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04.04.2015

08:29 Uhr

40 Jahre Microsoft

Kurswechsel zum Geburtstag

In den besten Jahren hatte der Software-Konzern Microsoft fast hundert Prozent Marktanteil, brachte Kartellwächter gegen sich auf und machte die Gründer zu Multi-Milliardären. Zum Firmenjubiläum läuft nicht alles rund.

SeattleZum Ende der Ära von Microsoft-Boss Steve Ballmer vor einem Jahr schien es noch, als sei der Software-Gigant nach einer langen Dominanz einem schleichenden Bedeutungsverlust ausgeliefert. Während sich Apple mit dem iPhone und iPad sowie Google mit seinem Android-System das boomende Geschäft mit Smartphones und Tablets aufteilten, kam Microsoft im Mobil-Bereich kaum von der Stelle.

Der Konzern musste sich vor allem auf seine klassischen Einnahmequellen Windows und die Office-Büroprogramme verlassen. Der Absatz der Notebooks und Desktop-Rechner sinkt jedoch kontinuierlich - und mit der jahrelangen Abwesenheit von Office auf den mobilen Geräten gewöhnten sich die Nutzer daran, auch ohne Microsoft-Programme über die Runden zu kommen.

Zu seinem 40. Geburtstag am 4. April hat Microsoft jedoch neue Hoffnung geschöpft. Der neue Konzernchef Satya Nadella hat einen Kurswechsel angeordnet: Statt mit aller Macht die eigenen Plattformen in den Markt zu pressen, will Microsoft mit seinen Diensten und Programmen auch auf allen Geräten der Konkurrenz präsent sein. Das Schlüssel-Element sind die Cloud-Dienste, über die die Daten der Nutzer synchronisiert werden. Und hier hat der Konzern mit Azure ein heißes Eisen im Feuer. Es ist die nächste von vielen Wandlungen von Microsoft in den vergangenen Jahrzehnten.

Wie Windows wurde, was es ist

Windows 1.0

Der Urahn des inzwischen meistgenutzten PC-Betriebssystems kam im November 1985 auf den Markt. Damals war Microsoft noch ein Außenseiter, während der Platzhirsch IBM und der Aufsteiger Apple den Kampf um den PC-Markt auszufechten schienen. Anfangs arbeitete sich Windows nur mühsam ins Geschäft – denn Microsoft verzichtete zunächst angesichts eines jahrelangen Patentstreits mit Apple auf grafische Bedienungselemente.

Windows 3.1

Mit dieser Version lernte Windows 1992, Videos abzuspielen, bekam die ersten integrierten Spiele und neue Schriften. Die Grundansicht mit den überlappenden Fenstern und einem Desktop für Programm-Symbole blieb – mit einigen Design-Änderungen – lange erhalten.

Windows NT

Parallel zu den Consumer-Versionen von Windows entwickelte Microsoft nach dem Scheitern des OS/2-Projektes mit IBM eine Windows-Version mit einem neuen Programm-Kern („Windows New Technology“). NT wurde mit Windows 2000 fortgeführt und ging später in Windows XP auf.

Windows 95

Die radikale Erneuerung von 1995 brachte in Grundzügen das Windows, das heute praktisch jeder kennt. Unter anderem wurde der „Start“-Knopf mit dem Balken am unteren Bildschirmrand eingeführt. Nachdem nachträglich der Web-Browser Internet Explorer zum Windows-Grundpaket hinzugefügt wurde, setzte sich Microsoft zum Ärger der Wettbewerbshüter in diesem Bereich gegen den Pionier Netscape durch. Auf die Version folgten die kleineren Aktualisierungen Windows 98 und ME.

Windows XP

2001 brachte Microsoft die bisher langlebigste Version seines Betriebssystems auf den Markt, die immer noch auf vielen Rechnern läuft. Mit Windows XP wurden viele visuelle Effekte hinzugefügt, ebenso wie wichtige Funktionen wie etwa schneller Benutzerwechsel, eine integrierte Firewall für mehr Sicherheit und verbesserter Medienwiedergabe.

Windows 7

Das Betriebssystem Windows Vista sollte XP verdrängen, wurde von den Nutzern aber weitgehend ignoriert. Die 2007 veröffentlichte Version bot zwar neue Bildschirmansichten, aber eine für viele Nutzer verwirrende Rechteverwaltung für Benutzerkonten. Erst mit der Vorstellung von Windows 7 im Oktober 2009 konnte Microsoft die Anwender wieder überzeugen.

Windows 8

Mit Windows 8 wollte sich Microsoft für den Wandel der Computer-Welt rüsten: Die neue Kacheloberfläche ist für Touchscreens ausgelegt und eignet sich damit auch für Tablet-Computer – äußerlich ähnelt das System damit dem Smartphone-Betriebssystem Windows Phone. Microsoft stellte Windows 8 im Oktober 2012 vor. Gerade an der neuen Bedienung wurde jedoch schnell viel Kritik laut.

Windows 8.1

Ein Update für Windows 8 kam im Oktober 2013 auf den Markt. Das kostenlose Windows 8.1 soll die größten Kritikpunkte an dem Vorgänger ausräumen. So können Nutzer direkt auf den Desktop starten und so die Kacheloberfläche umgehen. Zudem kehrt der Startknopf zurück, wenn auch nicht das klassische Startmenü.

Windows 10

Im Sommer 2015 hat Microsoft Windows 10 auf den Markt gebracht. Der Konzern verspricht so viele Neuerungen, dass die Produktbezeichnung „9“ mit Absicht übersprungen wurde. Das neue System soll auf allen Geräten laufen, vom Desktop-PC bis zum Smartphone. Der Konzern will die Version mit regelmäßigen Updates auf dem Stand der Technik halten. Eine optische Änderung: Das Startmenü kehrt zurück.

Die Kindheitsfreunde Bill Gates und Paul Allen gründeten 1972 ihre erste Firma, die Verkehrsdaten analysieren sollte. Die für ihre Zukunft entscheidende Idee brachte ihnen jedoch 1975 die Januar-Ausgabe des Magazins „Popular Electronics“, in der der „Microcomputer“ Altair 8800 vorgestellt wurde.

„Erregt lasen wir von dem ersten echten Personal Computer, und obwohl wir noch keine genaue Vorstellung davon hatten, wozu er zu gebrauchen wäre, war uns doch schon bald klar, dass er uns und die Welt des Computings verändern würde“, schrieb Gates 20 Jahre später in seinem ersten Buch „Der Weg nach vorn“. „Wir sollten recht behalten. Die Revolution ist eingetreten, und sie hat das leben von Millionen Menschen verändert. Wohin sie uns geführt hat, konnten wir uns damals kaum vorstellen.“

Vor allem Gates erkannte, dass man Hardware und Software, die bis zu diesem Zeitpunkt nur in einem nicht aufzuschnürenden Paket angeboten wurde, von einander trennen muss. Mit dem eher zufälligen Gewinn des Riesen-Auftrags von IBM im Jahr 1980, den ersten IBM-PC mit einer System-Software zu bestücken, legten Allen und Gates das Fundament für den sagenhaften Aufstieg von Microsoft. Sie begründeten damit de facto auch die Software-Industrie. Paul Allen schied bereits 1983 aus dem Unternehmen aus, nachdem bei ihm ein bösartiger Tumor des Lymphsystems diagnostiziert wurde, der in den Folgejahren erfolgreich behandelt werden konnte.

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