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08.01.2007

23:00 Uhr

Intendant auf neuen Wegen

Der Met-Knacker

VonThomas Knüwer

Peter Gelbs Job ist wohlmöglich der derzeit härteste, den die Theaterszene zu bieten hat. In der weltbekannten New Yorker Metropolitan Opera kämpft er als Intendant gegen das mehr als angestaubte Image seines Hauses. Statt konservativer Aufführungen will er mit zeitgemäßen Inszenierungen locken.

Novize in Sachen Intendanz: Peter Gelb, Sohn des ehemaligen Chefredakteurs der New York Times. ap

Novize in Sachen Intendanz: Peter Gelb, Sohn des ehemaligen Chefredakteurs der New York Times.

NEW YORK. Wer das Büro von Peter Gelb betritt, könnte es für ein Stück intellektuellen Regietheaters halten, so symbolisch wirkt das Arrangement. Die Hauptperson, der Chef der Metropolitan Opera, erhebt sich zur Begrüßung von einem schlichten Designer-Schreibtisch. Hinter ihm die Vergangenheit: Drei der sechs Emmys, der TV-Preise, die Gelb als Produzent gewonnen hat.

Auf der anderen Seite des Raums die Zukunft: ein Flachbildschirm an der Wand, gestochen scharf soll er einmal Livebilder von der Bühne der Met liefern, von spektakulären Inszenierungen, die weltweit Maßstäbe setzen. Der Fernseher funktioniert bereits. Doch er zeigt die graue Realität am berühmtesten und größten Opernhaus Amerikas: Bühnenarbeiter werkeln an der Kulisse für „Rigoletto“.

Einige Stunden später werden viele Touristen und noch mehr ältere Einheimische in einem zu zwei Drittel gefüllten Saal Verdis Werk in einer musikalischen Klasse hören, die weltweit kaum zu übertreffen ist. Doch vor allem die wenigen jungen Zuschauer werden sich langweilen an einer Inszenierung, die so intellektuell herausfordernd und zeitgemäß ist wie die Fahrstuhlmusik des Kaufhauses „Macy’s“.

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Die Bilder auf dem Monitor in Gelbs Büro sind für ihn eine ständige Mahnung an die herkulische Aufgabe, der er sich verschrieben hat. Denn es sind Produktionen wie dieser Rigoletto, wegen der er seit dem 1. August 2006 der 16. General Manager in der 123-jährigen Geschichte der Met ist.

Das Haus ist in der größten Krise seines Bestehens – künstlerisch wie wirtschaftlich. 2005 lag die durchschnittliche Auslastung bei einem Rekordtief von unter 77 Prozent. Was deutsche Schauspielhäuser jubeln ließe, ist für das größte rein privat finanzierte Theater der Welt eine Katastrophe. Mercedes spendete 25 Millionen Dollar – sonst wäre der 230-Millionen-Etat der Spielzeit 2005/2006 überzogen worden. Und das, was auf der Bühne passiert? Vorhersehbar, stockkonservativ, langweilig.

Es muss sich etwas ändern. Etwas? Viel muss sich ändern. Und schnell. Gelb besitzt die derzeit härteste Aufgabe in der weltweiten Theaterlandschaft. Der neue Mann geht den Job mit einer Dynamik und einer solchen Flut von Ideen an, das am Ende nur zwei Szenarien möglich erscheinen: Entweder die Met wird zum weltweiten Vorbild für die Vermarktung von Theatern – oder Gelb wird geteert, gefedert und aus der Stadt gejagt.

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