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19.07.2011

04:39 Uhr

Abhörskandal

Die Nachfolgediskussion bei News Corp läuft an

Verleger Rubert Murdoch, sein Sohn James sowie Spitzenmanagerin Rebekah Brooks müssen im britischen Parlament aussagen. Die Hackergruppe Lulz Sec hat die Internetseite der britischen Boulevardzeitung „The Sun“ gehackt.

Der Verleger Rupert Murdoch. Quelle: dpa

Der Verleger Rupert Murdoch.

DüsseldorfDie Nachfolgediskussion um den angeschlagenen Medienmogul Rupert Murdoch bekommt neues Futter. Nach einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg könnte der fürs Tagesgeschäft von Murdochs News Corp. zuständige Chase Carey den 80-jährigen Firmenchef beerben. Es sei aber noch nichts entschieden, hieß es am späten Montag (Ortszeit) unter Berufung auf eingeweihte Personen.

Hacker haben am späten Montagabend offenbar die Internetseite der britischen Boulevardzeitung „The Sun“ gehackt. Besucher der Website wurden automatisch zu einer Seite weitergeleitet, auf der berichtet wurde, „Sun“-Verleger Rupert Murdoch sei tot in seinem Garten gefunden worden. Auf der Nachrichtenseite Twitter bekannte sich die Gruppe Lulz Security zu dem Hackerangriff und bezeichnete ihn als erfolgreichen Teil des „Murdoch Meltdown Monday“ (dt.: Murdochs Montag des Niedergangs).

Die Hackergruppe hatte in der Vergangenheit bereits die Verantwortung für Angriffe auf die Internetseiten von Unternehmen, Partnerorganisationen der US-Bundespolizei FBI und des Auslandsgeheimdienstes CIA übernommen.

Im Abhörskandal um die inzwischen eingestellte britische Boulevardzeitung "News of the World" muss Medienmogul Rupert Murdoch nun auch wirtschaftlich Federn lassen: Die Ratingagentur Standard & Poor's prüft, die Kreditwürdigkeit von NewsCorp wegen des Spitzelskandals herabzustufen.

Allein in der letzten Woche büßten die Aktien des Unternehmens rund 13 Prozent an Wert ein. Seit Beginn der Affäre hat NewsCorp rund zwei Milliarden Dollar an Börsenwert, die Familie Murdoch ein Vermögen verloren. Auch personell setzte der Skandal der Firma zu: Mit Les Hinton trat der Chef der Tochterfirma Dow Jones zurück, deren Aushängeschild das „Wall Street Journal“ ist.

Die Ratingagentur Standard & Poor's prüft wegen dem Abhörskandal um Murdoch-Medien die Herabstufung von NewsCorp. Quelle: Reuters

Die Ratingagentur Standard & Poor's prüft wegen dem Abhörskandal um Murdoch-Medien die Herabstufung von NewsCorp.

Hinton hatte über zwölf Jahre die britische News-Corp.-Verlagstochter News International geleitet, zu der auch das Skandalblatt „News of the World“ bis zu seiner Einstellung gehörte. 

Reporter der Sonntagszeitung haben den bisherigen Erkenntnissen zufolge systematisch die Telefone von Prominenten, Politikern und Verbrechensopfern abgehört. Die Vorfälle fallen in jene Zeit, in der Hinton den Verlag in Großbritannien führte und auch erste Details ans Licht kamen.

Das Murdoch-Drama 2011

Dienstag, 5. Juli

Die britische Tageszeitung Guardian berichtet, dass das Murdoch-Boulevardblatt "News of the World" die Handy-Mailbox des entführten und später ermordeten Mädchens abgehört haben soll und sogar Nachrichten gelöscht haben soll. So wollten die Journalisten Platz für weitere Nachrichten schaffen und an neue Informationen rankommen. Damit sind möglicherweise Beweise gelöscht worden. Zudem entstand bei den Angehörigen der Opfer der Eindruck, das Mädchen sei noch am Leben.

Mittwoch, 6. Juli

Der Guardian veröffentlicht den nächsten Vorwurf gegen "News of the World": Journalisten des Boulevardblatts, das zu Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation gehört, sollen auch Handy-Mailboxen von Angehörigen gefallener Soldaten angezapft haben. Zumindest fanden sich persönliche Informationen über die Hinterbliebenen der Soldaten in den Unterlagen eines Privatdetektivs, der für "News of the World" arbeitete.

