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03.07.2015

13:34 Uhr

Insolvenzverwalter Thorsten Fuest

Die Suche nach den Middelhoff-Millionen

VonKathrin Witsch

Im heute eröffneten Insolvenzverfahren soll das Vermögen von Thomas Mittelhoff liquidiert werden. Eine Mammutaufgabe für Verwalter Thorsten Fuest, der Millionen auftreiben muss – aber erst 600 Euro zusammen hat.

Der Anwalt ist Insolvenzverwalter für das Vermögen von Thomas Middelhoff. dpa

Thorsten Fuest

Der Anwalt ist Insolvenzverwalter für das Vermögen von Thomas Middelhoff.

BielefeldDass Thorsten Fuest sich mit seinem Team wochenlang durch Aktenberge gewühlt, Gläubiger getroffen und Pleitier Thomas Middelhoff befragt hat, sieht man ihm kaum an. Entspannt unterhält er sich kurz vor der Pressekonferenz mit seinem Kollegen Holger Theurich, eine Hand lässig in der Hosentasche. Nur die tiefen Augenringe lassen die Anstrengungen der letzten Wochen erahnen.

Die Einladung zur Pressekonferenz erhalten die Medienvertreter nur wenige Stunden im Voraus. Denn erst am Morgen wurde das Insolvenzverfahren auch offiziell von der zuständigen Richterin eröffnet. Aber dafür hat Fuest am Vormittag in Bielefeld auch einiges zu sagen.

Thomas Middelhoff: Insolvenz beantragt, Gläubiger im Visier   

Thomas Middelhoff

Insolvenz beantragt, Gläubiger im Visier  

Drei Monate nach der Pleite des einstigen Starmanagers Thomas Middelhoff hat der Insolvenzverwalter Thorsten Fuest beim Amtsgericht Bielefeld die Eröffnung des Verfahrens beantragt. Auch Gläubigern droht jetzt Ärger.

„Ich erwarte hier eine äußerst aufwendige Ermittlungsarbeit, da es einige strittige Vermögensverfügungen und Ansprüche aus der Vergangenheit gibt, die juristisch bewertet und gegebenenfalls gerichtlich geklärt werden müssten.“

In den kommenden drei Monaten wird der Insolvenzverwalter das bereits bekannte Vermögen des Pleitiers liquidieren und zu gleichen Teilen an die Gläubiger verteilen. Das viel umschriebene Haus des Ex-Arcandor-Chefs wird ebenfalls in die Insolvenzmasse übertragen. 2011 hatte Middelhoff seinen Wohnsitz in Bielefeld an eine Familien-Immobiliengesellschaft übertragen, um das Vermögen so vor seinen Gläubigern zu schützen.

Die besten Zitate von und über Thomas Middelhoff

Hintergrund

Als sich Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff 2014 vor dem Essener Landgericht wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten musste, fielen einige denkwürdige Sätze. Eine Auswahl.

Die Katze auf dem heißen Blechdach

„Ich bin wie die Katze übers Dach. Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße.“
(Middelhoff über seine filmreife Flucht vor Fotografen nach einem Termin bei einem Gerichtsvollzieher in Essen Ende Juli, bei dem er seine Vermögensverhältnisse hatte offenlegen müssen)

Apocalypse Now

„Das ist wie ein apokalyptischer Traum.“
(Middelhoff zu Pfändungsversuchen von Gläubigern am Rande seines Untreue-Prozesses vor dem Essener Landgericht)

Arbeit, Arbeit, Arbeit

„Er hat eigentlich immer gearbeitet, immer, immer.“
(Middelhoffs Gattin Cornelie Middelhoff als Zeugin vor Gericht zur Arbeitsbelastung ihres Mannes)

Das fliegende Büro

„Das war ein fliegendes Büro für ihn.“
(Ein früherer Mitarbeiter Middelhoffs als Zeuge vor Gericht zu den umstrittenen Charterflügen seines Ex-Chefs)

Stau

„Stau war das Schlimmste für ihn.“
(Der langjährige Fahrer des Managers als Zeuge vor Gericht)

Der Schaden des Thomas M.

„Mir und meiner unternehmerischen Tätigkeit ist großer Schaden zugefügt worden.“
(Middelhoff zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn, die er als „uferlos“ und „unverhältnismäßig“ empfindet)

Von Gott gegeben

„Ich habe mich nie als Controllerin meines Chefs gesehen.“
(Eine ehemalige Sekretärin des Managers, die sagte, sie habe Middelhoffs Entscheidungen als „gottgegeben“ hingenommen.)

Sein Haus in Saint-Tropez befindet sich aktuell noch nicht in der Insolvenzmasse, aber das war mal anders. Vor zwei Jahren noch war Middelhoff alleiniger Gesellschafter einer Kapitalgemeinschaft, die Inhaber des Grundstücks in Frankreich war. Genau solche Ungereimtheiten will Fuest im Laufe der weiteren Ermittlungen aufklären.

Kommentare (2)

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Herr M. Gandhi

03.07.2015, 14:30 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

03.07.2015, 17:37 Uhr

Verteilt wird noch gar nichts. Erst müssen die Prozesse durch die Kollegen im eigenen Hause durch die Instanzen geführt werden. Das kostet Geld - und dafür wird zuerst alles verwendet, was so hereinkommen mag. Weil Vergleiche in solchen Verfahren nicht in Frage kommen - es droht der Regreß - werden erst alle, wirklich alle und dann nochmals alle möglichen Fragen möglichst rechtsfest geklärt werden müssen. Das kann auch mal Jahrzehnte dauern - je nachdem, wieviel die Masse dafür noch hergibt.
Die Quote in solch Verfahren kann da schon mal ganz nahe Null liegen. Hauptsache, es reicht für die Kosten des Verfahrens.
Daher ist Konkursverwaltung auch ein in der Tat gigantisch gutes Geschäft; besser oft als das, welches abgewickelt werden soll.

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