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24.11.2014

10:10 Uhr

Interview zum Titelwahn

„Der Doktor ist nichts anderes als ein Gesellenbrief“

VonChristof Kerkmann

Wer ein Dr. vor seinen Namen setzen darf, genießt hohes Ansehen. Oft zu Unrecht, findet Autor Bernd Kramer: Im Alltag sage der Titel wenig aus, so mancher Doktorand betrüge gar. Er fordert daher, den Titel abzuschaffen.

Der Doktortitel: Nicht mehr als eine akademische Leistung? dpa

Der Doktortitel: Nicht mehr als eine akademische Leistung?

DüsseldorfZwei Buchstaben können einen großen Unterschied machen: Der Doktortitel beschleunigt die Karriere und erhebt den Träger in den akademischen Adel. Doch die mühsame Arbeit wollen sich viele  ersparen – und beauftragen einen Ghostwriter oder kopieren ihren Text zusammen wie einst Karl-Theodor zu Guttenberg. Ohnehin sage das „Dr.“ vor dem Namen wenig aus, meint Bernd Kramer, Autor des Buchs „Der schnellste Weg zum Doktortitel“ – und fordert seine Abschaffung.

Herr Kramer, was kostet ein Doktortitel denn so?
Im Idealfall Blut, Schweiß und Tränen. Aber wer die Arbeit nicht selbst schreiben will, zahlt für einen Ghostwriter 10.000 bis 15.000 Euro, je nachdem, wie viele Seiten es sein sollen und ob es einen empirischen Teil gibt. Das ist vielleicht die teuerste Möglichkeit, sich den Titel zu erschleichen, aber dafür sichern viele Agenturen zu, eine plagiatsfreie Arbeit abzuliefern – schön in einzelnen Kapiteln, damit man damit zum Doktorvater gehen kann.

Warum ist der Titel so begehrt?
In bestimmten Berufsfeldern bekommt man mit Titel ein deutlich höheres Einkommen, etwa in Anwaltskanzleien. Es geht aber um mehr als das Finanzielle: Man zeigt, dass man zu einer Elite gehört, zum akademischen Adel. Der Doktor steht für eine große, lange Tradition. Viele Anwälte, mit denen ich gesprochen habe, sagen beispielsweise, dass sie den Titel für ein Schauspiel halten, erliegen aber trotzdem seinem Zauber.

Wer seine Arbeit ehrlich schreibt, leistet aber durchaus etwas.
Natürlich, aber im Prinzip ist der Doktor nichts anderes als eine Hochschulprüfung oder ein Gesellenbrief. Der einzige Unterschied: Man kann ihn sehr weiträumig im Alltag nutzen. In anderen Berufen leistet man ja auch etwas, ohne dass man sich das aufs Klingelschild schreibt.

Wie viele Doktoranden betrügen?
Es gibt keine seriösen Zahlen dazu, eine Schätzung geht davon aus, dass bei ein bis zwei Prozent der Doktorarbeiten betrügerisch vorgegangen wird. Das klingt wenig, aber bei den 25.000 Arbeiten, die hier im Jahr abgegeben werden, betrifft das schon einige Hundert.

Kommentare (30)

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Herr Klaus - Peter Schrön

24.11.2014, 10:29 Uhr

Eine Doktorarbeit ist das hier auch nicht. Vielleicht gelingt der Verkauf trotzdem.

Herr Alexander Knoll

24.11.2014, 10:34 Uhr

Eine Promotion ist mit Sicherheit kein Gesellenbrief. Einer Doktorarbeit gehen viele Jahre Studium und eigener wissenschaftlicher Arbeit voraus. Vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich. Derjenige, die das hinter sich gebracht haben wissen sehr genau wie viel Schweiß und schlaflose Nächte das kostet.

Und nur weil es zwei Prozent Betrüger gibt, sollte nicht der Titel abgeschafft werden. Was allerdings abgeschafft werden sollte ist dessen Eintragung in Dokumenten, die mit der Wissenschaft nichts zu tun haben, z.B. im Personalausweis. Da hat er wahrlich nichts zu suchen.

Herr Jan Willert

24.11.2014, 10:37 Uhr

Der Dr. ist ein akademischer Grad und kein Titel. Titel vergibt nur der Bundespräsident. Auch wenn der Volksmund das beharrlich falsch benennt. Sollte man aber eigentlich wissen, wenn man darüber schreibt. Schieflach.

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