Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2006

16:16 Uhr

11 000 Mitarbeiter betroffen

IBM sägt an deutschen Pensionen

Die Deutschland-Tochter des US-Computerkonzerns IBM eifert der Konzernführung nach und hat angekündigt, künftig weniger Geld in die Altersvorsorge der Mitarbeiter stecken zu wollen. Die Pensionszusagen für rund 11 000 Mitarbeiter sollen gekürzt werden.

HB STUTTGART. „Es wird immer schwieriger, diese Altersversorgung in ihrer bisherigen Form aufrecht zu erhalten“, begründete das Unternehmen seinen Vorstoß am Donnerstag in Stuttgart. Über die geplante Kürzung der Pensionspläne für die Hälfte der aktiven Mitarbeiter sei der Betriebsrat am Mittwoch informiert worden. In Kürze starteten die Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung. Eine Sprecherin wollte keine weiteren Details des Kostensparprogramms nennen. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die geplanten Kürzungen und will diese gutachterlich prüfen lassen.

In bestehende Pensionszusagen wolle IBM nicht eingreifen. Diese Ansprüche aus betrieblicher Altersversorgung für aktive und ehemalige Mitarbeiter blieben unberührt, teilte das Unternehmen mit. Für die Hälfte der 22 000 IBM-Beschäftigten in Deutschland würden die künftig zu erwerbenden Ansprüche aus der betrieblichen Altersversorgung jedoch niedriger ausfallen als bisher. Die Höhe der Zusagen variiert derzeit nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit. IBM Deutschland machte die Entwicklung der Finanzmärkte und eine steigende Lebenserwartung für die steigenden Kosten der Altersversorgung verantwortlich.

Der US-Mutterkonzern hatte vor wenigen Tagen angekündigt, das 48 Mrd. Dollar schwere Pensionsprogramm 2008 zu stoppen und den Mitarbeitern stattdessen Lohnzuschläge für ihre private Altersvorsorge zu zahlen. Bis 2010 sollen dadurch bis zu 3 Mrd. Dollar eingespart werden, in diesem Jahr seien Einsparungen von rund einer halben Milliarde Dollar zu erwarten. Weltweit arbeiteten zuletzt mehr als 329 000 Menschen für IBM. Nicht betroffen von den Kürzungen sind die 125 000 ehemaligen Mitarbeiter des Konzerns.

„IBM neigt dazu, seinen Profit über Kürzungen und Einsparungen zu managen“, kritisierte der bei der Gewerkschaft Verdi für IBM zuständige Rolf Schmidt. Die Gewerkschaft gehe „relativ gelassen“ in die Gespräche mit der Firmenleitung, da der Gesetzgeber und die Gerichte hohe Hürden bei Veränderungen von Pensionszusagen aufgebaut hätten. „Die wirtschaftliche Notwendigkeit zu Kürzungen bei den Pensionszusagen ist nicht da“, kritisierte der Gewerkschafter.

Für das traditionell umsatzträchtige vierte Quartal hat der IBM-Konzern ein prozentual zweistelliges Gewinnplus in Aussicht gestellt. Das Traditionsunternehmen will weltweit vier Prozent der Stellen oder rund 13 000 Arbeitsplätze abbauen, die meisten davon in Europa. Zuletzt hatte der Konzern von Großaufträgen in der Beratung profitiert. Sein PC-Geschäft hatte IBM im vergangenen Jahr an den chinesischen Hersteller Lenovo verkauft.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×