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05.03.2006

09:54 Uhr

65 Milliarden Dollar

AT&T greift nach Bell South

Der amerikanische Telekommunikationskonzern AT&T will laut US-Medienberichten die drittgrößte amerikanische Telefongesellschaft Bell South Corporation für rund 65 Milliarden Dollar (54 Mrd. Euro) kaufen. Eine Transaktion könne bereits am Montag angekündigt werden.

Logo des Telekommunikationskonzerns AT & T. Foto: dpa dpa

Logo des Telekommunikationskonzerns AT & T. Foto: dpa

HB NEW YORK. Dies berichteten die „New York Times“ und das „Wall Street Journal“ am Sonntag in ihren Onlineausgaben. Die Firmen nahmen keine Stellung.

AT&T würde mit einer Übernahme von Bell South der mit Abstand größte US-Telekommunikationskonzern mit einem Umsatz von rund 125 Milliarden Dollar, 70 Millionen Telefon- und fast zehn Millionen Breitbandkunden. AT&T und Bell South kontrollieren bereits gemeinsam die größte amerikanische Mobilfunkfirma Cingular Wireless und das Online-Gelbe-Seiten-Geschäft Yellowpages.com. AT&T würde damit den Hauptkonkurrenten Verizon weit überflügeln.

Das Einzugsgebiet des neuen Telefonriesen würde von Kalifornien bis Florida reichen. Der Zusammenschluss der beiden noch verbliebenen „Bell“- Gesellschaften wäre „ein riesiger Schritt“ bei der Wiederherstellung des Monopols, das in der US- Telefonbranche vor der Zerschlagung der alten AT&T im Jahr 1984 existierte, schreibt die „New York Times“. Die ursprüngliche AT&T, die auch als „MA Bell“ (Mutter Bell) bekannt war, hatte jahrzehntelang ein amerikanisches Telefonmonopol gehabt.

Die frühere Telekom-Gesellschaft SBC Communications hatte erst im November 2005 die alte AT&T für 16 Milliarden Dollar übernommen und deren weitaus bekannteren Firmennamen angenommen. Das Unternehmen wird von dem langjährigen SBC-Chef Edward E. Whitacre Jr. geführt, der den Konzern durch Serienkäufe kleiner und großer Konkurrenten neben Verizon zum US-Branchenführer in der Telekommunikationsbranche gemacht hatte. Für Whiteacre, der sich dem Ruhestand nähert, wäre der BellSouth-Kauf ein krönender Abschluss seiner Erfolgskarriere. AT&T war in der jüngsten Ausgabe des Wirtschaftsmagazins „Fortune“ zum „am meisten bewunderten“ Telekom-Konzern deklariert worden.

Verizon hatte seinerseits kürzlich nach langer Übernahmeschlacht mit Qwest Communications den Telekom-Konzern MCI übernommen. Die Übernahme von BellSouth könnte nach Darstellung der „New York Times“ Druck auf Verizon ausüben, einen Kauf von Qwest in Erwägung zu ziehen. Dies wäre die letzte der noch verfügbaren großen Bell- Gesellschaften.

Eine Übernahme von BellSouth durch AT&T müsste von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden und könnte etwa ein Jahr dauern. Telekommunikationsfachleute erwarten keine allzu großen Schwierigkeiten, da sich die Einzugsgebiete kaum überschneiden. Zudem haben sich die Kabelfernsehgesellschaften mit der Internet-Telefonie und ihren Breitband-Angeboten zu den Hauptkonkurrenten der Telefongesellschaften entwickelt und machen ihnen immer stärkere Konkurrenz.

Im Gegenzug versuchen die Telefonfirmen mit dem Ausbau ihrer Breitbandnetze auch graduell ins Fernsehgeschäft vorzustoßen. Zudem befindet sich das traditionelle Festnetz-Geschäft der Telefongesellschaften wegen des Siegeszugs des Mobilfunks und des Internets mit Online-Telefonverkehr sowie E-Mail-Möglichkeiten seit Jahren auf dem Rückzug. Die Telekomgesellschaften haben deshalb ihre Mobilfunkoperationen, die DSL-Breitband-Netze sowie die lukrativeren Telekommunikations-Geschäfte mit Unternehmen und anderen Großkunden massiv ausgebaut. Dies war auch der Hauptgrund für den Kauf von AT&T durch SBC und von MCI durch Verizon.

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