Donnerstag, 7. Juli

James Murdoch, Sohn des News-Corporation-Chefs Rupert Murdoch und im Konzern für das Europa-Geschäft zuständig, verkündet die Einstellung von "News of the World". Am Wochenende werde die letzte Ausgabe erscheinen, die Anzeigenerlöse würden wohltätigen Organisationen zukommen. "News of the World" war mit einer Auflage von 2,6 Millionen Exemplaren die auflagenstärkste Zeitung in Großbritannien.

Freitag, 8. Juli

Andy Coulson, ehemaliger Chefredakteur von "News of the World", wird verhaftet und nach neunstündigem Verhör auf Kaution freigelassen. Coulson war von 2003 bis 2007 Chefredakteur des Revolverblatt. Danach arbeitete er als Kommunikationschef für den britischen Premier David Cameron. Er trat von diesem Posten Anfang 2010 wegen der Abhöraffäre zurück, behauptete aber stets nichts von illegalen Recherchepraktiken gewusst zu haben.

Sonntag, 10. Juli

Die letzte Ausgabe der "News of the World" erscheint. Mit der Zeile "Thank you & Goodbye" verabschiedet sich die 200 Mann starke Redaktionsmannschaft von ihren Lesern. Die Zeitung war vor 168 Jahren gegründet worden.

Montag, 11. Juli

Die Oppositionspartei im britischen Parlament fordert Rupert Murdoch auf, seinen Antrag auf die vollständige Übernahme des britischen Satellitensenders BSkyB zurückzuziehen. Die Regierung schaltet das Kartellamt in der Sache ein. Es soll Murdochs Übernahmepläne prüfen. Genau das hat der Unternehmer zuvor verhindern wollen, indem er der Regierung einen Kompromissvoranschlag machte. Er wollte die BSkyB-Nachrichtensparte Sky News ausgliedern und so eine schnelle Genehmigung der Übernahme durch die Regierung erreichen. Diesen Kompromissvorschlag zog er am Montag (11. Juli) zurück und machte den Weg für ein langwieriges Kartellamtsverfahren frei.

Dienstag, 12. Juli

Murdoch kündigt einen großzügigen Rückkauf von News-Corporation-Aktien an, um den Kursverfall zu stoppen. Ursprünglich wollte er nur 1,8 Milliarden Dollar für die Kurspflege ausgegeben, jetzt erhöht er die Summe auf fünf Milliarden Dollar. Unterdessen erhöht auch die britische Regierung den Druck auf den Unternehmer und kündigt an: Man werde sich in einer Parlamentsabstimmung am Mittwoch dem Antrag der Opposition anschließen und so Murdoch nahebringen, seine BSkyB-Pläne aufzugeben.

Mittwoch, 13. Juli

Murdoch zieht seinen Antrag auf die Komplettübernahme von BSkyB zurück und kommt der Abstimmung im Parlament zuvor.

Für Mittwoch, 13. Juli

Das britische Parlament hat Murdoch und seinen Sohn James vorgeladen, um am Dienstag über den Abhörskandal bei News of the World vor einem Parlamentsausschuss Rede und Antwort zu stehen. Die beiden Murdochs haben ihr Kommen zugesagt. Zuvor hatten sie sich geweigert, auf freiwilliger Basis vor dem Ausschuss zu reden.

Donnerstag, 14. Juli

Das FBI nimmt Ermittlungen gegen News Corporation auf. Der Verdacht: Journalisten der News-Corporation-Zeitung "News of the World" sollen auch die Handy-Mailboxen von Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 abgehört haben.

Freitag, 15. Juli

Die Murdoch-Spitzenmanagerin Rebekah Brooks tritt zurück. Brooks war zuletzt Chefin der britischen News-Corporation-Zeitungssparte News International. Sie war Chefredakteurin von "News of the World", als die Abhöraffäre ihren Lauf nahm.

Freitag, 15. Juli

Nicht nur Rebekah Brooks, sondern auch der Murdoch-Spitzenmanager Les Hinton hat seinen Rücktritt erklärt. Hinton war News-Corp-Europachef, als die Abhöraffäre ihren Lauf nahm. Zuletzt war er Chef des Dow-Jones-Verlages, der auch zu News Corp. gehört.

