensverwalter 33 Millionen Euro, weil der ihn falsch beraten und sein Privatvermögen riskiert haben soll.

Auch Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller hatte gesagt, es sei eine Einigung zwischen den Streitparteien erzielt worden und ein Haftbefehl kein Thema mehr. Der Sprecher des Arcandor-Insolvenzverwalters widersprach allerdings am Samstag dieser Darstellung. Er erklärte, die Versicherung habe noch keine belastbare Zusage abgegeben. Die von Holtermüller zitierten Passagen stammten aus Entwürfen, wie eine Vereinbarung zwischen den Streitparteien aussehen könnte.

Das Essener Landgericht hatte Middelhoff im September vergangenen Jahres in einem Zivilverfahren verurteilt, rund 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zu zahlen. Es geht vor allem um Bonuszahlungen, die Middelhoff nach Auffassung der Richter zu Unrecht erhalten hat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da beide Seiten Revision eingelegt haben.

Der in Bielefeld erscheinenden „Neuen Westfälischen“ (Samstagausgabe) hatte Middelhoff gesagt, er erlebe „sehr stürmische Zeiten“. Doch alles werde sich am Ende noch zum Guten wenden.

Von

dpa

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