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16.07.2011

14:21 Uhr

Abhörskandal

Britische Regierung verteidigt Kontakte zu Murdochs Medien

Die britische Regierung wehrt sich gegen Vorwürfe, sie habe zu enge Kontakte zum Medienkonzern von Rupert Murdoch unterhalten. Der Medienmogul selbst entschuldigte sich unterdessen in aller Öffentlichkeit.

Mit ganzseitigen Anzeigen bittet Murdoch um Entschuldigung. Quelle: dpa

Mit ganzseitigen Anzeigen bittet Murdoch um Entschuldigung.

London / New York Aus offiziellen Unterlagen geht hervor, dass Premierminister David Cameron im vergangenen Jahr häufig mit führenden Vertretern der Medien zusammentraf, davon mehr als 20 Mal mit Beschäftigten Murdochs. Es sei in einem demokratischen Land nicht überraschend, dass es Kontakte zwischen der Führung und ranghohen Medienvertretern gebe, sagte Außenminister William Hague. Murdochs Sohn James, seine bisherige Verlagschefin Rebekah Brooks und der frühere Chefredakteur der inzwischen eingestellten Boulevardzeitung „News of the World“, Andy Coulson, waren alle zu Gast auf Camerons Landsitz Chequers. Coulsons Besuch erfolgte zwei Monate, nachdem er im Zuge des Abhörskandals als Camerons Kommunikationschef zurückgetreten war. Hague sagte, Cameron habe Coulson eingeladen, um diesem für seine Arbeit in den vergangenen Jahren zu danken. Das sei völlig normal.

Medienmogul Rupert Murdoch selbst hat sich am Samstag in ganzseitigen Zeitungsanzeigen für den Abhörskandal bei seinem Boulevardblatt „News of the World“ entschuldigt. „We are Sorry“ („Es tut uns leid“) lautet die Überschrift des Anzeigentextes, der in allen landesweit erscheinenden Zeitungen Großbritanniens geschaltet worden war. Der Text trägt die Signatur von Rupert Murdoch.

„Das Geschäft der News of the World war es, andere zur Verantwortung zu ziehen. Sie versagte, als es um sie selbst ging. Das ernsthafte Fehlverhalten, das passierte, tut uns leid“, heißt es in dem Text. Und Murdoch fügt darin hinzu: „Es ist mir klar, dass es nicht genug ist, sich einfach zu entschuldigen.“

Zuvor waren zwei hochrangigen Managern an einem einzigen Tag zurückgetreten. Doch die Probleme für Rupert Murdoch werden wohl bleiben: Der Verwaltungsrat seines Medienkonzerns News Corp gerät angesichts der Enthüllungen im Abhörskandal bei der Zeitung „News of the World“ immer stärker in die Kritik. Als Konsequenz aus der Affäre nahm der Chef der amerikanischen News-Corp-Tochter Dow Jones & Co, Les Hinton, am Freitag seinen Hut. Hinton führte die britische Murdoch-Zeitungstochter News International, als sich die Abhörangriffe ereigneten, die jetzt vor allem in Großbritannien für Empörung sorgen. Zuvor hatte auch Rebekah Brooks, seine Nachfolgerin bei News International und Vertraute, ihren Rücktritt erklärt.

Personelle Konsequenzen beim Management sind nach Ansicht von Experten ein erster Schritt. Doch müsse sich auch die Unternehmenskultur ändern, die zum Skandal geführt habe. „Dass die Öffentlichkeit über diese Dinge so lange gelesen hat und trotzdem nicht rigoros durchgegriffen wurde, ist unglaublich“, sagt Fred Tannenbaum von der Chicagoer Kanzlei Gould & Ratner, die sich auf die Betreuung von Firmen in Familienbesitz spezialisiert hat. Nach seiner Ansicht sollte News Corp einheitliche Regeln für ethisches Verhalten, die Berichterstattung und die Recherche erlassen.

Das Murdoch-Drama 2011

Dienstag, 5. Juli

Die britische Tageszeitung Guardian berichtet, dass das Murdoch-Boulevardblatt "News of the World" die Handy-Mailbox des entführten und später ermordeten Mädchens abgehört haben soll und sogar Nachrichten gelöscht haben soll. So wollten die Journalisten Platz für weitere Nachrichten schaffen und an neue Informationen rankommen. Damit sind möglicherweise Beweise gelöscht worden. Zudem entstand bei den Angehörigen der Opfer der Eindruck, das Mädchen sei noch am Leben.

Mittwoch, 6. Juli

Der Guardian veröffentlicht den nächsten Vorwurf gegen "News of the World": Journalisten des Boulevardblatts, das zu Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation gehört, sollen auch Handy-Mailboxen von Angehörigen gefallener Soldaten angezapft haben. Zumindest fanden sich persönliche Informationen über die Hinterbliebenen der Soldaten in den Unterlagen eines Privatdetektivs, der für "News of the World" arbeitete.

