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19.01.2010

18:26 Uhr

Irene Rosenfeld

Eine Psychologin zeigt Nervenstärke

VonAstrid Dörner, Christine Weißenborn

Forsch, rigoros und effizient sind die Eigenschaften, mit denen Kraft-Chefin Irene Rosenfeld häufig beschrieben wird. Trotz des feindlichen Klimas bei Cadbury und den Warnungen ihres größten Investors, Warren Buffett, hat sich Rosenfeld durchgesetzt. Die drahtige Managerin mit dem bubenhaften Kurzhaarschnitt übernimmt den britischen Schokoladenhersteller Cadbury.

Reuters

NEW YORK/DÜSSELDORF. Forsch, rigoros und effizient sind die Eigenschaften, mit denen Kraft-Chefin Irene Rosenfeld häufig beschrieben wird. So hat sie auch Cadburys Verwaltungsratschef Roger Carr kennengelernt, als er die 56-Jährige im August in seinem Büro empfing. Rosenfeld habe ohne große Umwege ihren Vorschlag unterbreitet und eine schnelle Antwort verlangt, erzählte er dem "Wall Street Journal". Carr teilte ihr mit, er halte das Übernahmeangebot für unangemessen und müsse sich mit den anderen Mitgliedern seines Gremiums beraten. Das Treffen dauerte 20 Minuten. Seitdem hätten die beiden nur noch schriftlich kommuniziert.

Trotz des feindlichen Klimas bei Cadbury und den Warnungen ihres größten Investors, Warren Buffett, hat sich Rosenfeld durchgesetzt. Die drahtige Managerin mit dem bubenhaften Kurzhaarschnitt übernimmt den britischen Schokoladenhersteller. Wenn die Cadbury-Aktionäre zustimmen, wird ihr Konzern zur weltweiten Nummer eins bei Süßwaren.

Führungsstärke hat die promovierte Marketingexpertin mit Psychologie-Bachelor bereits seit Jahren bewiesen. Ende der 1990er-Jahre räumte sie Krafts problembeladenes Geschäft in Kanada auf und bewies ihren skeptischen Mitarbeitern, dass eine Amerikanerin sehr wohl weiß, was kanadische Verbraucher wollen. An die Spitze des Lebensmittelkonzerns schaffte es die Mutter zweier erwachsener Töchter jedoch erst im zweiten Anlauf: 2003 verließ sie Kraft nach 22 Jahren - als die Marktanteile und Margen des erfolgsverwöhnten Unternehmens zu schrumpfen begannen, die Marken zusehends verstaubten und die Stimmung in der Belegschaft sank. Sie übernahm die Führung des Snackherstellers Frito-Lay und packte die Dinge deutlich aggressiver an als viele ihrer Vorgänger. Nach drei erfolgreichen Jahren holte Kraft sie zurück und machte sie zur Vorstandschefin. Das US-Magazin "Forbes" zählte sie im vergangenen Jahr zu den zehn mächtigsten Frauen der Welt - neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, Michelle Obama und Pepsi-Chefin Indra Nooyi.

Rosenfeld, die privat am liebsten die gelb-cremige Kalorienbombe "Macaroni and Cheese" aus dem Hause Kraft verspeist, hat ihre eigenen Favoriten bei Cadbury bereits ausgemacht. Dem Magazin "Business Week" sagte sie: "Ich bin ein großer, großer Verzehrer von Trident Kaugummi und liebe zur üblichen Saison diese Cadbury-Eier."

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