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13.01.2009

14:20 Uhr

IT-Dienstleister

Indien will Satyam mit Geld stützen

VonHelmut Hauschild und Jens Koenen

Der Skandal um den IT-Dienstleister erschüttert die gesamte indische Wirtschaft und stellt deren Bilanzierungs- und Kontrollsystem in Frage. Nach dem Bilanzskandal soll schnell eine neue Managementspitze her, die wieder Vertrauen schafft. Doch Branchenkenner sind skeptisch.

Unterstützer beten für Firmengründer Ramalinga Raju, der Satyam durch Bilanzfälschung in eine tiefe Krise stürzte. Foto: Reuters Reuters

Unterstützer beten für Firmengründer Ramalinga Raju, der Satyam durch Bilanzfälschung in eine tiefe Krise stürzte. Foto: Reuters

NEU-DELHI/FRANKFURT. Die indische Regierung will den von einem Bilanzskandal erschütterten IT-Dienstleister Satyam falls notwendig finanziell stützen. "Die Regierung ist für jede Anregung des Verwaltungsrats von Satyam offen, auch für eine finanzielle Hilfe", sagte Handelsminister Kamal Nath gestern in Neu-Delhi.

Satyam, das viertgrößte IT-Unternehmen des Landes, ist in einen der größten Bilanzskandale der indischen Geschichte verwickelt. Firmenchef Ramalinga Raju hatte in der vergangenen Woche eingeräumt, die Bilanz manipuliert zu haben. So sollen rund eine Milliarde Euro, die in der Bilanz als Cash ausgewiesen wurden, gar nicht existieren. Raju und sein Bruder Rama wurden mittlerweile verhaftet.

Der Skandal erschüttert die gesamte indische Wirtschaft und stellt deren Bilanzierungs- und Kontrollsystem in Frage. Vor allem die Informationstechnik-Industrie, eine der Vorzeigebranchen des aufstrebenden Landes, droht in Verruf zu geraten. Das fürchtet offenbar auch die Regierung, was die massive Intervention des Staates erklärt.

Gestern musste der Satyam-Rivale Wipro einräumen, dass die Weltbank das Unternehmen seit Juni 2007 von Aufträgen ausgeschlossen hat. Anlass ist der Verdacht, Wipro habe Weltbank-Mitarbeitern finanzielle Vorteile verschafft, um an Aufträge zu gelangen. Dass Wipro dies erst jetzt einräumt, wirft ein weiteres schlechtes Licht auf die Transparenz von Indiens IT-Dienstleistern.

Bereits am Wochenende hatte die Regierung hart durchgegriffen: Der Verwaltungsrat von Satyam wurde abgesetzt und neue Mitglieder berufen, darunter Finanzexperten wie den früheren Chef der indischen Börsenaufsicht. Das neue Kontrollgremium will nun als erstes einen neuen Vorstands- und Finanzchef finden. Dieser müsse dann schnellstmöglich das Vertrauen der Kunden und der Mitarbeiter wiederherstellen, sagte Verwaltungsratsmitglied Deepak Parekh gestern in Hyderabad.

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