Donnerstag, 7. Juli

James Murdoch, Sohn des News-Corporation-Chefs Rupert Murdoch und im Konzern für das Europa-Geschäft zuständig, verkündet die Einstellung von "News of the World". Am Wochenende werde die letzte Ausgabe erscheinen, die Anzeigenerlöse würden wohltätigen Organisationen zukommen. "News of the World" war mit einer Auflage von 2,6 Millionen Exemplaren die auflagenstärkste Zeitung in Großbritannien.

Freitag, 8. Juli

Andy Coulson, ehemaliger Chefredakteur von "News of the World", wird verhaftet und nach neunstündigem Verhör auf Kaution freigelassen. Coulson war von 2003 bis 2007 Chefredakteur des Revolverblatt. Danach arbeitete er als Kommunikationschef für den britischen Premier David Cameron. Er trat von diesem Posten Anfang 2010 wegen der Abhöraffäre zurück, behauptete aber stets nichts von illegalen Recherchepraktiken gewusst zu haben.

Sonntag, 10. Juli

Die letzte Ausgabe der "News of the World" erscheint. Mit der Zeile "Thank you & Goodbye" verabschiedet sich die 200 Mann starke Redaktionsmannschaft von ihren Lesern. Die Zeitung war vor 168 Jahren gegründet worden.

Montag, 11. Juli

Die Oppositionspartei im britischen Parlament fordert Rupert Murdoch auf, seinen Antrag auf die vollständige Übernahme des britischen Satellitensenders BSkyB zurückzuziehen. Die Regierung schaltet das Kartellamt in der Sache ein. Es soll Murdochs Übernahmepläne prüfen. Genau das hat der Unternehmer zuvor verhindern wollen, indem er der Regierung einen Kompromissvoranschlag machte. Er wollte die BSkyB-Nachrichtensparte Sky News ausgliedern und so eine schnelle Genehmigung der Übernahme durch die Regierung erreichen. Diesen Kompromissvorschlag zog er am Montag (11. Juli) zurück und machte den Weg für ein langwieriges Kartellamtsverfahren frei.

Dienstag, 12. Juli

Murdoch kündigt einen großzügigen Rückkauf von News-Corporation-Aktien an, um den Kursverfall zu stoppen. Ursprünglich wollte er nur 1,8 Milliarden Dollar für die Kurspflege ausgegeben, jetzt erhöht er die Summe auf fünf Milliarden Dollar. Unterdessen erhöht auch die britische Regierung den Druck auf den Unternehmer und kündigt an: Man werde sich in einer Parlamentsabstimmung am Mittwoch dem Antrag der Opposition anschließen und so Murdoch nahebringen, seine BSkyB-Pläne aufzugeben.

Mittwoch, 13. Juli

Murdoch zieht seinen Antrag auf die Komplettübernahme von BSkyB zurück und kommt der Abstimmung im Parlament zuvor.

Für Mittwoch, 13. Juli

Das britische Parlament hat Murdoch und seinen Sohn James vorgeladen, um am Dienstag über den Abhörskandal bei News of the World vor einem Parlamentsausschuss Rede und Antwort zu stehen. Die beiden Murdochs haben ihr Kommen zugesagt. Zuvor hatten sie sich geweigert, auf freiwilliger Basis vor dem Ausschuss zu reden.

Donnerstag, 14. Juli

Das FBI nimmt Ermittlungen gegen News Corporation auf. Der Verdacht: Journalisten der News-Corporation-Zeitung "News of the World" sollen auch die Handy-Mailboxen von Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 abgehört haben.

Freitag, 15. Juli

Die Murdoch-Spitzenmanagerin Rebekah Brooks tritt zurück. Brooks war zuletzt Chefin der britischen News-Corporation-Zeitungssparte News International. Sie war Chefredakteurin von "News of the World", als die Abhöraffäre ihren Lauf nahm.

Freitag, 15. Juli

Nicht nur Rebekah Brooks, sondern auch der Murdoch-Spitzenmanager Les Hinton hat seinen Rücktritt erklärt. Hinton war News-Corp-Europachef, als die Abhöraffäre ihren Lauf nahm. Zuletzt war er Chef des Dow-Jones-Verlages, der auch zu News Corp. gehört.

Samstag, 16. Juli

Aus offiziellen Unterlagen geht hervor, dass Premierminister David Cameron im vergangenen Jahr häufig mit führenden Vertretern der Medien zusammentraf, davon mehr als 20 Mal mit Beschäftigten Murdochs. Es sei in einem demokratischen Land nicht überraschend, dass es Kontakte zwischen der Führung und ranghohen Medienvertretern gebe, sagte Außenminister William Hague. Rupert Murdoch selbst hat sich in ganzseitigen Zeitungsanzeigen für den Abhörskandal bei seinem Boulevardblatt „News of the World“ entschuldigt. „We are Sorry“ („Es tut uns leid“) lautet die Überschrift des Anzeigentextes, der in allen landesweit erscheinenden Zeitungen Großbritanniens geschaltet worden war.

Sonntag, 17. Juli

Die Polizei nimmt Rebekah Brooks wegen Korruptionsverdachts fest. Sie gilt als enge Vertraute von Medienmogul Rupert Murdoch und war bis 2003 Chefredakteurin der eingestellten Skandalzeitung „News of the World“. Brooks hatte sich vor der Affäre vor allem durch ihre exzellenten Kontakte in die Politik ausgezeichnet. Sie konnte zwölf Stunden später wieder gehen.

