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26.02.2014

07:45 Uhr

IT-Sicherheitsindustrie

„Zerschlagt die NSA“

VonAxel Postinett

Schöne Träume oder letzte Chance? Eine Entmachtung der NSA und die weltweite Ächtung von Cyberwaffen so wie Chemiewaffen sind zwei Forderungen auf der Sicherheitskonferenz RSA.

Die Proteste gegen die Überwachung durch die NSA nehmen zu. Reuters

Die Proteste gegen die Überwachung durch die NSA nehmen zu.

San FranciscoKann man denen überhaupt noch trauen? Im Jahr eins nach NSA übt sich die amerikanische Internetindustrie in Schadensbegrenzung. Die US-Superspitzelbehörde müsse aufgespalten werden, lautet eine Forderung auf der RSA-Konferenz in San Francisco, und Cyberwar gehört verboten so wie Atom- oder Chemiewaffen.

Scott Charney redet sich in Rage: „Wenn wie Hintertüren in unser Programm einbauen, geht unsere Marktkapitalisierung von 260 Milliarden Dollar auf Null – über Nacht“, beschwört der bei Microsoft für die Trustworthy Computing Group zuständige Manager seine Zuhörer in San Francisco. „Das kann ich nicht mal verkaufen! Das ist Schwachsinn! Wirtschaftlicher Selbstmord!“

Aber irgendwie fehlt der Glaube. Seit Montag Abend findet in San Francisco mit der RSA Conference die größte jährliche Konferenz für IT- und Internetsicherheit mit rund 25.000 Teilnehmern statt. Ein Klima aus Verärgerung, Wut und Misstrauen wabert unsichtbar und doch allgegenwärtig durch die Gänge des Moscone Veranstaltungscenters, und der Feind hat seinen Stand mit der Nummer 1815 in der Südhalle. Unter dem Schriftzug „National Security Agency“ grüßt der Slogan „Defending our Nation. Securing the Future.“.

Die Gespräche auf den Gängen und auf den Partys am Abend dominieren nicht etwa Fragen um Cloud-Computing oder mobiles Internet. Alles dreht sich um die NSA-Affäre und den Schaden, den die überbordenden staatlichen Spionageaktivitäten der National Security Agency im Ausland für den Ruf der Branche angerichtet haben. Im Brennpunkt auch der Gastgeber, RSA Security.

Hunderte Millionen Anwender vertrauen jeden Tag auf das Tochterunternehmen des IT-Riesen EMC, wenn es um die Absicherung der Zugänge zu sensiblen Daten und Unternehmensnetzen geht. Doch seit Ende 2013 Gerüchte aufkamen, RSA habe für die Gegenleistung von zehn Millionen Dollar einen unzuverlässigen Zufallszahlengenerator der NSA zu seinem Standardprodukt gemacht und somit der Agentur eine Hintertür geöffnet, ist die Welt nicht mehr dieselbe.

RSA bestreitet kategorisch, gegen eine Geldleistung eine Hintertür eingebaut zu haben. Aber eines ist auch klar: Wenn dem so wäre, hätte die NSA die Macht und die Mittel jeden seiner Vertragspartner daran zu hindern, über NSA-Angelegenheiten zu sprechen.

Der fragliche Zufallszahlengenerator wird so längst nicht mehr eingesetzt, doch die Nachwehen sind spürbar: Mehrere hochrangige Redner, darunter zwei von Google, hatten nach den Veröffentlichungen ihre Teilnahme an der RSA-Konferenz abgesagt. Stattdessen werden sie am Donnerstag auf einer spontan eingesetzten Gegenveranstaltung, der Trustycon, in San Francisco auftreten. Organisiert wird der schon ausverkaufte Event unter anderem von der Electronic Frontier Foundation.

Kommentare (2)

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Andreas_Brandt

26.02.2014, 10:41 Uhr

"Die NSA sei dermaßen gut im Datensammeln, dass sie aus dem Stand einen Polizeistaat erschaffen könnte,..." Da stellt sich die Frage, woher die die Daten haben... doch wohl von jedem Internetnutzer. Also ist jeder selbst verantwortlich dafür, wie er Technologie nutzt. Jüngst hatte ich eine Diskussion über genau dieses Thema mit einem Kollegen, in dem ich die Ansicht vertrat, dass das was da passiert, unsere Freiheit gefährdet... Entgegnung meines Gesprächspartners: "Ja, aber die ´usability` ist phänomenal" - Noch Fragen? Wer bereit ist, Freiheit gegen Bequemlichkeit einzutauschen, hat jedweden Pfad der Weisheit und Tugend verlassen. Also: Öfter mal (wie früher) in Geschäften statt Online einkaufen - und da dann Bar bezahlen und die Kundenkarte einfach mal nicht wollen... Das Mobiltelefon zum Telefonieren nutzen und nicht zum bezahlen... Das würde es den Spähern erheblich erschweren, unsere Freiheit zu untergraben. Und sollte mich jemand für Ewig-Gestrig halten: Wenn individuelle Freiheit und die Würde der Person (die durch die Schnüffelei massiv kompromittiert wird) Modelle und Ideale von Gestern sind, dann bin ich gerne von Gestern.

Account gelöscht!

04.03.2014, 09:07 Uhr

Wir haben ein Problem, das nicht mehr mit Regeln und Verzicht zu lösen ist. Es liegt viel tiefer. Wir haben einen falschen Glauben. Alles was unsere Omas gesagt hatten tun wir ab, als rückschrittlich. Dass dieses Prinzip, das ich meine aber machbar ist, erlebe ich jeden Tag in einem andern Land, am andern Ende der Welt, in einem Matriarchat. China, Lugu Lake Mosu, seit Jahrhunderten sind die Frauen Fischer, Männer zeugen, aber leben immer bei Mutter und Geschwistern drehen tagelang Gebetstrommeln, haben nichts zu sagen. Das Matriarchat!!! Bei uns denken sogar Frauen wie Männer und fehlen in der Mitte, als Mütter, daraus entstehen Industrien, die sich verselbsttändigt haben und Mißbrauch, seelisches Leid und Leere.

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