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02.01.2005

08:47 Uhr

Intesa-Chef Passera läuft Unicredito-Boss Profumo den Rang ab

Corrado Passera: Italiens neuer Finanzdarling

VonMarcello Berni (Handelsblatt)

Der Mann will ganz nach oben. Das Beste daran: Er ist dort fast schon angekommen. Die Rede ist von Corrado Passera. Seit knapp drei Jahren führt er Italiens größtes Kreditinstitut, Banca Intesa.

HB ROM. Und bald, so sagen Analysten und Branchenkenner, wird er nicht nur bezüglich der Masse, sondern auch in Sachen Klasse seinen großen Rivalen Alessandro Profumo vom Thron gestoßen haben. Denn während Profumos langjähriger Ertragschampion, die Unicredito-Gruppe, seit rund zwei Jahren laviert und stagniert, hat Banca Intesa eine der beeindruckendsten Restrukturierungsgeschichten in der europäischen Finanzbranche hingelegt.

Ergebnis: Im dritten Quartal hat Passera mit 465 Millionen Euro erstmals über einen höheren Nettogewinn berichtet als Profumo, dessen Konzern im selben Zeitraum 455 Millionen Euro erzielt hat. Auch auf operativer Ebene liegen die beiden Rivalen nun fast gleichauf: 1,0 Milliarden Euro Intesa, 1,03 Milliarden Unicredito. Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn man die Effizienzkriterien betrachtet: Der lange Jahre bewunderte Profumo konnte die einst rekordverdächtige Kostenquote von 50 Prozent der Erträge zuletzt nicht mehr halten. Sie liegt nun bei 57 Prozent. Passera hat dagegen durch eisernes Sparen und Einnahmezuwächse die früher als „deutsch“ verlachte Kostenquote von satten 70 Prozent auf 59 Prozent gedrückt.

Kurz: Intesa macht Unicredito die angestammte Führungsrolle streitig. Die Spannung zwischen den beiden Instituten und den beiden Männern ist fast schon physisch zu spüren, wenn man vom Hauptquartier der Intesa, das im Neo-Renaissance-Palast „Ca dei Sass“ untergebracht ist, über die Piazza alla Scala zum klassizistischen Prachtbau des Unicredito schreitet.

Was ist Passeras Erfolgsrezept? Erstens hat der frühere Sanierer der italienischen Post vereint, was nicht zusammengehörte. Denn Banca Intesa, die in den Vorjahren entstanden war aus der Fusion von drei Instituten – Banco Ambrosiano, der Sparkasse Cariplo und der früher staatlichen Banca Comerciale Italiana –, war ein Sammelsurium ohne eigene Identität. Die Banken der Gruppe arbeiteten alle noch unter eigener Marke und mit eigenen Methoden. „Alle fühlten sich als Verlierer“, erinnert sich Passera an die Stimmung bei seiner Ankunft im Frühling 2002. Damals war Intesa ein Sanierungsfall. „Es galt, das Ganze zu einer Einheit zu verschweißen, also haben wir dem Kind erst einmal einen Namen gegeben: Banca Intesa.“

Zweitens hat der ehemalige McKinsey-Mann drastisch vereinfacht, was immens komplex war. Das beinhaltete die Schaffung klarer Führungsstrukturen mit einer Mannschaft von 20 Top-Managern, die Konstruktion einer gemeinsamen EDV-Plattform, die Vereinheitlichung der Produkte. Überlappungen in den diversen Instituten der Gruppe wurden eliminiert. „Allein hierdurch ist die Effizienz immens gestiegen.“ Drittens hat der 49-jährige Passera, der an den Ufern des Comer Sees geboren wurde, Kreditrisiken reduziert, die seine Vorgänger Christian Merle und Lino Benassi unverhältnismäßig angehäuft hatten. Die schmerzlichen Stichwörter lauten Enron, Worldcom, Swissair. Also sind die Großausleihungen an international tätige Konzerne um zwei Drittel verringert worden. Außerdem hat Passera, der Vater zweier Kinder ist, die Länderrisiken reduziert, indem er alle Tochterinstitute in Südamerika mittlerweile verkauft hat.

Viertens schließlich hat der smarte Manager gespart – und gleichzeitig expandiert. Denn dem Abbau von rund 7 000 Arbeitsplätzen, was 15 Prozent der Belegschaft entspricht, steht eine immense Weiterbildungsoffensive gegenüber. Ähnlich wie bei der Post scheint Passera bei der Intesa als jener Vorstandschef in die Geschichte eingehen zu wollen, der die größten Investitionen in das Humankapital getätigt hat. Ein Feuerwerk neuer Produkte und Dienstleitungen rundet das Bild ab, das Passera als derzeit innovativsten Bankchef Italiens zeigt. Angesichts dieser Performance muss sich Unicredito-Chef Profumo bemühen, den Anschluss nicht zu verlieren. Er hat in den letzten Jahren alle Energie darauf verwendet, durch die Dreiteilung seines Hauses in ein Institut für Privatleute, eines für Firmenkunden und eines für besonders Vermögende Effizienzgewinne zu erzielen – bislang aber ohne den erhofften Erfolg. Vielleicht wird er 2005 versuchen, durch Fusionen oder Akquisitionen den großen Befreiungsschlag zu landen.

Lesen Sie Ausblicke auf das Jahr 2005 in der großen Handelsblatt.com-Jahreschronik: >>> weiter...

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