Samstag, 16. Juli

Aus offiziellen Unterlagen geht hervor, dass Premierminister David Cameron im vergangenen Jahr häufig mit führenden Vertretern der Medien zusammentraf, davon mehr als 20 Mal mit Beschäftigten Murdochs. Es sei in einem demokratischen Land nicht überraschend, dass es Kontakte zwischen der Führung und ranghohen Medienvertretern gebe, sagte Außenminister William Hague. Rupert Murdoch selbst hat sich in ganzseitigen Zeitungsanzeigen für den Abhörskandal bei seinem Boulevardblatt „News of the World“ entschuldigt. „We are Sorry“ („Es tut uns leid“) lautet die Überschrift des Anzeigentextes, der in allen landesweit erscheinenden Zeitungen Großbritanniens geschaltet worden war.

Sonntag, 17. Juli

Die Polizei nimmt Rebekah Brooks wegen Korruptionsverdachts fest. Sie gilt als enge Vertraute von Medienmogul Rupert Murdoch und war bis 2003 Chefredakteurin der eingestellten Skandalzeitung „News of the World“. Brooks hatte sich vor der Affäre vor allem durch ihre exzellenten Kontakte in die Politik ausgezeichnet. Sie konnte zwölf Stunden später wieder gehen.

Sonntag, 17. Juli

Nach Brooks Festnahme hatte Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson am Abend überraschend seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er war in die Kritik geraten, weil er sich einen Kur-Aufenthalt teilweise hatte bezahlen lassen.

Montag, 18. Juli

Die Nachfolgediskussion um den angeschlagenen Medienmogul Rupert Murdoch bekommt neues Futter. Nach einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg könnte der fürs Tagesgeschäft von Murdochs News Corp. zuständige Chase Carey den 80-jährigen Firmenchef beerben. Es sei aber noch nichts entschieden, hieß es am späten Montag (Ortszeit) unter Berufung auf eingeweihte Personen.

Ein NewsCorp-Aktionär hat Rupert Murdoch und seine Familie bereits vor einem New Yorker Bundesgericht verklagt, weil der Spitzelskandal die Firma geschädigt habe. Medienmogul Rupert Murdoch hatte zuvor bereits wichtige Führungsfiguren in seinem milliardenschweren Imperium News Corp verloren.

Auch der renommierten Polizeibehörde Scotland Yard wird in der Affäre Korruption vorgeworfen. Mit John Yates war am Montag der zweite hochrangige Polizist der Behörde zurückgetreten. Am Sonntag nahm bereits Sir Paul Stephenson, der ranghöchste britische Polizist, seinen Hut. Zuvor hatten mit Rebekah Brooks und Les Hinton zwei Murdoch-Top-Manager das Handtuch geworfen.  

Abhörskandal: Murdoch-Managerin Brooks auf Kaution frei

Abhörskandal

Murdoch-Managerin auf Kaution frei

Rebekah Brooks spielt als Ex-Chefin der Zeitungen eine Hauptrolle in dem Skandal.

Am Dienstag müssen Rupert Murdoch, sein Sohn James, die frühere Verlagsleiterin von News International, Rebekah Brooks und der zurückgetretene Polizeichef Stephenson vor Parlamentariern Rede und Antwort zu der Affäre stehen. Am Mittwoch soll das Parlament erneut über die Angelegenheit debattieren - einen Tag nach Beginn der eigentlichen Sommerpause.

Premierminister David Cameron verkürzte eine für vier Tage geplante Reise nach Südafrika um die Hälfte, um an der Debatte teilnehmen zu können. Der Regierungschef geriet nach dem Rücktritt von Polizeichef Stephenson erheblich in die Defensive.

Kommentare (3)

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Tempofit

18.07.2011, 23:58 Uhr

Da kommen einem ja die Tränen.
Das ist ja ganz furchtbar - kann man diesen armen Leuten nicht helfen?
Mit Staatskreditzusagen?
Das ist ja ganz entsetzlich: und die ganze Welt schaut zu und macht nix: ganz furchtbar.

Wir Menschen sind einfach furchtbar ganz schlecht: wir wehren uns gegen ideologische Einpeitscher.

Wir sind diese Verlagsgruppe einfach nicht wert.

tricky_dicks

19.07.2011, 00:10 Uhr

Machen wir uns keine Illusionen, die kommenden ideologischen Einpeitscher stehn schon in den Startlöchern mit scharrenden Hufen.
Und die werden uns Wahrheit nicht nur buchstabieren, sondern gleich multiziplieren weil, das ist ja noch mehr als Scheißhauskacke.

Account gelöscht!

19.07.2011, 01:27 Uhr

*war die pointe in "Kreditwürdigkeit von NewsCorp in Gefahr" etwa ungewollt? ;-)

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