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15.05.2014

08:58 Uhr

Interessenkonflikt

Bruder des GE-Chefs berät Alstom

Im Übernahmekampf um Alstom zwischen General Electric und Siemens können die Amerikaner einen überraschenden Trumpf ausspielen. Der Bruder des Konzernchefs berät die Franzosen bei Fusionen.

Der Bruder von GE-Chef Jeffrey Immelt berät Übernahmeziel Alstom. AFP

Der Bruder von GE-Chef Jeffrey Immelt berät Übernahmeziel Alstom.

ParisDie Energiesparte des französischen Alstom-Konzerns wird von General Electric und Siemens umworben. Doch die Amerikaner sind offenbar bereits ganz persönlich mit dem französischen Konzern verbunden. Denn wie die französische Zeitung „Le Canard Enchainé“ berichtet, berät Steve Immelt, der Bruder von GE-Konzernchef Jeff Immelt, die Franzosen bei Fusionen.

Als Mitglied und kommender CEO des International Management Committee der US-Anwaltskanzlei Hogan Lovells soll Steve Immelt seit Jahren Alstom bei Kooperationsfragen beratend zur Seite stehen. Die familiären Bunde von Käufer und Verkäufer könnten zu einem handfesten Interessenkonflikt führen - der teuer für Alstom werden kann.

Vor allem weil enttäuschte Alstom-Aktionäre versuchen könnten, nach vollzogener Übernahme der Energiesparte zu klagen, befürchten Marktbeobachter. Gerade im klagefreudigen Amerika könnten sie mit dem Argument der Vorzugsbehandlung vor den Gerichten punkten. Immerhin steht der Vorwurf im Raum, dass die Brüder bei den Verhandlungen nicht in erster Linie daran denken, was das Beste für die Aktionäre ist.

Die Übernahmeschlacht um Alstom

Harter Kampf

In nur wenigen Tagen hat sich um den französischen Industriekonzern Alstom ein Übernahmekampf zwischen den Rivalen Siemens und General Electric entwickelt. Beide Konzerne wollen sich das Energiegeschäft der Franzosen einverleiben. Die Entwicklung der Ereignisse.

Erste Gerüchte

Am 24. April wird durch einen Medienbericht bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Die Rede ist von einem Angebot von mehr als 13 Milliarden Dollar. Alstom weist den Bericht zurück.

Regierung reagiert

Die Übernahmegerüchte rufen die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf des Industriekonzerns in die USA mit allen Mitteln verhindern. Die Regierung arbeite an „anderen Lösungen und Szenarien“, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg der Zeitung „Le Monde“.

Siemens zeigt Interesse

Siemens greift in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert, erklärt das deutsche Unternehmen am 27. April. Es soll vorgeschlagen haben, Geschäfte im Schienenverkehr wie den Bau von ICE-Zügen an Alstom abzugeben, wenn Siemens im Gegenzug das Energie-Geschäft der Franzosen übernehmen könnte.

Der Präsident vermittelt

Frankreichs Staatspräsident François Hollande schaltet sich am 28. April in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE, Jeff Immelt und Joe Kaeser, über die Pläne. Siemens will schnell über eine mögliche Offerte für Alstom entscheiden.

Siemens bietet mit

Nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung kündigt Siemens am 29. April ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Medienberichten zufolge will der Alstom-Verwaltungsrat allerdings General Electric bevorzugt behandeln.

Vorentscheidung für GE

Der Verwaltungsrat von Alstom empfiehlt den Aktionären am 30. April eine bindende Offerte des US-Konkurrenten General Electric (GE). Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen. Damit sinken die Chancen für Siemens, bei den Franzosen zum Zuge zu kommen.

Das Dilemma der Immelt-Brüder ist nicht der erste Interessenkonflikt bei Alstom: In den USA und in Brasilien wird bereits wegen des Verdachts der Korruption gegen die Franzosen ermittelt. Bei Siemens führten ähnliche Vorwürfe zu empfindlichen Strafen.

Bisher nehmen weder Alstom noch die Anwaltskanzlei Immelts Stellung zu dem Zeitungsbericht.  

Von

th

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

15.05.2014, 10:09 Uhr

Also Sachen gibt es auf dieser Welt, tss tss...

Die Welt ist eben klein, nur ein paar Milliarden Leute und nur etwas mehr als 300 Mio Amerikaner. Da ist es klar, da trifft man sich halt immer wieder. Sieht man ja auch in der Ukraine mit dem Biden Sohn.

Account gelöscht!

15.05.2014, 14:16 Uhr

Korruption ist ein Stück Lebenswahrheit
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Es ist nun mal Realität, dass Korruption - man nennt es verniedlichend "Landschaftspflege" - normal ist in der Industrie.
Und wenn GE jetzt seinen Bruder als Cheflobbyisten zu Alstom schickt, ist das ein geschickter Schachzug im Übernahmekampf.

Bisher gab es "Geheimverhandlungen" zwischen GE und Alstom, von denen der Wirtschaftsminister nicht informiert wurde; er wurde sogar angelogen.
Aber dagegen geht jetzt die französische Regierung vor.

Künftig entscheidet Frankreichs Wirtschaftsminister, ob ein ausländischer Konzern einen französischen kaufen kann. Anlass ist der Übernahme-Poker um Alstom.
Quelle: FAZ
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/alstom-uebernahme-frankreich-erlaesst-blockaderegel-12940525.html

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