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15.05.2015

15:59 Uhr

Abbruch von „Germany's Next Topmodel“

Was das plötzliche Ende für ProSieben bedeutet

Der Abbruch von „Germany's Next Topmodel“ ist für ProSieben eine mediale Katastrophe. Auf den Fernsehsender kommen nach dem verfrühten Sendeschluss erhebliche finanzielle Lasten zu.

Nach Drohanruf

Bombendrohung: ProSieben muss Topmodel-Finale abbrechen

Nach Drohanruf: Bombendrohung: ProSieben muss Topmodel-Finale abbrechen

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DüsseldorfBei „Germany's Next Topmodel“ gab es am Donnerstagabend keine Sieger. Statt einer strahlenden, hübschen Gewinnerin konnte Heidi Klum am Abend nur einen bedauernden Tweet präsentieren: „Der Abend ist leider nicht so zu Ende gegangen, wie ich es mir gewünscht hatte“, schrieb die Moderatorin der ProSieben-Sendung „Germany's Next Topmodel“ auf Twitter, nachdem die Sendung wegen einer Bombendrohung abgebrochen werden musste. Mit dieser Aussage dürfte sie auch einigen ProSieben-Managern aus der Seele gesprochen haben. Denn für den Fernsehsender ist das plötzliche Ende der Veranstaltung eine mediale Katastrophe.

Am Donnerstagabend hatte ProSieben das Finale der Castingshow um 21.30 Uhr unterbrochen. Zunächst war von technischen Problemen die Rede, doch noch am Abend wurde bekannt, dass eine Anruferin mit einer Bombe gedroht hatte. Die SAP-Arena in Mannheim, aus der die Sendung live übertragen wurde, musste geräumt werden. Nachdem der Sender das Finale abbrechen musste, gibt es nicht nur keine Siegerin. Für den Konzern hat der verfrühte Sendeschluss auch finanzielle Folgen. Die ersten zeichneten sich bereits an der Börse ab: Die Anleger blieben vorsichtig, die Aktie verlor entgegen des Trends im MDax an Wert.

Wenn Live-Sendungen abgebrochen werden

Unvorhersehbare Situationen

Die Abläufe im Fernsehen sind auf die Sekunde genau getaktet. Doch bei Live-Sendungen geschehen mitunter Dinge, die kein Produzent vorhersehen kann. (Quelle: dpa)

Tragischer Unfall bei „Wetten, dass..?“

Hobby-Kunstturner Samuel Koch will im Dezember 2010 mit an den Füßen angeschnallten Federn über fahrende Autos springen. Bei einem Sturz verletzt er sich aber so schwer, dass er gelähmt bleibt. Die Live-Show im ZDF wird erstmals in ihrer Geschichte abgebrochen. Der tragische Vorfall bewegt Moderator Thomas Gottschalk so sehr, dass er die Show später abgibt.

Ohnmacht vor der Kamera

Plötzlich wird der Moderatorin schwarz vor Augen, die „Tagesschau“-Hauptausgabe des Schweizer Fernsehens SRF wird im Januar 2015 abgebrochen. Der Sportmoderator springt in die Bresche, danach ist die Sendung zu Ende. Seine Kollegin sei erkrankt und könne nicht weiter moderieren, erklärt er den Zuschauern. Moderatorin Cornelia Boesch geht es bald wieder besser.

Strom abgedreht

TV-Moderatorin Margarethe Schreinemakers sieht sich 1996 wegen Berichten über ihr Privatleben als Opfer der Medien. Sie will sich in ihrer Sat.1-Sendung in eigener Sache an das Publikum wenden. Der Sender bricht die Übertragung von „Schreinemakers live“ ab: Persönliche Angelegenheiten der Moderatorin dürften nicht Thema einer Sendung sein, heißt es.

Wie hoch der Schaden genau ist, dazu wollte ProSieben auf Anfrage des Handelsblatts keine Angaben machen. Doch ein Blick in die Konzeption einer Liveübertragung verrät, welche Kosten auf den Konzern zukommen. Ein Faktor sind etwa die Werbeeinnahmen. Unternehmen, die erhöhte Preise für eine TV-Spot-Platzierung während der Sendung gezahlt haben, dürften das Geld nun zurückfordern. Wer sein Werbefilmchen vor der Verkündung des neuen Topmodels sehen wollte, hat möglicherweise Anspruch auf Schadensersatz.

Dass das Finale um 20.15 Uhr zudem lediglich einen Marktanteil von 7,6 Prozent erreichte, könnte auch einen Einfluss auf die Werbeeinnahmen bei der Wiederholung der Sendung haben: Mit 2,24 Millionen Zuschauern schalteten zu Beginn so wenige Menschen ein wie nie zuvor. 2014 erreichte die Sendung noch 3,10 Millionen Zuschauer. Hinzu kommen Kosten, die bei einer Wiederholung anfallen wie beispielsweise die erneute Anmietung der Halle, Personalkosten für Kamera- und Beleuchtungsteam oder auch Moderatoren.

Im besten Fall ist ProSieben gegen diese Ausfälle durch eine Veranstaltungsausfallversicherung abgesichert. Eine solche träte dann in Kraft, wenn „die Ursache für den Ausfall oder den Abbruch außerhalb des Einflussbereichs des Veranstalters liegt“, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf Handelsblatt-Anfrage mitteilte. Dazu zählen demnach auch Bombendrohungen. Wie hoch diese Ausfallsumme schätzungsweise liegt, dazu wollte sich der Verband nicht äußern: „Wir kennen den Einzelfall nicht“, so ein Sprecher. ProSieben machte keine Aussage dazu, ob man gegen einen Sendungsabbruch versichert ist.

Für den Mutterkonzern ProSiebenSat.1 dürfte das geplatzte „GNTM“-Finale trotzdem nur ein kleiner Rückschlag sein. Erst im Februar legte das Unternehmen Rekordzahlen vor. Der Umsatz war 2014 um zehn Prozent auf 2,88 Milliarden Euro gestiegen, der Gewinn hatte ebenfalls um zehn Prozent auf 419 Millionen Euro zugelegt. Experten rechnen damit, dass der Fernsehsender sogar noch in diesem Jahr in den Dax aufsteigen könnte. Daran dürfte auch der Super-GAU am Donnerstag nichts ändern – zumal die Berichterstattung zusätzliche Werbung für die Neuauflage des Finales ist.

ProSieben hat sich die mediale Aufmerksamkeit dementsprechend schon zunutze gemacht und einen neuen Termin für das Finale festgelegt. Am 28. Mai soll Heidi Klum erneut versuchen, ein Topmodel zu küren. „Im Moment kümmern wir uns inhaltlich darum, am 28. Mai trotzdem ein besonderes Finale zu haben“, hieß es von ProSieben. Auch das soll wieder live zu sehen sein.

Von

lih

Kommentare (2)

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Frau Ute Umlauf

15.05.2015, 16:31 Uhr

Diese Sendung ist überflüssig ... da sie keinerlei Geistesanforderung verlangt.
Der Elektriker Klum jedoch macht sich die Taschen voll, dieser Nimmersatt.

Herr Jan Heilmann

15.05.2015, 21:03 Uhr

@ Herr Bruno zu Fürstenberg Usslar

Genauso überflüssig wie ihr Kommentar.

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