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20.12.2013

11:25 Uhr

400 Millionen Nutzer

Der Run auf Whatsapp hält an

Trotz Sicherheitsproblemen und Datenschutzärger: Der Smartphone-Dienst Whatsapp wird immer beliebter. 400 Millionen Menschen verschicken damit Nachrichten und Fotos. Telekom und Vodafone werden es nicht gerne hören.

Der Liebling der Smartphone-Nutzer: Immer mehr Menschen bleiben über Whatsapp in Kontakt. dpa

Der Liebling der Smartphone-Nutzer: Immer mehr Menschen bleiben über Whatsapp in Kontakt.

DüsseldorfDer Smartphone-Dienst Whatsapp wächst trotz Sicherheitsproblemen weiter rasant. Er hat binnen vier Monaten 100 Millionen aktive Nutzer hinzugewonnen. Inzwischen verwenden 400 Millionen Smartphone-Besitzer die App mindestens einmal im Monat, wie das Unternehmen am Donnerstag in einem Blogeintrag mitteilte. Zum Vergleich: Bei Facebook loggen sich monatlich 1,2 Milliarden Menschen ein, bei Twitter 230 Millionen.

Das sei ein „Meilenstein, den keine anderer mobiler Messaging-Dienst erreicht hat“, schrieb Firmenchef Jan Koum – ein Seitenhieb gegen Konkurrenten wie Snapchat, Line und Kik, die teils statt der Zahl der aktiven Nutzer andere Maßstäbe nennen. Whatsapp sei der führende Anbieter, betonte Koum gegenüber dem Blog All Things D. Allerdings gewinnen auch andere Chat-Dienste derzeit viele neue Nutzer.

Was an WhatsApp Kopfschmerzen bereitet

Laxer Umgang mit Datenschutz

WhatsApp überträgt die Kontakte im Adressbuch auf seine Server in den USA – in Zeiten mächtiger Geheimdienste kein angenehmer Gedanke. Hinzu kommt: Durch die Offenlegung der Handynummern erfahren andere Leute, dass man die App nutzt – zumindest, wenn sie diese auch installiert haben und im Adressbuch stehen.

Zweifel an der Verschlüsselung

Lange wurden die WhatsApp-Nachrichten unverschlüsselt übertragen. Auch an der inzwischen eingesetzten Verschlüsselungstechnologie hegen Experten Zweifel.

Sicherheitsbedenken

Schon mehrfach stand Whatsapp wegen des laxen Umgangs mit Sicherheitsfragen in der Kritik – das betrifft nicht nur die Verschlüsselung. So konnten eine Zeit lang Whatsapp-Nutzerkonten relativ leicht gekapert werden. Nach Einschätzung einer Sicherheitsfirma kann auch der Bezahlprozess ausspioniert werden.

Soziale Kontrolle

Für jeden App-Nutzer ist einsehbar, wann die Kontakte das letzte Mal den Dienst genutzt haben. Es kommt vor, dass darüber Mütter kontrollieren, ob ihre Babysitter zu Hause noch wach sind – denn die verdaddeln die Zeit oft genug mit WhatsApp. Die App ermöglicht also eine gewisse soziale Kontrolle.

Undurchsichtige Firma

Über die Firma WhatsApp ist wenig bekannt, die Macher meiden die Öffentlichkeit weitgehend. Das stärkt nicht gerade das Vertrauen. Auch der Anfang 2014 angekündigte Verkauf an Facebook stößt auf Skepsis – das Soziale Netzwerk gilt nicht wenigen als Datenkrake.

Auch das Nachrichtenaufkommen steigt rasant. Whatsapp-Nutzer verschicken nach Angaben des Dienstes täglich 16 Milliarden Nachrichten, wegen Gruppen-Chats werden sogar 32 Milliarden Nachrichten ausgeliefert. Mobilfunkanbieter wie die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica werden es nicht gerne hören: Das lukrative Geschäft mit SMS und MMS schrumpft in einigen Ländern bereits, nach einer Prognose des Hightech-Branchenverbandes Bitkom in diesem Jahr erstmals auch Deutschland.

Whatsapp konkurriert mit zahlreichen Kommunikationsdiensten um die Aufmerksamkeit der Smartphone-Nutzer. Anders als beispielsweise bei Facebook basiert das Geschäftsmodell nicht auf Werbung: Whatsapp kassiert nach einer kostenlosen Probephase rund einen Euro pro Jahr und Nutzer. Das 2009 gegründete Unternehmen ist nach eigenen Angaben profitabel.

Von

chk

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

20.12.2013, 12:49 Uhr

Telekom und Vodafone wollen es nicht gerne hören? Na wenn schon. Wer war es, der mit unverschämten Preisen für kleine Textnachrichten Jahre lang ein Haufen Geld machte? Dazu wurde der SMS Dienst nicht konsequent weiter entwickelt und blieb immer eine teure Alternative zu einem kurzen Anruf, mit Ausnahme wenn man "Frei-SMS" hatte, die man wiederum aber teuer über den Vertrag sich erkaufte. 13 schlug es dann, als uns die MMS als sauteurer Datendienst von der Telekom und Vodafone mittels Fußballstars als Werbeikonen verkauft werden sollte. Heute verschickt man per WhatsApp zuverlässig und schnell Mediendateien, kann sich mit Freunden absprechen und ganze gemeinsame Urlaube planen. Das ist alles über die SMS weder möglich noch auch nur ansatzweise wirtschaftlich. Es bewahrheitet sich eben immer: Wer nicht mit der Zeit geht und sich auf vermeintlich endlos zu melkenden Uralttechniken ausruht, der wird irgendwann eiskalt überholt.

Kampfrichter

20.12.2013, 19:13 Uhr

Unverschämte Preise für SMS und MMS? Warum haben die User 2000 etwa 11,4 Mrd., 2011 sogar 46 Mrd. SMS verschickt, statt WhatsApp zu nutzen? Die Netzbetreiber haben ein Produkt angeboten und es wurde ihnen massenhaft abgekauft. Angebot und Nachfrage zur richtigen Zeit. Deshalb waren und sind sie berechtigt, für ihre Leistung nach eigenem Ermessen Geld zu kassieren.
Und bitte, das Vokabular. Teuer - Sauteuer. Wer über Peanuts dieser Größenordnung diskutiert, hat wohl keine Urlaube zu planen.
Die Entwicklung neuer Techniken kostet übrigens richtig Geld. Und diese Kosten sollten die Netzbetreiber so langsam an die Kunden weitergeben. Schluß mit ruinösem Wettbewerb, nur weil der Volksproll das so fordert. Das Produkt Mobilfunk muß wieder eine angemessene Wertschätzung erfahren. Wer untätig ist, braucht sicher kein LTE, der hat nämlich Zeit. Und beim Amt anrufen kann er auch mit einem Aldi-Anschluß - Hörensagen - soll es dort in der Grabbelbox geben.
Ergo: klare Trennung in unser Premium-Segment und in eine "Grundversorgung". Heul doch:-)

PeterVetas

21.12.2013, 02:39 Uhr

Und jeder kann bei WhatsApp mitlesen... Es gibt vernünftige verschlüsselte Alternativen: Threema und eventuell whistle.im

Inzwischen wundert mich aber gar nichts mehr über "Meckern" aber nichts ändern wollen.

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