Sonntag, 17. Juli

Nach Brooks Festnahme hatte Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson am Abend überraschend seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er war in die Kritik geraten, weil er sich einen Kur-Aufenthalt teilweise hatte bezahlen lassen.

Montag, 18. Juli

Die Nachfolgediskussion um den angeschlagenen Medienmogul Rupert Murdoch bekommt neues Futter. Nach einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg könnte der fürs Tagesgeschäft von Murdochs News Corp. zuständige Chase Carey den 80-jährigen Firmenchef beerben. Es sei aber noch nichts entschieden, hieß es am späten Montag (Ortszeit) unter Berufung auf eingeweihte Personen.

Nach Ansicht von Experten hätte auch ein unabhängigerer Verwaltungsrat, das Board of Directors, früher eingreifen und den Imageschaden begrenzen können. Der Konzern wird schon lange dafür kritisiert, dass unter seinen Aufsehern Familienmitglieder und Firmeninsider sind. In dem Gremium sitzen Rupert Murdoch selbst sowie zwei seiner Söhne, James und Lachlan. James Murdoch ist bei News Corp für die britischen Zeitungen verantwortlich und gilt als Kronprinz seines Vaters. Rupert Murdochs Tochter Elisabeth soll im kommenden Jahr ebenfalls Mitglied des Verwaltungsrates werden.

News Corp selbst gibt an, dass neun der 16 Board-Mitglieder nach den Regeln der Börse Nasdaq unabhängig seien. Der Knackpunkt ist allerdings die Stimmrechtsverteilung in dem Unternehmen: Wegen zwei Arten von Aktien verfügt die Familie über 40 Prozent der Stimmen bei der Ernennung von Verwaltungsratsmitgliedern und hat damit ein wichtiges Mitspracherecht. „Selbst wenn man ein unabhängiges Board schaffen würde - was nötig ist - wäre es noch immer der Familie verpflichtet, weil sie die Stimmen hat“, sagt Charles Elson, Experte für Unternehmensführung an der University of Delaware. News Corp selbst lehnt eine Stellungnahme zu dem Thema ab.

Die Turbulenzen um die „News of the World“ haben für Murdoch handfeste wirtschaftliche Auswirkungen. Am Mittwoch zog News Corp ein Angebot zur Komplettübernahme der profitablen Sendergruppe BSkyB in Höhe von zwölf Milliarden Dollar zurück. Die Regierung hatte den Kauf informell schon abgesegnet. Doch dann erschütterte die Enthüllungen, dass Journalisten der „News of the World“ sogar Telefone von Verbrechensopfern angezapft haben sollen, Großbritannien. Das Blatt wurde nach 168 Jahren kurzerhand geschlossen.

Kommentare (3)

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hoschemal

17.07.2011, 01:22 Uhr

Ja: Abhörprotokolle weitergeben.

ur choice.

Weder sollte man irgendwas abhören noch weitergeben. Und die Wichte, die das versuchen, die kommen dahin wo sie nun stehen: direkt in die Weltöffentlichkeit.

Und das wird erst der Anfang gewesen sein, diese Blockwarte dahin zu stellen wohin sie gehören: ans Licht der Weltöffentlichkeit!

sinnfeinlos

17.07.2011, 01:35 Uhr

Verglichen mit uns Heutigen waren die Nazis in Sachen Totalüberwachung geradezu ein Sonntagsausflug.
Also ich hab Schuhgröße 39, mein Pimmel hat ne Eindringungsgröße von ca. 0,5mm und ist auch sonst sehr klein.
Mitunter lasse ich mir Anzüge anfertigen fühle mich jedoch in Discounterwear auch nicht unangenehm: ich scheiße mitunter mehrfach am Tag und kotzen tue ich, sobald ich vor die Haustür treten muß.
Mal sehn was noch interessant wäre: meione IP habt ihr und meine ID auch.
Ansonsten bin ich der Rotz, der Euch bezahlt.

Fuehrungsgesaenge

17.07.2011, 01:53 Uhr

Sie hatten vergessen Ihre sexuellen Obsessionen zu skizieren; mit der Größe Ihres Geschlechtsteils wissen wir insofern nix anzufangen, weil uns das nichts über Ihre schlechte Gesinnung auszuagen vermag: im Gegensatz zu Ihnen nämlioch wissen wir: daß ihr Geist entweder nicht vorhanden ist oder wenn, dann von minderer Qualität.

Bedenken Sie bitte: erst gibt es uns - dann erstmal eine ganze Weile nichts und erst dann den Souverän - erst danach, sollten wir noch Zeit für Dreck haben könnte es Sie irgendwannmal geben.

Sehen Sie bitte: Sie sind einfach nur der Dreck aus wir hier die dicke Wurst geben.

Sie finden das moralisch anstößig?

Wer so dermaßen zum Schwein sich herunterdegradieren läßt sollte froh sein, wenn ihm nicht Schlimmeres geschieht vor Ablauf seiner Tage.

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