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07.05.2013

12:26 Uhr

Interview zur Bayern-Aufsichtsratssitzung

„Es war eine feige Entscheidung der Sponsoren“

VonThorsten Giersch

Die Entscheidung des Bayern-Aufsichtsrats, Uli Hoeneß das Vertrauen zu schenken, stößt bei Manuel René Theisen auf heftige Kritik. Der Professor ist Experte für Regeln guter Unternehmensführung. Diese sieht er verletzt.

Manuel René Theisen ist derzeit beurlaubter Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und anerkannter Experte für Regeln guter Unternehmensführung. Pressefoto

Manuel René Theisen ist derzeit beurlaubter Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und anerkannter Experte für Regeln guter Unternehmensführung.

DüsseldorfDer Aufsichtsrat der FC Bayern München AG hat am Montag entschieden, dass der Vorsitzende Uli Hoeneß nicht das Amt ruhen lassen oder niederlegen soll. Hoeneß hat sich wegen Steuerhinterziehung selbst angezeigt und mehrere Millionen Euro Steuern nachgezahlt. Das Ermittlungsverfahren läuft weiter.

Herr Theisen, wie bewerten Sie die Entscheidung des Bayern-Aufsichtsrats aus Sicht der Corporate Governance, also der Regeln guter Unternehmensführung?

Die Entscheidung ist nicht nachzuvollziehen. Erklärbar wird sie nur, wenn man annimmt, dass sich die FC Bayern AG selbst einen Sonderstatus zubilligt: Dass sie eben nur ein Fußballclub im Kleid einer Aktiengesellschaft ist. Doch für einen Fußballverein, der als AG organisiert ist, gibt es keinen anderen Maßstab im Hinblick auf gute Corporate Governance. Alles andere hätte mit dem Aktienrecht nichts mehr zu tun.

Also wäre der FC Bayern ein Dax-Konzern, hätte Hoeneß nicht Aufsichtsratschef bleiben könnte?

Keine „richtige“ AG könnte sich so verhalten. Wer zugibt, dass er Steuern hinterzogen hat, kann keinen Aufsichtsrat führen. Das ist unvorstellbar. Es geht ja nicht um seine Verdienste. Es geht darum, dass eine AG ordentlich geführt und überwacht werden muss, wie es das Gesetz verlangt.

Wie bewerten Sie das Verhalten von Top-Vorständen wie Herbert Hainer (Adidas), Martin Winterkorn (VW), Rupert Stadler (Audi) oder Timotheus Höttges (Deutsche Telekom), die im Aufsichtsrat sitzen und die Entscheidung herbeiführten?

Es war eine feige Entscheidung der Sponsoren, weil sie vermutlich Angst um ihr investiertes Geld haben. Solange die gefühlte Mehrheit auf der Seite von Uli Hoeneß steht, trauen sie sich nicht, ihn abzusetzen. Dabei ist es ihr Job, Schaden von der FC Bayern AG abzuwenden und eine ordentliche Führung sicherzustellen.

Kommentare (57)

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spacewalker

07.05.2013, 13:20 Uhr

Ein wesentlicher Aspekt wurde bisher garnicht oder kaum erwähnt, nämlich, daß der Verein Bayern München seine glühendsten Anhänger unter den Kindern und Jugendlichen findet. Und diese machen nun wirklich keinen Unterschied zwischen Höneß und dem Verein. Welch fatales Signal! Sich über die Jugend von heute aufzuregen, dürfte damit, zu recht, wieder etwas unglaubwürdiger werden. Schlechte Beispiele verderben gute Sitten. Die Verantwortlichen haben der Gesellschaft einen üblen Dienst erwiesen, als sie Höneß in Amt un Würden ließen.

dammbaumeister

07.05.2013, 13:22 Uhr

Warum muss Uli Hoeness zurücktreten? Wenn er privat seine Einnahmen nicht im Griff hat, bedeutet es dann er kann auch für den FC Bayern keine guten Geschäfte machen?

Warum tritt Herr zu Guttenberg zurück? Hat er als Minister keine gute Arbeit gemacht?

Wir sollten die Menschen differnzierter betrachten.

Die Gesellschaft soll hier keinem Ideal hinterher rennen, welches sie selbst nicht bereit ist in aller Konsequenz zu leben.

Account gelöscht!

07.05.2013, 13:25 Uhr

Die Aussagen des Herrn sind aus meiner Sicht typisch für den neuen Trend, private und berufliche Themen völlig unreflektiert, moralinsauer und öffentlich zu vermantschen.

Wer sagt denn, dass Hoeneß nicht der Beste in seinem Job ist? Ist es legitim, dass jemand, der sich strafrechtlichen Konsequenzen für sein privates Handeln stellen muss auch zwingend seinen Job (in desem Fall sicherlich auch seine Berufung) verlieren muss?

Manch einer mag da applaudieren. Ich empfinde dieses öffentliche Vermischen aller möglichen Themen polulistisch, billig, undifferenziert und nicht meinem rechtsstaatlichen Verständnis entsprechend.

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