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24.01.2012

06:50 Uhr

300. Geburtstag

Leben und Mythen des "Alten Fritz"

Philosoph, Feldherr und Aufklärer - der „Alte Fritz“ wurde verdammt und glorifiziert. Zum 300. Geburtstag des berühmtesten Königs von Preußen erzählen zahlreiche neue Bücher die Geschichte Friedrichs II.

Büsten vom Preußenkönig Friedrich II.. dpa

Büsten vom Preußenkönig Friedrich II..

BerlinVom Vater brutal gegängelt, als König Reformer, Machtpolitiker und Hasardeur auf dem Schlachtfeld - Friedrich II. von Preußen wurde von der Nachwelt als Aufklärer oder Feldherr instrumentalisiert. Zu seinem 300. Geburtstag am 24. Januar schildern zahlreiche neue Bücher über den „Alten Fritz“ (1712-1786) das Leben, Geschichten, Mythen und Zoten über den Preußenkönig. Sie gehen der Frage nach, ob der Schöngeist Friedrich, der von Ruhmessucht getriebene König wirklich der „Große“ war oder doch eher der unheilvolle Wegbereiter des deutschen Militarismus.

Die Abneigung gegen den Vater, die Liebe zu seiner Schwester, die Nichtbeachtung seiner Frau, die Beziehung zum Schriftsteller Voltaire, Kriege mit den Großmächten und der Aufbau Preußens: Die Bücher legen teils nüchtern, teils anekdotenreich eine unterschiedliche Gewichtung auf das politische oder das private und höfische Leben. Sie beschreiben, wie Friedrich im Deutschen Kaiserreich, von den Nazis oder in der DDR für die Zwecke der Machthaber missbraucht wurde und wie sein rücksichtsloses Vorgehen in den Schlesischen Kriegen und im Siebenjährigen Krieg auch zum unheilvollen Vorbild in beiden Weltkriegen wurde.

Bücher zum 300. Geburtstag von Friedrich II

Tillmann Bendikowski

„Friedrich der Große“:

Eine von leichter Hand geschriebene und unterhaltsame historische Biografie. (C. Bertelsmann, München, 336 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-570-01131-7)

Jürgen Luh

„Der Große. Friedrich II. von Preußen“.:

Wenig schmeichelhaftes Porträt des Herrschers, das nicht chronologisch aufgebaut ist, sondern seine Eigenschaften wie Eigensinn oder Ruhmsucht hervorhebt. (Siedler-Verlag, München, 288 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-88680-984-4)

Tom Goeller

„Der Alte Fritz. Mensch, Monarch, Mythos“:

Eine detaillierte Beschreibung des höfischen, privaten und familiären Lebens des Königs. (Hoffmann und Campe, Hamburg, 352 Seiten, 21,99 Euro, ISBN 978-3-455-50219-0)

Johannes Kunisch

„Friedrich der Große“:

Ausgesprochen kurze und gut zu lesende Einführung zu Leben und Wirken des Monarchen. (C.H. Beck-Verlag, München, 127 Seiten, 8,95 Euro, ISBN 978-3-406-62141-3)

„Eine historische Figur, von der wir in der Tat nicht so genau wissen, wozu sie heute eigentlich noch zu gebrauchen ist - die aber ohne Frage zum Unterhaltsamsten gehört, was die deutsche Geschichte je hervorgebracht hat“, schreibt der Historiker Tillmann Bendikowski. In seinem mit leichter Hand erzählten, kurzweiligen Buch über Friedrich II. kommt er zu dem Fazit: „Die vermeintliche Größe Friedrichs ist also maßgeblich eine Zuschreibung der Nachwelt, mit der die Persönlichkeit Friedrichs nicht adäquat umrissen ist.“ Der Historiker Jürgen Luh, der sein Buch „Der Große. Friedrich der II. von Preußen“ nicht chronologisch, sondern nach Eigenschaften des Königs wie Ruhmsucht oder Eigensinn aufbaut, bilanziert wenig schmeichelhaft.

„Friedrich war ein eigensinniger, ja eigensüchtiger Mensch, ein Egoist sein Leben lang.“ Ihm sei es nicht um die Zukunft Preußens gegangen, er habe zu Lebzeiten und für die Nachwelt als der „Große“ gelten wollen. Luh überfrachtet seine Darstellung zeitweise allerdings mit Zitaten, was den Lesefluss manchmal auch hemmt.

Das Leben des Alten Fritz

1712 - Geburt

Friedrich wird am 24. Januar in Berlin als Sohn von Friedrich Wilhelm I. geboren, dem Soldatenkönig, der sich „Lange Kerls“ als Leibgarde hielt. Der Kronprinz leidet unter dem despotischen Vater, wird streng militärisch erzogen. Flötenspiel, Latein, Französisch, Literatur, Musik - alles verboten.

1730 - Flucht

Der junge Friedrich sieht nur noch einen Ausweg: Flucht. Mit fatalen Folgen. Er wird festgenommen und sollte auf Befehl des Vaters hingerichtet werden. Am Ende muss der 18-Jährige erleben, wie das Todesurteil an seinem Freund und Fluchthelfer Hans Hermann von Katte vollstreckt wird. Der Kronprinz bleibt in Festungshaft.

1733 - Heirat

Auf Befehl des Vaters heiratet er die ungeliebte Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern. Das Paar residiert in Schloss Rheinsberg. Hier komponiert er die erste Sinfonie und korrespondiert mit dem bewunderten französischen Philosophen Voltaire. Er beginnt den „Antimachiavelli“ zu schreiben, in dem er das Bild von einem Idealmonarchen zeichnet.

1740 -Tod des Vaters

Nach dem Tod des Vaters 1740 übernimmt Friedrich das Zepter und beweist sich wider Erwarten als Feldherr. Er vergrößert Preußen durch Eroberungen und führt zwei Schlesische Kriege.

1756 bis 1763 - Siebenjähriger Krieg

Erst mit dem Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 ist Preußen eine Mittelmacht in Europa, kann sich unter den Großmächten Frankreich, Österreich, Russland und Großbritannien behaupten. Im 18. Jahrhundert wird Preußen als Kriegsgegner gefürchtet. Mit seinen Eroberungen schafft der Monarch die Grundlage für die Gründung des deutschen Nationalstaates.

1786 - Tod des Alten Fritz

Im Alter ist es einsam um den Alten Fritz, wie er wenig ehrfurchtsvoll von seinen Untertanen mittlerweile genannt wird. Kinderlos stirbt er am 17. August 1786 im Alter von 74 Jahren in Potsdam. Bis heute hält die Legendenbildung an.

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