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13.08.2015

12:35 Uhr

140-Zeichen-Grenze fällt

Die neue Freiheit auf Twitter

VonJohannes Steger

Twitter macht Schluss mit der Begrenzung und hebt das Limit von 140 Zeichen auf – zumindest bei Direktnachrichten. Dahinter steckt weniger die Liebe zur Kommunikation als der dringende Wunsch nach steigenden Nutzerzahlen.

Das soziale Netzwerk kippt das Limit von 140 Zeichen für Direktnachrichten. dpa

Twitter

Das soziale Netzwerk kippt das Limit von 140 Zeichen für Direktnachrichten.

Düsseldorf140 Zeichen können ziemlich einschränkend sein – das weiß wohl jeder Twitter-Nutzer. Denn witzige, geistreiche oder informative Botschaften lassen sich mitunter schwer in ein begrenztes Textfeld packen. Das hat jetzt auch das soziale Netzwerk erkannt, der die Begrenzung von 140 Zeichen aufheben will. Allerdings nur für die privaten Direktnachrichten von Nutzer zu Nutzer. Auch für die galt die Grenze und machte private Kommunikation schwierig – schließlich gibt es Mitteilungen, die einfach etwas mehr Platz benötigen.

Mit der Änderung solle „die private Seite von Twitter noch mächtiger und spaßiger werden“, gibt das US-Unternehmen im firmeneigenen Blog bekannt. Die Änderung war schon vor zwei Monaten angekündigt worden und soll nun in kommenden Wochen weltweit umgesetzt werden.

Kurznachrichtendienst: Twitter-Aktie auf Rekordtief

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Twitter-Aktie auf Rekordtief

Die Twitter-Aktie ist auf den tiefsten Kurs seit dem Börsengang gefallen. Das Papier steht am Scheideweg: Entweder gibt es bald ernsthafte Übernahmegespräche – oder dem Aktienkurs droht der endgültige Absturz.

Hinter der Entscheidung steckt indes kein uneigennütziges Bekenntnis zur Rede- und Schreibefreiheit, sondern der Versuch, endlich wieder relevanter zu werden. Bei der Kommunikation zwischen den Nutzern muss Twitter aufholen. Wer lange Nachrichten verfassen will, geht woanders hin – zum Beispiel zu Facebook-Messenger. Und das schlägt sich auch bei den Nutzerzahlen wieder, denn die wachsen bei Twitter langsamer als bei der Konkurrenz: Facebook, Instagram und Snapchat konnten ihre Nutzerzahlen deutlich schneller steigern.

Das sehen auch die Aktionäre des Unternehmens: Aufgrund ihrer anhaltenden Kritik gab im Juli Chef Dick Costolo auf. Sein Nachfolger, Mitgründer Jack Dorsey, scheint auch noch kein Wachstumswundermittel gefunden zu haben. Aber der Übergangschef will Vertrauen demonstrieren: Für rund 875.000 Dollar hat Dorsey Anteilsscheine seines Unternehmens gekauft und hält damit jetzt 21,9 Millionen Aktien und somit drei Prozent an Twitter.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Nebenprodukt mit Erfolg

Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

Idee von vier Freunden

Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

Intrigen und Machtkämpfe

Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Auf ihn folgte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig. Der wiederum verließ das Unternehmen im Juli 2015. Jack Dorsey kehrte als Interimschef zurück.

Durchweg in den Miesen

Bislang hat Twitter die Erwartungen der Börse noch nicht erfüllt. Das Unternehmen hat trotz steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht.

Zaghaft im Werbegeschäft

Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit bezahlten Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen, im zweiten Quartal 2015 auf 452 Millionen Dollar .

304 Millionen Nutzer

Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter im zweiten Quartal 2015 rund 304 Millionen Nutzer pro Monat.

Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Den Anlegern gefiel das: Die Papiere sprangen am Montag an der Wall Street um neun Prozent auf 29,50 Dollar. Auch andere Twitter-Manager wie Finanzchef Anthony Noto hatten bekanntgegeben, Aktien erworben zu haben. Denn das Vertrauen schienen Anleger bisher verloren zu haben: Am 7. August landeten die Twitter-Papiere auf dem Rekordtief von 27,82 Dollar und damit nur knapp über dem Ausgabepreis von 26 Dollar.

Ob sich die Nutzer von der neuen Freiheit auf Twitter ködern lassen, bleibt erst einmal abzuwarten. Und auch, ob vielleicht irgendwann auch bei den Tweets die Grenze fällt.

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