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20.01.2005

09:30 Uhr

Investor wechselt Vorstandschef aus

Zühlsdorff ersetzt Repnik beim DSD

VonJ. Koenen (C. Schlautmann; Handelsblatt)

Hans-Peter Repnik, 57, der erst vor zwei Jahren den Frankfurter Ex-Oberbürgermeister Wolfram Brück auf dem Chefsessel des Grüne-Punkt-Unternehmens ablöste, muss nun einem ehemaligen DSD-Aufsichtsrat Platz machen: Peter Zühlsdorff, 64, war von 1993 bis 1996 Kontrolleur des DSD.

DÜSSELDORF. Der Aufsichtsrat der Duales System Deutschland AG werde ihn am kommenden Montag zum Vorstandsvorsitzenden der Gesellschaft berufen, hieß es gestern in Presseerklärungen von KKR und DSD. Zühlsdorff, der zuletzt in der Handelsvereinigung für Marktwirtschaft (HfM) eine tragende Rolle bei der – gescheiterten – Einführung eines einheitlichen Einwegpfandsystems spielte, ist in der Konsumgüterbranche ein alter Hase. Einst lenkte er den Kosmetikkonzern Wella, bevor er 1996 zum Handelskonzern Tengelmann wechselte

Die bevorstehende Ablösung von Repnik hatte das Handelsblatt bereits am 10. Dezember angekündigt. Laut Insidern kreidet KKR dem 57-Jährigen an, bei seinen Sparbemühungen einen Schritt zu weit gegangen zu sein.

Um Entsorgungskosten zu senken, hatte der Umweltexperte mehrere Pilotprojekte gestartet, in denen testweise Verpackungs- und Restmüll in nur einer Tonne gesammelt werden sollten. Ein erfolgreicher Probelauf auf einer Sortieranlage von RWE führte dazu, dass sich Ende 2004 Abgeordnete von FDP und Grünen im Bundestag für die Abschaffung der gelben Tonne aussprachen. Sollte es zu einer solchen Entscheidung kommen, wäre das Geschäftsmodell des DSD erheblich gefährdet – und damit die Investition von KKR in den Grünen Punkt.

Offiziell hatte KKR bis zuletzt beteuert, wegen Repniks exzellenten Verbindungen zur Politik wolle man weiter an dem CDU-Bundestagsabgeordneten festhalten. In Kreisen des Unternehmens heißt es nun aber, die Doppelbelastung als CDU- Vertreter des Wahlkreises Bodensee und gleichzeitig als Spitzenmanager eines kapitalmarktorientierten Dualen Systems sei zu hoch. Zudem war der Schäuble-Vertraute in die allgemeine Kritik geraten, weil er wie viele andere Abgeordnete als Mandatsträger in einem Zweitberuf hohe Einkünfte erzielte.

Dem gebürtigen Konstanzer, dessen Eltern aus Slowenien stammen, verdankt das Duale System Deutschland das Überleben. Mit Geschick und Fingerspitzengefühl erfüllte er seit seinem Amtsantritt sämtliche Auflagen des Bundeskartellamtes, das dem DSD offen mit einem Verbot gedroht hatte. Repnik trennte sich von den stillen Gesellschaftern aus der Abfallwirtschaft, schrieb anschließend Entsorgungsaufträge aus und senkte so die Gebühren für den Grünen Punkt. Am Ende leitete er sogar den Verkauf an KKR ein.

Auf Zühlsdorff wartet nun eine schwere Aufgabe. Der gebürtige Berliner muss nicht nur die ehemalige Monopolgesellschaft auf einen liberalisierten Markt ausrichten. Er muss auch eine Non-Profit-Organisation in ein gewinnorientiertes Unternehmen umbauen, das in einigen Jahren reif für die Börse sein soll: Denn KKR will das DSD zügig auf das Parkett bringen.

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