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26.02.2013

12:00 Uhr

Interview mit Psychiater

„Die Möglichkeiten der Prävention sind sehr beschränkt“

VonDana Heide

Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uni Leipzig, über den Unterschied zwischen Burnout und Depression und wie man mit psychischen Krankheiten umgehen sollte.

„Burn Out klingt einfach besser“: Ulrich Hegerl ist Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

„Burn Out klingt einfach besser“: Ulrich Hegerl ist Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Ulrich Hegerl ist Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Die Stiftung bemüht sich um Aufklärung über die Krankheit, bietet Beratungen für Unternehmen an und unterstützt Betroffene. Auf der Homepage der Organisation können sich Betroffene unter anderem auch in einem moderierten Forum mit anderen Erkrankten austauschen.

Laut den Statistiken der Krankenkassen sind immer mehr Menschen arbeitsunfähig, weil sie Depressionen haben. Woran liegt das?
Es gibt deutschlandweit in der Bevölkerung keine Zunahme an Fällen von Depressionen. Es gibt nur eine Zunahme in den Statistiken, etwa in denen von den Krankenkassen.

Es gibt also immer noch die gleiche Zahl an Menschen mit Depressionen wie früher, sie tauchen nur mehr in den Statistiken auf?
Ja. Und das ist eine positive Entwicklung, denn es zeigt, dass immer mehr Menschen mit ihrer Erkrankung auch zum Arzt gehen und die Erkrankung dann auf der anderen Seite auch richtig diagnostiziert wird. Diese Entwicklung zeigt auch die starke Abnahme von Suiziden. Während sich vor 30 Jahren noch 18.000 Menschen pro Jahr in Deutschland das Leben nahmen, sind es heute noch 10.000.

Am weitesten verbreitet bei den psychischen Erkrankungen ist die Depression. Kann ein Arbeitgeber etwas tun, damit seine Mitarbeiter nicht wegen dieser Krankheit ausfallen?
Die Möglichkeiten der Prävention sind da aus meiner Sicht sehr beschränkt und werden oft überschätzt. Eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen, schützt nicht vor Depression, wenn man die Veranlagung hat. Viel wichtiger ist, dass die Personalverantwortlichen wissen, wie sie mit betroffenen Mitarbeitern umgehen, damit sie schnell Hilfe bekommen und wieder einsatzbereit sind. Depression ist gut behandelbar.

Wie erkenne ich, dass ein Kollege depressiv ist?
Im gesunden Zustand sind die Menschen oft Leistungsträger, sie sind sehr verantwortungsbewusst, bis hin zur Aufopferung. Wenn sie in eine Depression rutschen, merkt man bei ihnen eine deutliche Veränderung.

Zum Beispiel?
Sie gehen etwa nicht mehr mit zum Mittagessen, verlieren an Gewicht, leiden unter Schlafmangel oder vernachlässigen ihre Hobbys. Bei vielen kommt es vor, dass sie in Gesprächen länger brauchen, um zu antworten.

Wie wirkt sich eine Depression auf die Arbeit aus?
Die Betroffenen grübeln, alles geht langsamer, im Kundenkontakt kommt keine Freude mehr rüber, sondern nur noch Bedrücktheit.

Wie kann der Arbeitgeber dann auf den Mitarbeiter zugehen? Der Personalverantwortliche kann doch nicht einfach sagen „Sag mal, geht es Ihnen nicht gut?“?
Doch. Sie sprechen jemanden mit einer Erkältung doch auch an, ob es ihm nicht gut geht. Eine Depression ist eine Krankheit wie jede andere auch. Der Personalverantwortliche sollte den Mitarbeiter in einen ruhigen, privaten Raum bitten und ihm seine persönlichen Eindrücke schildern. Er sollte ihm vermitteln, falls es eine Depression ist, dass er daran keine Schuld trägt und ihm zeigen, wo er sich behandeln lassen kann. Trotz Krankheit zur Arbeit zu gehen, verursacht oft mehr Kosten für das Unternehmen als Fehlzeiten.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe, der Sie vorstehen, bietet in diesem Bereich auch Schulungen für Unternehmen an. Hat sich das Interesse bei den Unternehmen dafür erhöht?
Ja. Die Unternehmen sehen, wie viele Menschen wegen Depressionen arbeitsunfähig sind und reagieren deshalb.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

26.02.2013, 12:27 Uhr

Sehr gutes Interview. Wenn die Zahlen über die Abnahme der Selbstmorde von 18000 auf 10000 stimmen, wäre das sehr beeindruckend.

SusaV

09.03.2013, 15:13 Uhr

Die psychologische Literatur geht davon aus, dass jeder Betroffene in den ersten Phasen selbst etwas tun kann, um aus der Depression heraus zu kommen. Und auch später liegt es mit an der Aktivität des Depressiven, wieder Sinn am Leben zu finden, indem er endlich seine Bedürfnisse, und nicht die der anderen Menschen, befriedigt. Seid also immer schön aktiv auf der Suche: Frage Dich, was kannst Du tun, damit es Dir noch schlechter geht - und Du hast die Antwort, was Du tun kannst, damit es Dir besser geht.

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