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17.10.2011

13:31 Uhr

Interview Dieter Heuskel

„Extreme Selbstkritik zahlt sich aus“

VonDieter Fockenbrock

Unternehmensberater Dieter Heuskel empfiehlt, dass Firmen nicht jedem Trend folgen sollten. Warum deutsche Unternehmen auch in der Krise so erfolgreich sind und wie die Lust am Streit Fehlgriffe verhindert.

Dieter Heuskel ist Partner der Boston Consulting Group. PR

Dieter Heuskel ist Partner der Boston Consulting Group.

Handelsblatt: Was machen deutsche Unternehmer besser als ihre Kollegen in Frankreich, Großbritannien oder den USA?

Dieter Heuskel: Die Frage dürfen Sie nicht auf Unternehmer begrenzen. Die agieren in einem gut bereiteten Umfeld. Wir profitieren außerordentlich von einem relativ schwachen Euro und der äußerst moderaten Lohnkostenentwicklung. Auch die breit angelegte Wirtschaftsstruktur vom Handwerker über den Mittelstand bis zu Großkonzernen garantiert Stabilität. So etwas finden Sie in keiner anderen Volkswirtschaft.

Handelsblatt: Und der Beitrag der Unternehmer?

Für deutsche Unternehmer stehen zum Glück immer noch Kundennutzen und Produkt im Vordergrund. Shareholder Value ist dann hoffentlich die Folge. Für diese Eigenart sind wir oft gescholten worden.

Sturheit zahlt sich also aus?

Ich glaube eher, dass eine andere deutsche Eigenart sich auszahlt: Wir sind extrem selbstkritisch.

Die Lust am Streit …

… die uns vor manchem Fehlgriff bewahrt. Andere Nationen sind eher leicht euphorisch. Bei uns ist nicht immer alles gleich Weltklasse. Gut, die Deutschen verpassen auf diese Weise so manchen Hype, aber sie werden am Ende auch seltener auf dem falschen Fuß erwischt.

Ihre Quintessenz?

Es kann von Vorteil sein, nicht jeden Trend mitzumachen.

Das sieht dann aber nicht sehr dynamisch aus.

Man sollte Hektik nicht mit Dynamik verwechseln. Radikale Konzernumbauten dürfen kein Selbstzweck sein oder nur der Kurspflege dienen. Die Frage muss lauten: Was bringt es für die Kunden? Welche Vorteile werden im Wettbewerb erzielt?

Radikale Konzernumbauten gab und gibt es auch bei uns.

Das stimmt. Hoechst etwa. Den Konzern gibt es nicht mehr. Grundsätzlich sollten sich Manager nicht bedrängen lassen von Menschen, die am Ende keine Verantwortung für das Ergebnis übernehmen.

Wenn Sie Firmen wie Facebook mit ihren gigantischen Wachstumsraten und Börsenbewertungen sehen: Haben Sie da nicht das Gefühl, dass Deutschland etwas verpasst?

Börsenwerte sind Momentaufnahmen und nicht allein Maßstab für Erfolg. Siemens und Volkswagen müssen sich nicht hinter Facebook und Groupon verstecken.

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